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Linux und Flash

Krieg der Welten?

Für animierte, interaktive Web-Inhalte ist Flash heute das Mittel der Wahl. Mit Flash und Linux prallen jedoch Welten aufeinander: Die derzeitigen Open-Source-Lösungen zum Flash-Authoring bieten nur rudimentäre Möglichkeiten.

Die Wurzeln von Flash reichen zurück bis ins Jahr 1995. Damals veröffentlichte die Firma FutureWave unter dem Namen FutureSplashAnimator den Vorläufer von Flash. Nur ein Jahr später übernahm Macromedia die Firma FutureWave und brachte im Jahre 1997 die erste Version von Flash auf den Markt. Flashs damalige Stärken lagen klar im Animationsbereich, wie zum Beispiel bei der Erstellung von Intros und Bannern.

Umgangsprachlich ist oft die Rede von sogenannten Flash-"Filmen", welche in den meisten Fällen mit der Autorenumgebung Macromedia Flash erzeugt werden. Das Dateiformat dahinter heißt Small Web Format (SWF). Zum Abspielen von SWF-Dateien kommt fast ausschließlich der Flash Player [1] von Macromedia zum Einsatz, dessen Verbreitung laut Macromedia bei 98 Prozent liegt. Dass die Zahlen je nach Benutzerschicht variieren, versteht sich von selbst. Eine wirkliche Alternative zum Player von Macromedia existiert bis dato nicht. Lediglich der freie GPLFlash-Player, bei dem die Entwicklung der zweiten Version gerade wieder aufgenommen wurde, könnte in Zukunft vielleicht eine Alternative darstellen.

Flash heute

Seit mittlerweile acht Jahren wurde Flash konsequent weiterentwickelt und gilt heute im Bereich der Erstellung von multimedialen Online-Inhalten als Marktführer. Für viele ist Flash aber immer noch das Tool, mit dem außer nervenden Intros und Blink-Blink-Bannern nichts Sinnvolles erstellt werden kann.

Abbildung 1: Die bislang verbreitetste Entwicklungsumgebung für Flash: Macromedia Flash MX 2004 Professional.

Das ist schade, denn Flash ist erwachsen geworden. IT-Größen, wie zum Beispiel SAP [2] werden in der nächsten Version von NetWeaver das Erstellen von intuitiven Flash-basierten Benutzeroberflächen implementieren, um die Usability und Produktivität ihrer Enterprise Software zu verbessern. Auch IBM setzt beim Ausgabeformat ihrer Open-Source Plattform OpenLaszlo zur Darstellung der Inhalte für sogenannte Rich Internet Applications auf Flash.

Der ein oder andere Leser fragt sich jetzt sicherlich, was denn mit den ganzen Vorurteilen gegenüber Flash auf sich hat, wie sie zum Beispiel der Usability-Guru Jacob Nielsen in seinen Artikeln [3] aufzählt. Viele wissen nicht, dass Macromedia und Nielsen im Sommer 2002 eine strategische Partnerschaft eingegangen sind, um die vorhandenen Usability-Probleme von Flash-Anwendungen auszumerzen. Da wir Ihnen aus Platzgründen im Rahmen dieses Artikels leider nicht für alle Kinderkrankheiten entsprechende Lösungen ausgiebig vorstellen können, finden Sie in dem Kasten "Flash und seine Kinderkrankheiten" Links zu Lösungen, die viele der bekannten Probleme beseitigen bzw. reduzieren.

Flash und seine Kinderkrankheiten

Geben Sie dem Back-Button seine gedachte Funktionalität zurück: http://www.actionscripts.org/tutorials/intermediate/Enabling_a_back_button_within_flash/index.shtml http://weblogs.macromedia.com/cantrell/archives/2005/06/deep_linking_in.cfm#more

Mausrad-Unterstützung: http://www.communitymx.com/content/article.cfm?cid=E81CE

Rechtsklick-Menü: http://www.metamorphozis.com/tutorials/flash_customized_right_click_menu_in_flash_mx_2004_tutorial.shtml

Zeig deinen Code der Open-Source-Gemeinde: http://weblogs.macromedia.com/mesh/archives/2005/04/adding_a_view_s.cfm

Flashseiten suchmaschinenfreundlich aufbereiten: http://codeazur.com.br/stuff/fugsp/

Flashs Acessibility-Unterstützung auf dem richtigen Weg: http://www.macromedia.com/macromedia/accessibility/features/flash/

Flash und CSS-Support, ein vielversprechender Anfang: http://www.actionscript.org/tutorials/beginner/css_in_flash/index.shtml

W3C konforme Einbindung einer SWF-Datei: http://www.alistapart.com/articles/flashsatay/

Inhalte aus Flashseiten ausdrucken: http://www.actionscript.org/tutorials/beginner/the_printjob_class/index.shtml

Schriftgröße einer Anwendung ändern: http://www.asual.com/enflash/demos.html

Nehmen wir nun aber die Programme unter die Lupe, mit denen es derzeit möglich ist, Flashinhalte unter Linux zu erstellen.

