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Eine Frage der Zeit

Das neueste stabile Debian-System unter der Lupe

01.08.2005
35 Monate haben die Debian-Entwickler programmiert, diskutiert und Termine verschoben. Im Juni erblickte dann endlich Debian 3.1 alias Sarge das Licht der Linuxwelt und wartet mit vielen neuen Features auf. Neben einem neuen Installer enthält die Distribution viele zeitgemäße Technologien.

Das bei Linux-Profis seit langem als stabiles Betriebssystem bekannte Debian GNU/Linux erfreut sich auch bei Einsteigern immer größeren Beliebtheit. Es überzeugt mit regelmäßigen Sicherheits-Updates und einem unschlagbar komfortablen und flexiblen Paket-Management. Doch die Anwender mussten fast drei Jahre lang warten, bis das Debian-Projekt sie mit einer neuen stabilen Release beglückte.

Debian 3.1 alias Sarge löste am 6. Juni 2005 das schon sehr betagte Woody (Version 3.0) ab. Unter [1] findet sich eine Liste der Möglichkeiten, sich Debian Sarge zu besorgen; entweder über einen Händler, per Download der CD/DVD-Images oder sogar vorinstalliert auf einem PC.

Debian 3.1 "Sarge"

Merkmale: Sehr stabile Distribution, komplett im Internet verfügbar, einfache Installation dank neuem Installer, 15 000 Pakete, stark anpassbar Software: Kernel 2.4.27/2.6.8, Gnome 2.8, KDE 3.3.2, Open Office 1.1.3, Gimp 2.2.6, Firefox 1.0.4, Thunderbird 1.0.2 Preis: 50 Euro (linuxland.de, 2 DVDs mit Handbuch und Support)

Die Liste der unterstützten Architekturen hat sich seit Woody nicht geändert, Sarge glänzt immer noch mit Support für ganze elf Systeme, darunter x86, Sparc, PowerPC und Itanium. Die Entwickler unterstützen AMD64 nicht offiziell, einen vollständigen inoffiziellen Port gibt es aber unter [2].

Es scheint, dass diese Menge an Architekturen ein pünktliches Release verhindert, da das Team Bugs meistens auf jedem System fixen muss. Ein nur inoffizieller Port auf die verbreiteten AMD64-CPUs zeigt zudem, dass das Projekt noch an einer Fokussierung auf die wichtigsten Prozessoren arbeiten sollte.

Neuer Installer

Nach dem Booten von CD oder DVD begrüßt Sie der Login-Screen aus Abbildung 1. Die Taste [F1] führt zum bekannten Hilfemenü. Ein Druck auf [F5] offenbart jedoch bereits die erste Neuerung in Sarge: den Debian-Installer, der sich mit den dort gezeigten Parametern schon vor dem Booten konfigurieren lässt, um zum Beispiel nicht nach USB-Geräten zu suchen (auf manchen Rechnern führt die Suche zu Fehlern beim Start).

Abbildung 1: Schon der Boot-Screen von Sarge verrät, dass die Debian-Entwickler viel Arbeit in neue und benutzerfreundlichere Oberflächen gesteckt haben.

Neben vielen anderen liegt die Hauptursache der Verspätung von Sarge im Debian-Installer. Die Entwickler haben erkannt, dass ein benutzerfreundliches Installationssystem von essentieller Bedeutung ist, und entwickelten ein komplett neues, das die Boot-Floppies aus Woody ablöst. Der zeitliche Aufwand war immens – das Ergebnis kann sich jedoch sehen lassen: Der Installer unterstützt nahezu 43 Sprachen, XFS-Dateisysteme, das Booten von USB-Memory-Sticks, und erkennt Hardware deutlich besser als die Boot-Floppies.

Er macht einen weitaus benutzerfreundlicheren Eindruck als die Boot-Floppies. Eine grafische Oberfläche gibt es zwar nicht, aber die ist dank der intuitiven Bedienung auch nicht nötig. Als Standard-Kernel-Version kommt Sarge mit 2.4, per Eingabe von linux26 wählen Sie stattdessen einen alternativen Kernel der Version 2.6.8. Die automatische Hardwareerkennung fand im Test sogar die Firewire-Schnittstelle und bot an, sie als Netzwerkinterface zu konfigurieren. Mit Woody stand noch das eigenhändige Laden von Kernel-Modulen auf der Tagesordnung.

