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Podcatching: automatisiert MP3-Sendungen herunterladen

Radio für unterwegs

Viele Web-Radios bieten MP3s zum Download. Wer das mühselige Abgrasen von Web-Sites scheut, dem hilft dabei Podcasting: automatisiert Sound-Files downloaden und mit dem MP3-Walkman oder dem Linux-PC anhören.

Podcasting ist der neueste Trend in der bunten Welt der Weblogs. Dabei verteilen RSS-Feeds Informationen über aktuelle MP3-Dateien, die Sie herunterladen und nach Belieben wieder abspielen können – also kein Grund, beim schönen Wetter an den Rechner gefesselt zu bleiben. Wenn Sie einen solchen Feed abonnieren, erhalten Sie automatisch neue Podcasts, die Sie später unterwegs auf Ihrem Lieblings-MP3-Player abspielen können.

Der Begriff Podcasting rührt natürlich vom Apple iPod her, aber er führt in die Irre: Man benötigt man keinen iPod, um die Dateien abzuspielen. Podcasting bezieht sich dabei auf den Sender (von englisch Broadcasting, übertragen) auf das Sendeprogramm. Der Empfang, um den es in diesem Artikel geht. heißt entsprechend Podcatching.

Medienvielfalt

Obwohl viele Podcasts – ebenso wie viele Blogs – recht banal sind, gibt es durchaus auch hochwertige Beiträge. Doug Kate von IT Conversations [1] bietet beispielsweise über 300 Aufnahmen von Interviews und Keynote-Präsentationen aus dem Computer-Bereich. Zu den Highlights zählen Paul Grahams Vortrag über große Hacker, Bruce Schneier über Sicherheit und Lawrence Lessig, der aus seinem Buch "Free Culture" vorliest. Ein Verzeichnis interessanter deutschsprachiger Podcasts führt [2].

Der ganze Hype um Podcasts geht größtenteils auf den ehemaligen MTV-VJ Adam Curry zurück. Nach einer Diskussion mit ihm entschloss sich Dave Winer 2001, das multimediale Übertragungsmodell im Internet zu erweitern, indem er den RSS-Feeds das Subelement enclosure hinzufügte [3] (siehe Kasten "Pod-Feeds")

Ein Podcatching-Client liest die vom User abonnierten RSS-2.0-Feeds, lädt die gewünschten Audiodateien herunter und verschiebt sie in die Musikbibliothek oder auf den tragbaren MP3-Player. Wer einen iPod sein besitzt und iTunes auf einem Mac einsetzt, hat es am einfachsten. Linux-User mit unterschiedlichen MP3-Spielern müssen etwas mehr Arbeit investieren, wenn sie den automatischen Transfer sauber einrichten wollen.

Pod-Feeds

Das folgende Beispiel eines RSS-Feed-Abschnitts zeigt ein enclosure-Tag mit den drei wichtigen Attributen: die URL der zu herunterladenden Datei, die Größe in Bytes (length) und den Dateityp.

<enclosure ↩
url="http://downloads.bbc.co.uk↩
/rmhttp/radio4/history/↩
inourtime/↩
inourtime19_pod.mp3"↩
 length="12582787" ↩
 type="audio/mpeg"/>

Dave Winers ursprüngliche Spezifikation definierte maximal einen Anhang je Eintrag, aber wie bei vielen Aspekten von RSS diskutiert die Community darüber noch heftig.

Auf Empfang schalten

Manche Player wie der iPod benötigen spezielle Treiber-Software zur Synchronisierung, siehe [4]. Dieser Artikel geht davon aus, dass Sie einen normalen MP3-Player verwenden, der sich als externes Laufwerk mounten lässt.

Bei iPodder [5] handelt es sich um eine GUI-basierte Python-Anwendung, mit der Sie Podcasts abonnieren und empfangen können. Zurzeit liegt für Linux Version 2.0-rc3 vor. Es gibt noch ein paar kleine Bugs, die hoffentlich vor dem Final-Release ausgemerzt werden. iPodder setzt Python 2.3 oder neuer voraus (unterstützt allerdings nicht Python 2.5). Außerdem erfordert es folgende Pakete: python-gtk, wxPythonGTK, libwxPythonGTK2.5_2, pythonlib, libpython2.3, libxml2-python und xmms-python (Support für den XMMS-Player).

