Access-Ersatz unter Linux

Vom Nordwind zum Südsturm

Ohne großes Trara veröffentlichte Horst Knorr die Version 0.7.4 seines Datenbanktools Knoda. Doch das Release steckt voll neuer Features: Es bringt Bilder, neue Datenbank-Typen und den oft gewünschten Access-Import.

Sie interessieren sich nicht für Datenbanken? Dann schauen Sie sich doch mal die Beispieldatenbanken picture-example und southstorm auf der LinuxUser Heft-CD an. Mit wenigen Mausklicks zeigt Ihnen Knoda, wozu Datenbanken fähig sind. Ansprechend gestaltete Formulare und Berichte machen selbst das trockene Thema Datenbanken zu einer interessanten Tätigkeit.

Bei so viel Spaß darf natürlich die Installation aus dem Quellcode nicht fehlen. Die Heft-CD liefert dazu die Sourcen von Knoda, Hk_classes und weiteren benötigten Programmen. Benutzer von Suse 9.3 finden passende RPM-Pakete auf der Heft-CD. Egal für welchen Weg Sie sich entscheiden, lesen Sie unbedingt den Kasten "Source Code oder RPM". Er enthält wichtige Informationen zur Funktionsweise und Installation von Knoda. Die neueste Version des KDE-Datenbanktools finden Sie auf der Projekt-Homepage. [1]

Source Code oder RPM

Knoda dient genau genommen bloß als hübsche Karosserie. Den eigentlichen Motor für das Datenbank-Mobil liefert hk_classes. Diese Bibliothek unterstützt mittlerweile neun verschiedene Datenbanktypen. Davon benutzen die meisten Anwender in der Regel einen oder zwei.

Wieviele Datenbanken Knoda kennt, hängt davon ab, welche Entwicklerpakete die Datenbank-Library hk_classes beim kompilieren findet. Übersetzen Sie das Programm auf einem Rechner, der zum Beispiel die Pakete mysql-devel und postgresql-devel mitbringt, zeigt Knoda später in der Liste der unterstützten Datenbanken diese zwei Einträge an. Sind auch die Entwicklerpakete von Sqlite2 und Sqlite3 vorhanden, lassen sich auch diese Datenbanken mit Knoda bearbeiten.

Kompilieren: Wissen Sie bereits im Vorfeld, mit welchen Datenbanken Sie arbeiten möchten, lohnt es sich, Hk_classes und Knoda (in dieser Reihenfolge) aus dem Quellcode zu kompilieren. Dazu genügen die Befehle ./configure, make und (als root) make install. Achten Sie dabei auf die Ausgabe des Configure-Skripts von hk_classes. Es zeigt Ihnen an, welche Datenbanken Knoda unterstützen wird (siehe Abbildung 1). Ist die gewünschte Datenbank nicht mit dabei, müssen Sie das entsprechende Entwicklerpaket nachinstallieren. Dieses heißt in der Regel datenbank-devel oder libdatenbank, wobei Sie datenbank durch den richtigen Namen ersetzen müssen.

Beim Kompilieren von Knoda müssen Sie dem Configure-Befehl über den Zusatz --prefix=/pfad/zu/kde zusätzlich mitteilen, wo Ihre Distribution die KDE-Dateien ablegt. Unter Suse Linux lautet der volle Befehl

./configure --prefix=/opt/kde3

Bei den meisten anderen Distributionen führt der Befehl

./configure --prefix=/usr

zum Ziel. Hk_classes benötigt diese Option nicht. Der Kompiliervorgang dauert je nach Rechenpower zwischen 30 und 90 Minuten.

RPM-Pakete: Benutzer von Suse Linux 9.3 finden auf der Heft-CD fertige Pakete für Knoda, Hk_classes und einige Datenbanken, die die 9.3 nicht mitbringt. Da beim Kompilieren von hk_classes sämtliche unterstützten Datenbanken berücksichtigt wurden, benötigen Sie für die fehlerlose Installation ebenfalls sämtliche Datenbank-Pakete. Vier davon finden Sie auf der Heft-CD. Die restlichen Pakete (MySQL, PostgreSQL, Sqlite2/3 und ODBC) müssen Sie von den Suse-Medien nachinstallieren.

Wechseln Sie zur Installation auf der Heft-CD ins Verzeichnis SUSE9.3 und geben Sie folgenden Befehl ein:

rpm -Uvh *

Reklamiert der RPM-Befehl fehlende Abhängigkeiten, dann suchen Sie nach den verlangten Paketen in YaST und installieren diese nach. Für die Mdbtools müssen Sie unbedingt die Version auf der Heft-CD oder eine CVS-Version von [2] benutzen. Die von Suse mitgelieferten Access-Tools sind zu alt. Erscheint Ihnen die Abhängigkeitsliste zu groß und Sie können gut auf Datenbanken wie MS Access, Paradox oder Firebird verzichten, installieren Sie hk_classes und knoda besser aus dem Source Code.

Abbildung 1: Die Ausgabe des Configure-Skripts von 'hk_classes' verrät Ihnen, welche Datenbanken Knoda unterstützen wird. Achten Sie auf die Einträge in Großbuchstaben wie FIREBIRD, MDBTOOLS und MYSQL.

