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Textschablone

Stream-Editor sed

01.08.2005 Für stets wiederkehrende Aufgaben an einer oder mehreren Dateien kann das Arbeiten mit einem reinen Text-Editor schnell mühsam werden. Mit "sed" sparen Sie jede Menge Tipparbeit.

Zu Befehl

Auch wenn sich viele Dinge bequem über grafische Oberflächen wie KDE oder Gnome regeln lassen – wer sein Linux-System richtig ausreizen möchte, kommt um die Kommandozeile nicht herum. Abgesehen davon gibt es auch sonst viele Situationen, in denen es gut ist, sich im Befehlszeilendschungel ein wenig auszukennen.

Der Streamline Editor arbeitet im Gegensatz zu Text-Editoren wie Vi und Emacs nicht interaktiv. Stattdessen definieren Sie vorher auf der Kommandozeile, welche Textbereiche zu löschen, ändern oder einzufügen sind. Bei Bedarf packen Sie auch alle Anweisungen in ein spezielles Skript und führen Sie in einem Rutsch aus. Gilt es in einer oder mehreren Dateien gleich mehrere Zeichen und Zeichenkombinationen zu verändern, verhindert sed, dass Sie sich die Finger wund tippen.

Normalerweise erhält sed die zu bearbeitenden Texte von der Standardeingabe (stdin). Alternativ können Sie eine oder mehrere Dateien angeben: sed bearbeitet jede Zeile mit den angeführten Befehlen und schreibt sie in einen Puffer, dessen Inhalt zuletzt – falls nicht anders definiert – auf der Standardausgabe (stdout) erscheint. Die generelle Befehlssyntax lautet:

sed [optionen] 'befehl(e)' datei(en)

Damit die Shell den Befehl nicht auswertet, schließen Sie das Kommando in einfache Hochkommas ein. Die Befehle beziehen sich entweder auf einzelne Zeilen, Zeilenbereiche, auf bestimmte Zeichenketten oder – wenn eine derartige Angabe fehlt – auf die ganze Datei. Die Angabe, welche Zeilen zu bearbeiten sind, bezeichnet man als Adresse. Eine Übersicht über die wichtigsten sed-Kommandos mit Adressierungsbeispielen finden Sie in der Tabelle "Sed-Kommandos".

Sed-Kommandos

Befehl

Bedeutung

Beispiel

p Gibt die entsprechenden Zeilen auf dem Bildschirm aus. sed -n '1,10p' datei – zeigt nur die ersten zehn Zeilen von datei an.
d Löscht den definierten Bereich. sed '3d' datei – löscht die dritte Zeile in datei.
s Ersetzt Zeichenketten. sed 's/KDE/Gnome/' datei – ersetzt alle Vorkommen von "KDE" durch "Gnome" in der gesamten Datei.
a Fügt Text hinter den adressierten Zeilen ein (Einsatz in Skripten). 1a\ -Umbruch- Hier ist eine neue Zeile. – fügt nach der ersten Zeile den folgenden Text ein.
i Fügt Text vor den adressierten Zeilen ein (Einsatz in Skripten). 1i\ -Umbruch- Hier ist eine neue Zeile. – fügt vor der ersten Zeile den folgenden Text ein.
c Ersetzt Zeilen oder Zeilenbereiche (Einsatz in Skripten). 2c\ -Umbruch- Hier ist eine andere Zeile. – ersetzt die zweite Zeile durch den folgenden Text ein.
r Liest den Inhalt einer Datei ein und setzt diesen hinter die entsprechende Adresse. sed '2r neu.txt' datei – setzt den Inhalt von neu.txt hinter die zweite Zeile von datei .
w Schreibt die adressierten Zeilen oder Bereiche in eine neue Datei. sed '5,$w neu.txt' datei – speichert von der fünften (einschließlich) bis zur letzten Zeile alles in der Datei neu.txt

Einfach nur ausgeben

Wie schon erwähnt, wenden Sie sed-Befehle auf so genannte Adressen (bestimmte Zeilen oder Bereich einer Datei) an. Zusammen mit Regular Expressions (siehe auch den Artikel in dieser Ausgabe ab Seite 90) lassen sich Dinge sehr genau treffen. In den folgenden Abschnitten und Beispielen stellt der Artikel für die verschiedenen sed-Kommandos Möglichkeiten zur Adressierung vor – diese gelten dann entsprechend für sämtliche Befehle des Streamline Editors.

Zur einfachen Ausgabe dient das Kommando p. Um beispielsweise die zweite Zeile anzuzeigen, stellen Sie dem Befehl einfach die Ziffer 2 voran:

$ sed '2p' datei
Hier ist die erste Zeile.
Die zweite Zeile.
Die zweite Zeile.
Hier steht Zeile 3.
…

Die Ausgabe sieht ein bisschen anders aus als erwartet: Statt der zweiten Zeile erscheint die komplette Datei am Bildschirm, die zweite Zeile auch noch zweimal. Um die überflüssigen Ausgaben zu unterbinden, setzen Sie daher zusätzlich die Option -n ein:

$ sed -n '2p' datei
Die zweite Zeile.

Löschzug

Auch für das Kommando zum Löschen (d) geben Sie im einfachsten Fall genau eine Zeile an, die bearbeitet werden soll. So löscht das Kommando

sed '1d' datei

die erste Zeile aus datei. Um gleich mehrere Zeilen zu erwischen, schreiben Sie die erste und letzte Zeile durch ein Komma getrennt in den Befehl, Beispielsweise löscht

sed '2,4d' datei

die zweite bis vierte Zeile. Genauso leicht treffen Sie jede n-te Zeile; das Kommando

sed '1~3d'datei

entfernt jede dritte Zeile – ausgehend von der ersten. Wer von der fünften bis zur letzten Zeile der Datei komplett Tabula Rasa machen möchte, muss nicht erst Zeilen zählen und diese dann explizit angeben, sondern kann wieder einen regulären Ausdruck zur Hilfe nehmen. Mit dem Aufruf

sed '5,$d' beispiel.txt

entfernen Sie alle Zeilen ab der einschließlich fünften bis zum Dateiende, welches durch das Dollar-Zeichen definiert wird.

Besonders praktisch erweist sich der Befehl zum Löschen, wenn Sie Konfigurationsdateien in /etc betrachten wollen, die sehr viele Kommentare enthalten. Mit sed löschen Sie einfach alle Zeilen heraus, die ein Rautezeichen am Zeilenanfang haben:

sed '/^#.*/d' /etc/inetd.conf

Als Adresse übergeben Sie dem d-Kommando einen in Schrägstriche eingeschlossenen regulären Ausdruck, der alle Zeilen, die mit einer Raute beginnen und danach keine oder beliebige Zeichen enthalten, bezeichnet. Da auf diese Weise allerdings auch leere Zeilen der Konfigurationsdatei im Terminal landen, können Sie mit einem anderen regulären Ausdruck (^[^#].*) einfach nur diejenigen Zeilen drucken (p-Befehl), die mit einem Zeichen beginnen, das keine Raute ist (Abbildung 1).

Abbildung 1: Konfigurationsdateien ohne die Kommentare anzeigen – "sed" macht's möglich.

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