Zum Installieren entpacken Sie zunächst das Archiv; dann wechseln Sie in den neuen Ordner und führen als Root den Installer aus:

tar -xvjf iPodder-↩
linux-2.0-RC2.tar.bz2
cd iPodder-linux/
sudo run ./install.sh

Der Installer kopiert das Paket nach /opt/iPodder/ und legt einen symbolischen Link auf /usr/bin/iPodder an. Wenn Sie ein Symbol für den Desktop erstellen wollen, finden Sie unter /opt/iPodder eine passende Icon-Datei namens iPodder.png. Verlinken Sie diese Datei mit /usr/bin/iPodder und klicken Sie auf das Symbol, um das Programm zu starten. Aternativ geben Sie in einem Terminalfenster iPodder& ein.

Abbildung 1: Das iPodder-Register "Subscriptions" zeigt die abonnierten Feeds.

Standardmäßig öffnet IPodder das Register Subscriptions (Abonnements) (Abbildung 1). Es gibt einen Überblick über die Feeds, die Sie abonniert haben. Klicken Sie auf einen Feed, sehen Sie unten im Fenster Episode eine Liste der Podcasts, die Sie aus diesem Channel abrufen können. Standardmäßig wird nur der letzte Podcast im jeweiligen Feed für die Übertragung gekennzeichnet, aber Sie können jeden anderen – oder sogar alle – markieren, sollten Sie eine frühere Sendung verpasst haben.

Abbildung 2: Das Register "Podcast Directory" bietet eine Auswahl der Abonnementsoptionen und ermöglicht außerdem die manuelle Adresseingabe.

Wenn Sie auf das Register Podcast klicken (Abbildung 2) sehen Sie eine Auswahl der Podcasts, die Sie abonnieren können. Außerdem können Sie Adressen von Feeds manuell eingeben. Mit einem einfachen Klick öffnen Sie einen Ordner in der Liste und mit Doppelklick auf einem Feed nehmen Sie den Feed in Ihre Abo-Liste auf. Sind Sie damit fertig, kehren Sie zum Register Subscriptions zurück und klicken auf den grünen Button mit dem Doppelpfeil, um die Downloads auszulösen. Den Fortschritt der Downloads überwachen Sie im Register Download (Abbildung 3).

Abbildung 3: Überwachen und verwalten von Downloads im Register "Downloads".

Mit der Zeitplanungsoption unter Tools/Scheduler steuern Sie Ihre Downloads zeitlich. Sie haben die Möglichkeit, in regelmäßigen Intervallen oder zu einem festen Zeitpunkt nach neuen Feeds zu suchen. Wenn Sie iPodder schließen, reduziert sich die Anwendung auf Symbolgröße. Sie bleibt jedoch im Hintergrund aktiv, sodass Sie sich mit anderen Aufgaben befassen können.

iPodder erstellt den Ordner ~/iPodderData/downloads, in dem es die MP3-Dateien speichert. Wegen eines kleinen Bugs war diese Einstellung nicht über die GUI editierbar, allerdings ließ sie sich über die Konfigurationsdatei ~/iPodderData/ipodder.cfg manuell ändern. Wenn Sie die Schritte in diesem Artikel nachvollziehen wollen, müssen Sie einen Ordner mit dem Namen ~/podin anlegen und ihn als Download-Verzeichnis einstellen.

iPodder ist eine sehr elegante und gut durchdachte Anwendung, die über eine intuitives Interface verfügt. Was die Wiedergabe betrifft, unterstützt iPodder zurzeit nur iTunes und den Windows Media Player, aber es gibt eine sehr nützliche Option unter File | Preferences | Advanced (Datei : Einstellungen : Erweitert), um nach erfolgreichem Download automatisch ein Skript auszuführen – dazu gleich noch mehr. Das Programm hat ein paar Lücken, zum Beispiel gibt es keine Funktion, die den freien Speicherplatz auf der Festplatte überprüft; die Entwickler werden aber dieses sowie andere kleine Probleme wohl demnächst in Angriff nehmen.

Eine Alternative als GUI-Applikation stellt jPodder dar [6], ein Cross-Plattform-Client, der in Java geschrieben ist. Momentan weist die Betaversion für Linux Version 0.9 noch ein paar Macken, aber der Client wird mit Azureus [7] gebundelt und leistet gute Dienste für Podcasts, die über Bittorrent übertragen werden.

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