Die Beispieldatenbank

Ist die Installation geglückt, starten Sie Knoda über [Alt+F2] und die Eingabe von knoda. Um die Übersichtlichkeit des Programms zu verbessern, hat der Knoda-Programmierer Horst Knorr in der neuen Version einen zusätzlichen Treiberauswahldialog eingebaut (Abbildung 2). Hier wählen Sie den gewünschten Datenbanktyp aus und klicken auf Verbinden. Da Datenbankserver für die Verbindung oft zahlreiche Angaben benötigen, lassen sich die Zugangsdaten auch in einer Datei speichern. Sie finden diese dann über den Reiter Verbindungen.

Abbildung 2: Vor dem Start von Knoda wählen Sie einen Datenbanktreiber aus. Bereits benutzte Datenbanken erreichen Sie über den Reiter 'Verbindungen'.

Unabhängig davon, welchen Treiber Sie zu Beginn wählen, können Sie innerhalb von Knoda auch zu einer anderen Datenbank wechseln. Der Einstiegsdialog wirkt deshalb etwas irreführend. Um die Beispieldatenbank zu öffnen, klicken Sie doppelt auf den Eintrag sqlite3. Sie sehen jetzt das Hauptfenster von Knoda und können über Datei | Neu eine neue Sqlite3-Datenbank mit Tabellen, Abfragen, Formularen und Berichten anlegen. Details dazu finden Sie in unseren Knoda-Workshops in Ausgabe 01/2005 [3] und 02/2005 [4].

Kopieren Sie jetzt die Beispieldatenbank picture-example.hk_sqlite3 von der Heft-CD in ein beliebiges Verzeichnis und öffnen Sie die Datenbank anschließend über Datei | Öffne lokale Datenbank. Das Kopieren von der CD ist nötig, damit Sie in die Datenbank schreiben können. Knoda zeigt Ihnen jetzt das Formular mit der Überschrift Knoda image example an (Abbildung 3).

Abbildung 3: Formulare machen den Zugang zu Datenbanken auch Anfängern schmackhaft. Die Beschriftung 'Klick' und der gelbe Tooltipp helfen dabei.

Vergleichen Sie das Formular mit Abbildung 3, so stellen Sie fest, dass auf dem Originalformular die Beschriftung Klick und der Tooltip fehlen. Um die Knöpfe mit einem Label als solche erkennbar zu machen, wählen Sie Ansicht | Entwurfsmodus und markieren den obersten Button. Im Eigenschaftsfenster ganz rechts tragen Sie nun auf dem Reiter Daten das gewünschte Label ein. Den Buchstaben für den Hotkey – zum Bedienen des Programms ohne Tastatur – setzt Knoda automatisch. Den Kurztipp schreiben Sie in das Feld Hilfstext. Über einen Klick auf das Zahnradsymbol wechselt Knoda wieder in den Anzeigemodus und Sie können die Änderungen testen.

Bilder verknüpfen

Wählen Sie den neuen Klick-Knopf an, erscheint das Formular Init database. Hier geben Sie ein Verzeichnis mit Bildern an und klicken auf Store now. Damit die Übung auch klappt, falls sich in dem Verzeichnis keine Bilder befinden, kopiert Knoda vier eigene Beispielbilder in den angegebenen Ordner. Schließen Sie nun das Formular mit einem Klick auf das Tür-Symbol.

Zurück im Hauptformular wählen Sie den zweiten Button von oben. Knoda zeigt nun das Formular Linked image form an (Abbildung 4). Es dient dazu, den einzelnen Bildern einen Namen und Schlüsselwörter zuzuordnen. Wählen Sie hier den Button rechts von Import Images, um der Datenbank eigene Bilder hinzuzufügen. Wie im vorherigen Dialog müssen Sie das Verzeichnis mit den Bildern angeben. Knoda importiert die Formate GIF, PNG und JPEG – je nachdem, welche Option Sie anwählen. Ein Klick auf Import now startet den Einlesevorgang.

Abbildung 4: So hübsch können Datenbanken sein. Natürlich können Sie auch Ihre eigenen Motive wählen.

Obschon von Import die Rede ist, liest Knoda die Bilder nicht wirklich ein. Das Programm merkt sich lediglich den Speicherort des Fotos und das aktuelle Datum. Der Vorgang dauert denn auch nicht lange. Das KDE-Datenbanktool speichert die Informationen in der Tabelle picturelink. Öffnen Sie die Tabelle mit einem Doppelklick, sehen Sie die Felder set, details, description, filename, picture_id und added. Natürlich könnten Sie die Inhaltsangaben zu den einzelnen Bildern auch hier vornehmen, doch dank Voransicht eignet sich das Formular dazu wesentlich besser.

Möchten Sie eine eigene Datenbank mit verklinkten Bildern anlegen, wählen Sie dazu als Feldtyp Memo und tragen die vollständige URL des Bildes ein, zum Beispiel /home/marcel/bilder/fisch.png. Die Python-Skripte zum Importieren mehrerer Bilder können Sie dazu aus einer der Knoda-Beispieldatenbanken übernehmen. Schauen Sie sich auch das Southstorm-Beispiel mit seinen zahlreichen Skript-Beispielen an.

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