Vor fünf Jahren haben sechs Mobilfunkanbieter für fast 50 Milliarden Euro Lizenzen ersteigert, mit denen sie in den heiß begehrten deutschen UMTS-Markt einsteigen durften. Doch bis zu einem Start des Netzes sollte noch einige Zeit ins Land ziehen. Erst seit knapp zwei Jahren gibt es entsprechende UMTS-Geräte und -Tarife.
Das Universal Mobile Telecommunications System (oft als dritte Mobilfunkgeneration bezeichnet) wurde als Nachfolger zum GSM-Standard entworfen. Es zeichnet sich vor allem durch höhere Datenraten als GSM aus; theoretisch sind 2 MBit pro Sekunde möglich. Praktisch ist heutzutage bereits bei 384 KBit/s Schluss. Trotzdem noch genug, um im Internet zu surfen und sich an multimedialen Inhalten wie Videos oder Musik zu erfreuen.
Die Auswahl an UMTS-Handys ist bei jedem der großen Anbieter mittlerweile groß. Die PCMCIA-Datenkarten für Laptops gibt es ebenfalls von T-Mobile, Vodafone, E-Plus oder O2. Wer sich für einen entsprechenden Tarif entschließt, bekommt sie sogar sehr günstig. Vor nicht mal einem Jahr kosteten die PC-Cards auch mit Vertrag noch über 100 Euro.
Überall online
Neben einem UMTS-fähigen Endgerät benötigen Sie auch eine USIM-Karte, um in den Genuss der rasanten Netzanbindung zu kommen. Diese Erweiterung der herkömmlichen SIM-Karten für GSM-Netze enthält neue Funktionen, etwa für die Datenverschlüsselung oder die Authentifikation des UMTS-Netzwerkes.
Obwohl sich die Lizenznehmer in Deutschland dazu verpflichtet haben, bis Ende 2003 ein Viertel und bis Ende 2005 die Hälfte der Bevölkerung mit UMTS zu versorgen, bleiben weite Teile des Landes noch unversorgt. Doch das ist in der Regel kein Problem, denn wer mit seinem UMTS-Gerät in diesen Gebieten unterwegs ist, muss auf den Netzzugang nicht verzichten. Die Handys und Datenkarten schalten dann auf das langsamere GPRS um.
Wer bereits ein passendes Handy mit USIM-Karte besitzt und damit online gehen will, dem steht ein vorinstallierter Browser auf dem Gerät zur Verfügung. Doch das Surfen macht nicht wirklich Spaß, wenn man auf ein 150x200 Pixel großes Display beschränkt ist. Außerdem haben die eingebauten Browser nicht viel zu bieten und stellen die meisten Webseiten sehr unschön dar.
Wie auch bei GPRS (siehe Artikel auf Seite 30 dieser Ausgabe) ist es bei UMTS sinnvoll und angenehm, das Handy lediglich als Zugang zu missbrauchen. Gesurft wird mit Notebook oder PC.
Die Anbindung der Handys an den Computer ist denkbar einfach und erfolgt genauso wie mit GPRS-Geräten. Alternativ zur Kommunikation über Bluetooth können Sie das Handy auch per USB an den Rechner anschließen. Genaueres erklärt der Kasten "Handy über USB anbinden".
Handy über USB anbinden
Ein Mobiltelefon per USB-Kabel an den Computer anzuschließen ist noch einfacher als der Weg über Bluetooth. Leider bauen die Hersteller selten den üblichen Standardanschluss ein, sondern setzen einen proprietären Stecker voraus. Als angenehme Ausnahme erweist sich das Sony-Ericsson Z1010, das ein normales USB-Kabel benutzt. Glücklicherweise liegen fast allen Geräten passende Datenkabel bei.
Unter Linux kümmert sich der Treiber cdc-acm um die Kommunikation mit dem Gerät. ACM steht hier für Abstract Control Model. Dieses Modell benutzen USB-Modems und -ISDN-Karten für die Kommunikation mit PCs. Ist das Handy an den Computer angeschlossen, sollte der Treiber automatisch geladen werden.
Die Daten wandern in der Regel über eine der Schnittstellen /dev/ttyACM0 oder /dev/usb/acm/0. Ein sehr netter Nebeneffekt etwa beim Sony-Ericsson V800 ist, dass sich der Memory Stick ebenfalls per USB ansprechen lässt. Auf dem Stick speichert das Telefon sämtliche Fotos und MP3s. Sie greifen darauf zu, indem Sie einfach die vom usb-storage-Treiber erkannte Festplatte mit mount /dev/sda1 /mnt/handy/ mounten.
Obwohl etwa das Modell 6630 von Nokia ebenfalls über einen Speicherkarten-Slot verfügt, lässt sich dessen Karte nicht vom PC aus ansprechen. Hier bleibt nur der Umweg über einen Adapter. Kurios ist, dass sich beim Anschluss eines SGH Z107M von der Firma Samsung an den Linux-Rechner der Visor-Kernel-Treiber meldet. Das Gerät lässt sich offensichtlich über die SyncML-Schnittstelle synchronisieren, um etwa den Kalender oder das Adressbuch abzugleichen.
Laptop-Karten
Der Online-Genuss mit PCMCIA-Karten gestaltet sich weniger problemlos als mit Mobiltelefonen. Die beiden am häufigsten vertretenen Hersteller hierzulande sind Novatel Wireless und Option. Deren Karten unterscheiden sich maßgeblich voneinander. E-Plus liefert ausschließlich Novatel-Karten aus, mit dem Namen Merlin U530. T-Mobile verkauft nur Option-Karten vom Typ GT Fusion oder GT 3G Quad. Vodafone-Kunden haben die Wahl zwischen Novatel und Option.
Die drei von der Redaktion getesteten Exemplare zeigt Tabelle 1. Die T-Mobile-Karte GT Fusion glänzt zwar mit Unterstützung für GPRS, UMTS und WLAN, jedoch funktioniert das WLAN-Modul nicht unter Linux.
Am wenigsten Probleme mit Linux macht die Merlin-Karte von E-Plus. Sobald Sie diese in den PCMCIA-Slot stecken, meldet sie sich als serielle PC-Karte. Eine entsprechende Hotplug-Konfiguration vorausgesetzt, lädt das System den Treiber serial-cs (Kernel 2.6), ansonsten binden Sie ihn mit modprobe serial-cs nachträglich ein.
In der Regel lässt sich die Karte dann über die Gerätedatei /dev/ttyS2 ansprechen. Sollten mehr als zwei serielle Ports im Rechner vorhanden sein, ist die letzte Ziffer entsprechend höher. Mit dem Programm Minicom können Sie testen, ob alles in Ordnung ist.
Als Benutzer Root geben Sie dazu minicom -s in einer Konsole ein und wählen im Menü den Punkt Serial port setup aus. Mit der Taste [A] gelangen Sie zur Konfiguration der Gerätedatei und geben den entsprechenden Namen ein. Nach zweimaligen Drücken der [Enter]-Taste landen Sie im Hauptmenü und drücken dort [Esc]. Minicom initialisiert das Modem und öffnet ein Terminalfenster.
Dort geben Sie gewöhnliche AT-Modem-Befehle ein, etwa ATI, um sich Informationen über die Karte anzeigen zu lassen. Mit [Strg]+[A] gefolgt von [X] beenden Sie Minicom.



