Sicheres Linux

Der Sicherheitsmechanismus SELinux wurde von den Red-Hat-Entwicklern noch einmal gründlich erweitert. SELinux implementiert so genannte rollenbasierte Sicherheit, was wesentlich feinere Zugriffssteuerung ermöglicht als das bekannte Unix-Schema von Benutzern, Gruppen und Rechten. Damit lässt sich ein Linux-System beispielsweise so einrichten, dass nicht einmal Root bestimmte Dateien verändern darf. Ein solches Verhalten kann jeder auf einem Rechner des SELinux-Entwicklers Russell Coker ausprobieren, der öffentlich zugänglich ist [5].

Fedora Core 4 bringt über 80 fertige SELinux-Profile für spezifische Dienste mit, von Bluetooth über den Cups-Druckdienst bis zum Samba-Netzdateisystem. Die Komplexitität von SELinux macht es einfach, sich aus dem eigenen System auszusperren. Den einzigen Ausweg bietet dann ein Neustart mit abgeschaltetem SELinux. Einsteigern steht deshalb Fedora Core 4 die praktische Möglichkeit offen, SELinux zunächst in einem Modus zu betreiben, in dem es Verstöße gegen die Sicherheitsrichtlinien nur protokolliert. Wer SELinux verstanden hat und sich kompetent genug fühlt, schaltet sein System später einfach mit dem Enforcing Mode ( auf Deutsch: Durchsetzen) scharf (Abbildung 4).

Abbildung 4: Die "Sicherheitsstufen-Konfiguration" stellt SELinux ein. Nicht alle Textfelder sind richtig lokalisiert.

Entwickler-Tools

Red Hat liefert Fedora Core mit dem GNU Compiler 4.0 aus. Das schließt auch den Java-Compiler GCJ ein, der Java-Code in ein direkt ausführbares Format übersetzt, nicht etwa in den sonst üblichen Bytecode. Prominentes Beispiel dafür ist die ebenfalls enthaltene Entwicklungsumgebung Eclipse in Version 3.1M6, die Red Hat mit dem GCJ übersetzt hat.

Wer Java-Programme entwickeln möchte, sollte das JDK von Sun herunterladen – der GCJ-Interpreter kann nämlich nicht alle Java-Programme ausführen. So scheitert er beispielsweise auch der Bytecode-Version von Eclipse. Die Fedora Release Notes empfehlen, nicht das RPM-Paket von Sun zu verwenden, da es mit den Abhängigkeiten des Fedora-Systems kollidiert. Besser eignet sich der ausführbare Installer von Sun oder die Pakete von http://jpackage.org.

Es ist unklar, ob Red Hat aus unternehmenspolitischen Gründe das vornehmlich von Novell entwickelte Mono-Framework nicht mitliefert, das die .NET-Umgebung von Microsoft nachahmt. Es gibt jedoch immer mehr interessante, auf Mono basierende Gnome-Anwendungen, die Red Hat nun nicht in die Distribution aufnehmen kann, zum Beispiel Beagle oder F-Spot (siehe Artikel auf S. 54). Stattdessen setzt die Firma auf Java, eine Sprache, in der leider nur wenige für Desktop-User interessante Anwendungen geschrieben sind. Zumindest für Gnome-Entwickler ist diese Option aber interessant, da sie mit GCJ und den entsprechenden Bibliotheken richtige Gnome-Anwendungen in Java schreiben können.

LinuxCommunity kaufen

Einzelne Ausgabe
 
Abonnements
 

Ähnliche Artikel

  • Fedore Core 3 Preview
    Red Hats freie Community-Distribution Fedora Core erscheint demnächst in Version 3. Oberflächlich hat sich nicht viel geändert, aber einige Neuerungen machen das des Endusers leichter. Ein Blick auf den letzten Release-Kandidaten gibt einen Vorgeschmack.
  • Das neue Fedora im Schnelltest
    Fedora eröffnet die Frühjahrsmode der Saison mit einigen gewagten Software-Stücken. Wir haben einen Blick auf die neue Kollektion geworfen.
  • Fedora Core 5 im Test
  • Fedora Core 6 im Test
    Vor kurzem erblickte Fedora Core 6 (Codename: "Zod") das Licht der Welt. LinuxUser hat die aktuelle Version der von Red Hat geförderten Community-Distribution unter die Lupe genommen.
  • Die saubere Distro
    Im Mai 2007 erschien die Distribution Fedora in einer neuen Version. Anwender, Entwickler und Admins profitieren von zahlreichen Neuerungen. Wir haben einen ausführlichen Blick auf das Release geworfen.
Kommentare

Infos zur Publikation

LU 11/2014: VIDEOS BEARBEITEN

Digitale Ausgabe: Preis € 4,95
(inkl. 19% MwSt.)

Mit der Zeitschrift LinuxUser sind Sie als Power-User, Shell-Guru oder Administrator im kleinen Unternehmen monatlich auf dem aktuelle Stand in Sachen Linux und Open Source.

Sie sind sich nicht sicher, ob die Themen Ihnen liegen? Im Probeabo erhalten Sie drei Ausgaben zum reduzierten Preis. Einzelhefte, Abonnements sowie digitale Ausgaben erwerben Sie ganz einfach in unserem Online-Shop.

NEU: DIGITALE AUSGABEN FÜR TABLET & SMARTPHONE

HINWEIS ZU PAYPAL: Die Zahlung ist auch ohne eigenes Paypal-Konto ganz einfach per Kreditkarte oder Lastschrift möglich!       

Tipp der Woche

Schnell Multi-Boot-Medien mit MultiCD erstellen
Schnell Multi-Boot-Medien mit MultiCD erstellen
Tim Schürmann, 24.06.2014 12:40, 0 Kommentare

Wer mehrere nützliche Live-Systeme auf eine DVD brennen möchte, kommt mit den Startmedienerstellern der Distributionen nicht besonders weit: Diese ...

Aktuelle Fragen

Artikelsuche
Erwin Ruitenberg, 09.10.2014 07:51, 1 Antworten
Ich habe seit einige Jahre ein Dugisub LinuxUser. Dann weiß ich das irgendwann ein bestimmtes Art...
Windows 8 startet nur mit externer Festplatte
Anne La, 10.09.2014 17:25, 4 Antworten
Hallo Leute, also, ich bin auf folgendes Problem gestoßen: Ich habe Ubuntu 14.04 auf meiner...
Videoüberwachung mit Zoneminder
Heinz Becker, 10.08.2014 17:57, 0 Antworten
Hallo, ich habe den ZONEMINDER erfolgreich installiert. Das Bild erscheint jedoch nicht,...
internes Wlan und USB-Wlan-Srick
Gerhard Blobner, 04.08.2014 15:20, 2 Antworten
Hallo Linux-Forum: ich bin ein neuer Linux-User (ca. 25 Jahre Windows) und bin von WIN 8 auf Mint...
Server antwortet mit falschem Namen
oin notna, 21.07.2014 19:13, 1 Antworten
Hallo liebe Community, Ich habe mit Apache einen Server aufgesetzt. Soweit, so gut. Im Heimnet...