Auch die Partitionierung der Festplatte gestaltet sich komfortabler als früher. Sarge erkennt freie Speicherbereiche und bietet an, sie automatisch zu partitionieren. Dabei haben Sie die Wahl zwischen Alle Dateien auf eine Partition, Desktop-Computer und Mehrbenutzer-Arbeitsplatzrechner. Für Serverrechner empfiehlt sich die dritte Variante, in der /, /usr, /var, /tmp und /home jeweils eine eigene Partition bekommen.

Partitionieren Sie lieber selbst, haben Sie wie gewohnt auch dazu die Möglichkeit. Allerdings verwirren die Symbole ein wenig, die sich erst nach einer Lektüre der ausführlichen Hilfeseite erschließen. Standarddateisystem ist Ext3, wahlweise stehen auch Ext2, ReiserFS, JFS, XFS und FAT zur Verfügung.

Pakete, Pakete, Pakete

Danach startet schon die Installation des Basissystems. Je nach Computer überrascht zwischendurch ein Dialog, in dem Sie den gewünschten Kernel aus einer Liste von über 30 Versionen auswählen müssen. In der Regel genügt es, den schon markierten Eintrag zu übernehmen. Ist das Grundsystem installiert und der Rechner neu gestartet, geht es an die Konfiguration: Uhrzeit, Zeitzone, Root-Passwort und Anlegen eines Benutzers.

Ein großer Vorteil von Debian ist, dass Sie alle Pakete über's Internet installieren können. Die Konfiguration des Paket-Managers Apt bietet an, Pakete von CD-ROM, aus dem Internet oder vom Dateisystem zu installieren. Die Auswahl an Paketen hat sich wieder einmal immens vergrößert. Sarge beinhaltet 15 000 Programme, die ganze zwei DVDs einnehmen. Der Kauf einer Box lohnt sich da umso mehr.

Die Paketauswahl gliedert sich bei der Installation in mehrere Abschnitte. Neben Desktop-Umgebung können Sie wahlweise Web-, Druck-, DNS- oder Dateiserver installieren. Kennen Sie sich mit dem Paketsystem bereits aus, wählen Sie Manuelle Paketauswahl. Allerdings startet daraufhin das Werkzeug Aptitude, an dessen Oberfläche Sie sich erst gewöhnen müssen. Es empfiehlt sich, die nötigen Pakete erst später mit Synaptic oder apt-get nachzuinstallieren, um sich nicht durch das Aptitude-Frontend kämpfen zu müssen.

Die Installation der Pakete bei einem Desktop-System dauert mit DVDs je nach Rechnerleistung etwa eine Stunde. Bei Auswahl von Desktop-Umgebung installiert Debian ärgerlicherweise automatisch sowohl KDE als auch Gnome, eine Auswahl nur eines Desktops sieht das GUI nicht vor. Insgesamt belegt Sarge dann knapp 2 GByte auf der Platte. Standard-Desktop ist Gnome, alternativ wählen Sie KDE im Gnome Display Manager (GDM) aus.

Abbildung 2: Hier wählen Sie aus, welche Software Debian installieren soll. Genügt Ihnen die spärliche Auswahl nicht, benutzen Sie lieber nach der Installation ein Tool wie Synaptic, denn die manuelle Paketwahl funktioniert mit Aptitude, einem sehr unkomfortablen Frontend.

Bei der Installation auf einem Laptop fiel auf, dass Debian sich nicht darum kümmert, Laptop-spezifische Dienste zu installieren. Einen Batterie-Monitor im KDE- oder Gnome-Applet haben wir genauso vermisst wie einen für mobile Rechner optimierten Kernel oder ein Programm, das die Frequenz der CPU dynamisch regelt. Hier müssen Sie selber Hand anlegen; bei der riesigen Auswahl an Paketen gerät die Suche nach dem richtigen Tool aber manchmal zum Geduldsspiel.

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