Fotos ordnen

Der Bildverwalter F-Spot

01.08.2005
Wo sich viele Bilder auf der Festplatte häufen, macht sich schnell Chaos breit. Die Bildverwaltungssoftware F-Spot [1] tritt mit dem Anspruch an, Fotoarchive effektiv und ohne langes Sortieren zu erschließen.

Der Siegeszug digitaler Kameras hat die Festplatten mit Fluten von Fotos überschwemmt. Wie bei allen großen Dateisammlungen besteht die große Schwierigkeit darin, Gesuchtes auch schnell wiederzufinden. Der traditionelle Weg, die Dateien in einer Ordnerhierarchie abzulegen, wird spätestens dann ungangbar, will man mehrere Ordnungskriterien gleichzeitig berücksichtigen: Häufig möchte man Bilder nicht nur nach Datum oder Aufnahmeort ordnen, sondern auch nach Kategorien wie "Arbeit" und "Freizeit", "Leute" und "Gebäude", "Schnappschuss" und "Künstlerisch".

F-Spot soll diese Aufgabe erfüllen und so Ordnung in die heimische Fotosammlung bringen. Begonnen wurde das Projekt 2003 von GNOME-Entwickler Ettore Perazzoli, der leider im Dezember desselben Jahres verstarb. Die Weiterentwicklung hat inzwischen Larry Ewing (der Erfinder des Tux-Pinguins) übernommen.

Montage und Inbetriebnahme

Dieser Artikel beschreibt Version 0.0.13 von F-Spot. Die niedrige Ziffer signalisiert, welchen Entwicklungsstand F-Spot nach Meinung der Programmierer erst erreicht hat. Tatsächlich macht der Bildverwalter schon einen recht brauchbaren Eindruck. Die Installation per Paketmanagement gelingt unter großen, aktuellen Distributionen wie Debian, Fedora, Suse und Ubuntu problemlos möglich sein, da native Pakete verfügbar sind. Suse 9.3 bringt F-Spot sogar schon mit.

Weil das Programm in der Sprache C# geschrieben ist, benötigt es die Mono-Umgebung mit dem entsprechenden Programm-Interpreter mono, außerdem noch einige Gnome-Pakete sowie verschiedene Datenbank- und Grafikbibliotheken. F-Spot selbst zu kompilieren, erweist sich als nicht ganz einfach. Einige Tipps dazu gibt der Kasten "Mit Mono kompilieren".

Mit Mono kompilieren

Eine manuelle Installation von F-Spot aus Quellpaketen oder gar aus dem CVS kann eine ziemliche Herausforderung sein – je nach Alter Ihrer Distribution. Auf jeden Fall benötigen Sie die Mono-Entwicklungsumgebung einschließlich Compiler und Bibliotheken, die Sie unter [2] finden. Gibt es keine Pakete für Ihre Distribution, können Sie den Linux Installer verwenden. den Sie auf der Heft-CD finden. Er installiert alle Mono-Dateien nach /opt/mono. Sie müssen dann nur noch /opt/mono/bin in den PATH aufnehmen, schon können Sie Mono-Programme übersetzen.

Beim ersten Start zeigt F-Spot nur einen gähnend leeren Bildkatalog. Deshalb öffnet das Programm sofort ein Fenster zum Importieren neuer Fotos. Darin können Sie nun entweder ein Laufwerk, ein angeschlossenes Speichermedium oder einen beliebigen Ordner als Importquelle auswählen. Hier können Sie auch schon Kategorien für die Fotos festlegen (siehe unten). Nach Klick auf OK durchsucht F-Spot die angegebenen Ordner und katalogisiert alle darin enthaltenen Bilddateien. Das Importfenster lässt sich aus dem Datei-Menü jederzeit wieder aufrufen.

Suchen und Finden

Nach dem Import diverser Bilder erscheint F-Spot schon etwas bunter, wie in Abbildung 1. Klicken Sie ein Bild an, erscheinen links unten diverse Daten wie Name, Größe oder Datum. Das Namensfeld lädt geradezu zum Umbenennen von Bildern ein, diese Funktion haben die Entwickler aber noch nicht eingebaut.

Daten wie Belichtungszeit oder Orientierung entimmt F-Spot den Bildern übrigens per EXIF, einem Standard zur Übertragung von fotografiespezifischen Zusatzdaten in Bilddateien. Ein Dialogfenster zeigt alle gespeicherten EXIF-Felder an.

Abbildung 1: F-Spot bietet eine Übersicht der gespeicherten Bilder.

Es gibt zwei Arten, Ordnung in den Bilderwust zu bringen: einmal die die Markierungen, die in einer Liste oben links im F-Spot-Fenster zu sehen sind. Neben den Spezialmarkierungen Favoriten (Favorites) und Verborgen (Hidden) gibt es vier vorgegebene Kategorien: Leute (People), Orte (Places), Ereignisse (Events) und Andere (Other). Über das Kontextmenü oder Markierungen legen Sie neue Kategorien oder neue Markierungen darin an. Ziehen Sie eine Markierung oder Kategorie mit der Maus auf ein Vorschaubild, erhält dieses Foto die entsprechende Markierung. Mit dem Kontextmenü lassen sich die Zuordnungen über Markierung hinzufügen und Markierung entfernen verwalten.