Die Zukunft von Flash

Kurz noch ein paar Worte über die Zukunft von Flash: Macromedia hat mit Adobe eine Übernahmevereinbarung getroffen, die als Grundlage für einen konkreten Verkauf des Unternehmens im Herbst dieses Jahres dient. Es ist nicht zu erwarten, dass die Transaktion platzt, aber deswegen muss man sich keine Sorgen um die Flash-Plattform machen. Ohne Frage ist Flash ein wesentlicher Grund für das Interesse von Adobe an Macromedia. Für den kommenden Herbst ist die achte Version der Autorenumgebung und des Players zu erwarten. Ein weiteres ehrgeiziges Ziel von Macromedia wird die Etablierung auf dem mobilen Markt sein. So wurden im Frühjahr mit Samsung und Nokia Lizenzvereinbarungen über die Implementierung eines Flash-Lite-Players abgeschlossen, um die Verbreitung der Flash-Technologie zu forcieren.

KToon Animation Toolkit

Das erste Programm, dass wir Ihnen vorstellen wollen, trägt den Namen KToon [4] und kommt aus dem Hause Toonka Films. Es unterliegt der General Public License (GPL) und ist derzeit in der Beta-Version 0.7 verfügbar. Diese setzt lediglich QT 3.3.2 [5], das plattformübergreifende C++-Framework aus der norwegischen Softwareschmiede Trolltech, voraus.

Das ehrgeizige Ziel von KToon ist das Vereinen von traditionellen und digitalen Animationstechniken in einem Tool. Wer es eher traditionell bevorzugt, der wird sich im Illustrations-Modul wohl fühlen. Für diejenigen, die eher das Gefühl des digitalen Arbeiten mögen, erweist sich das Animations-Modul als erste Wahl.

Nach dem ersten Öffnen präsentiert sich KToon als palettenorientiertes Programm (Abbildung 2) mit verschiebbaren Platten für die Farben, die Pinsel, die Szenen und für das Exposure-Sheet. Das Exposure-Sheet (Abbildung 3) findet sich nur im Illustrations-Modul und funktioniert nach dem Zwiebelschalen-Prinzip: Man sieht je nachdem, ob man die vorhergehenden oder folgenden Frames (Bilder) ausgewählt hat, eine leicht transparente Version der jeweiligen Elemente und kann somit besser eine Bild-für-Bild-Animation erstellen.

Abbildung 2: Die Benutzeroberfläche von KToon arbeitet mit zahlreichen Paletten.
Abbildung 3: Das Exposure-Sheet von KToon fasst einzelnen Ebenen und Animationsschritte übersichtlich zusammen.

Im Animations-Modul (Abbildung 4) findet sich anstelle des Exposure-Sheets eine Zeitleiste, wie man sie aus Macromedia Flash kennt. Desweiteren gibt es eine Werkzeugleiste und – nicht zu vergessen – die eigentliche Zeichenfläche. Die Menüeinträge umfassen eine Leiste mit Icons für die programmübergreifenden Funktionen, wie zum Beispiel das öffnen und speichern von Dateien. Ein zweiter Teil der Leiste passt sich entsprechend dem Arbeitsmodus des Benutzers an.

Abbildung 4: Über das Animationsmodul gestalten Sie den Ablauf des "Films" sowie die Kamera-Ansichten.

Der erste Eindruck der Benutzeroberfläche ist recht ansprechend, obwohl einige Icons etwas verspielt wirken und sich somit auf den ersten Blick schwer einordnen lassen. Für diesen Fall hält KToon aber nützliche Tooltipps bereit. In der Version 0.7 können Sie zwischen den Sprachen Spanisch, Französisch und Englisch für die Programmoberfläche wählen.

Eine deutsche Lokalisierung steht noch aus. Bei Interesse können Sie die Entwickler aber dabei unterstützen: Auf der KToon-Webseite finden Sie im Download-Bereich ein Sprach-Template mit der Endung .ts. Dahinter verbirgt sich eine XML-Datei, die Sie einfach selbst editieren können. Zwar könnnen Sie die so lokalisierte Datei nicht selbst einbinden; schicken Sie sie jedoch per E-Mail an das Team von KToon, hat sie gute Chancen, in die nächste Version eingebunden zu werden.

Der grundlegende Funktionsumfang von KToon fällt bis dato noch sehr rudimentär aus. So ist das Erstellen von komplexen Vektoren, eine Stärke von Flash, derzeit nur sehr eingeschränkt möglich. Ebenfalls gibt es im Moment noch keinen Support für Actionscript, die Flash-Programmiersprache.

Zwar kann KToon bereits Dateien im SWF-Format schreiben. Allerdings exportiert das Tool die Animation dabei Frame für Frame als Bitmap. Dies spiegelt sich unangenehm in der Größe der entsprechenden Files wider. Für die kommende Version verspricht das KToon-Team viele Verbesserungen und Fortschritte: Unter anderem will man KToon um ein Modul für Effekte ergänzen und die Arbeit mit Vektoren erleichtern.

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