Wählen Sie eines der Ankreuzfelder in der Kategorienliste, zeigt F-Spot im Index nur noch Bilder mit der entsprechenden Markierung. Wählen Sie mehrere, zeigt F-Spot alle Bilder, die eine der entsprechenden Markierungen besitzen, und nicht etwa die Schnittmenge der Auswahlen – über den Sinn dieses Verhaltens mag man streiten. Markierung bearbeiten im Kontextmenü (oder Markierungen | Ausgewählte Markierung bearbeiten...) öffnet übrigens ein Fenster, in dem Sie die Kategorienzuordnung einer Markierung ändern.

Einen noch schnelleren Zugang zu den Bildern, der keine Kategorisierung voraussetzt, erlaubt der Schieber über dem Index (Abbildung 2). Dieses auf den ersten Blick etwas rätselhafte Werkzeug zeigt einen Zeitstrahl mit Jahreszahlen und Monatsteilstrichen. Den sichtbaren Ausschnitt scrollen Sie mit den beiden Pfeilen hin und her. Ein Balken über dem jeweiligen Monatsabschnitt zeigt an, dass Bilder aus diesem Monat im Katalog sind. Die Höhe deutet dabei die Anzahl der Fotos an. Schiebt man den Schieber auf einen Zeitpunkt, springt der Index zu dem Bild, das am zeitnächsten dazu liegt.

Über die beiden Griffpaare verschieben Sie die Datumsunter- und -obergrenze, um nur Bilder eines bestimmten Zeitraums im Index darzustellen. Leider wird das komplette Bedienelement unbenutzbar, wenn man versucht, die Obergrenze über den Schiebers zieht. Dieser Fehler wird hoffentlich bald behoben.

Abbildung 2: Der "Zeitschieber".

Wählen Sie über das Ansicht-Menü die Anordnung nach Verzeichnis, teilt F-Spot die Skala nicht mehr nach Monaten ein, sondern nach Verzeichnissen. Falls die Bilder beim Import schon in Ordnern vorsortiert waren, kann dies sehr praktisch sein. Andernfalls ist der Nutzen davon, die Ordnerhierarchie in einer linearen Skala flachzuklopfen, zweifelhaft.

Am Ziel angelangt…

Haben Sie das gesuchte Bild gefunden und doppelt geklickt, erscheint es in einer blätterbaren Großbildansicht wie in Abbildung 3. Hier bietet F-Spot auch einige Funktionen, um das Foto zu bearbeiten. Die Knöpfe für die Allerweltsfunktion, links und rechts herum zu drehen, um hochkant geschossene Bilder in die Waagerechte zu bringen, funktionierten schon in der Indexansicht. Im Großbild lassen sich aber auch Bildausschnitte per Rahmenzug auswählen und ausschneiden oder verblitzte rote Augen von Porträts korrigieren. Es steht auch eine Liste von Seitenverhältnissen zur Verfügung, um Bilder für ein bestimmtes Papierformat zuzuschneiden. Eine Histogramm-Farbabgleichsfunktion und ein Weichzeichner runden die Palette ab.

Abbildung 3: Ein Bild in Großansicht.

Wann immer man ein Bild derart bearbeitet, legt F-Spot eine neue Version davon an. Das Original geht also nicht verloren und kann durch einfaches Auswählen von Original aus dem Versionsmenü wieder aufgerufen werden.

Nebenbei lassen sich Bilder auch als Desktop-Hintergrund einstellen, im Vollbildmodus oder als Diavorführung anzeigen. Eine Druckfunktion, die per Gnome-Print arbeitet und daher in der Lage ist, auch komplexere Druckeroptionen anzusteuern, bringt sie bei Bedarf zu Papier.

Das Menü Export dient als zweiter Ausgang für fertig sortierte und bearbeitete Bilder. Neben dem einfachen Umkopieren in ein eigenes Verzeichnis unterstützt es auch den Sharing-Dienst Flickr [2] oder das eigenständige Erstellen und Hochladen von HTML-Galerien. Man kann seine Fotos aber über die GNOME-eigene Brennschnittstelle auf CD oder DVD brennen oder schlicht per E-Mail verschicken.

Fazit

F-Spot steht noch am Anfang seiner Entwicklung und weist noch einige Ecken und Kanten auf. Das Konzept einer gut in GNOME integrierten Anwendung zur Bildverwaltung ist jedoch schon deutlich zu erkennen und vielversprechend. Die Bedienung ist einfach und durchdacht – soweit sie sich von selbst erschließt (es gibt noch keinerlei Dokumentation). Wer über einen längeren zeitraum Fotos sammelt, wird die Anordnunng in einer Zeitskala praktisch finden.

Die CVS-Version von F-Spot enthält bereits weitere Verbesserungen: Zum Beispiel reagiert das Programm auch noch während des Einlesens von Ordnerstrukturen. Eine neue Leiste zeigt symbolisch an, ob und welche Markierungs-Suchabfragen gerade im Index dargestellt werden.

Wer viel digital fotografiert und Schwierigkeiten hat, in seiner Bildersammlung den Überblick zu behalten, findet in F-Spot das geeignete Tool. Trotz seiner niedrigen Versionsnummer ist es schon recht mächtig, besitzt aber auch noch Entwicklungspotenzial.

Infos

[1] Homepage von F-Spot: http://www.gnome.org/projects/f-spot/

[2] Mono-Downloads: http://www.mono-project.com/Downloads

[3] Flickr: http://www.flickr.com/

Der Autor

Matthias Warkus hat nach einiger Tätigkeit als Übersetzer seine Nische im GNOME-Projekt in der Öffentlichkeitsarbeit gefunden. Nebenbei hat er das offizielle GNOME-2-Entwicklerhandbuch verfasst und erforscht seit über zwei Jahren im Selbstversuch die Auswirkungen eines Philosophiestudiums auf den Charakter.

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