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Linux geht stiften

Tastaturlose PCs unter Linux einsetzen

Grafische Oberfläche einrichten

Bei der weiteren Einrichtung erweist sich naturgemäß die Konfiguration der grafischen Oberfläche als Knackpunkt: Über sie wird auch die Stifteingabe aktiviert und verwaltet. Für den Intel Chipsatz muss dazu der INTEL-i810-Treiber geladen werden. Suse erkennt auch hier fehlerlos diese Komponente, Sie könnnen die generelle Konfiguration abschließen. Zur Aktivierung des Wacom-Eingabestifts fallen einige manuelle Änderungen in der XF86Config an. Listing 1 zeigt den Konfigurationsabschnitt für den Wacom-Stift. Hier kommt es vor allem auf die Optionen "ForceDevice" und "InputFashion" an.

Listing 1

Wacom-Stift

Section "InputDevice"
  Driver     "wacom"
  Identifier "Mouse[3]"
  Option     "BottomX" "24500"
  Option     "Device" "/dev/ttyS0"
  Option     "InputFashion" "Tablet"
  Option     "Name" "WACOM TABLET"
  Option     "ForceDevice" "ISDV4"
  Option     "ButtonNumber" "1"
  Option     "SendCoreEvents" "on"
  Option     "Type" "cursor"
EndSection

"ForceDevice" "ISDV4" signalisiert dem Treiber, dass er einen Tablet-PC vor sich hat und dessen dessen spezielles Protokoll verarbeiten muss. Außerdem wird der Stift in Form dreier Geräte konfiguriert, die sich jedoch nur durch die Option "InputFashion" unterscheiden: Anstelle des Werts "Tablet" beim ersten Device setzen Sie bei den beiden andern die Angaben "Pen" respektive "Eraser" ein.

Die Verwaltung dieser drei grundsätzlichen Funktionen erfolgt also separat: Sowohl die Stiftspitze als auch der seitliche Button und das Stiftende gelten als je ein Gerät. Mittels der Option "MouseButtons" orden Sie dann jedem Gerät die gewünschte Maustaste zu. Die Stiftspitze fungiert als linke Maustaste, der seitliche Knopf als mittlere, und das Stiftende als dritte Maustaste.

Xvkbd nachrüsten

Da uns beim Paceblade die Einbindung von Xvkbd gefallen hat, installieren wir es von von [5] nach. Alle Funktionstasten der vielseitigen Onscreen-Tastatur lassen sich mittels eines Dialogs entweder mit Zeichenfolgen belegen oder führen einen beliebigen Befehl in einer Shell aus. Zur individuellen Konfiguration dient die Datei .xvkbd im Home-Verzeichnis. Das folgende Beispiel belegt [F1] und [F8] mit Kommandos für vi, [F11] und [F12] schalten die Größe des virtuellen Keyboards um:

#quick_modifiers 1
#shift_lock 0
#altgr_lock 0
#modifiers_lock 0
F12 !startbigxvkbd
F11 !startsmallxvkbd
F8 :w
F1 :q

Damit Sie sich auch ohne physikalische Tastatur am Rechner anmelden können, muss Xvkbd parallel zur Anmeldemaske erscheinen. Nutzen Sie den GDM als Anmeldemanager, können Sie bequem die dort vorhande Option auf Xvkbd zeigen lassen. Um dabei die Onscreen-Tastatur mit bestimmten Einstellungen zu starten, geben Sie diese entweder diese auf der Kommandozeile mit an oder versorgen Xvkbd mit entsprechenden Umgebungsvariablen.

Leider fehlt bei KDM diese Möglichkeit. Hier erstellen Sie ein kleines Shell-Script, das den Xvkbd-Aufruf mit den gewünschten Optionen enthält. Nun ändern Sie in /etc/X11/xdmnoch die XFree86-Startdateien Xsetup und Xstartup: In Xsetup starten Sie das Onscreen-Keyboard. In Xstartup beenden Sie es wieder, um es nicht während der gesamten Startphase angezeigt zu bekommen.

Nun widmen wir uns den Bedientasten am Tablet selbst. Früher waren solche Buttons nur schwer einzubinden, da Laptops oft proprietäre Chips einsetzen und oft keine Informationen über die Schnittstellen vorlagen. Mittlerweile bringen selbst tastaturlose Systemen meist einen Standard-Keyboard-Controller mit. Damit lassen sich die Knöpfe problemlos zum Funktionieren bewegen.

Zumnächst prüfen Sie bei gestarteter grafischer Oberfläche, ob das Programm xev beim Druck auf die Buttons etwaige Keycodes. Ist dies der Fall, ordnen Sie mittels xmodmap -e den Tasten Funktionen zu. Reagiert xev überhaupt nicht auf Tastendrücke, müssen Sie etwas tiefer ansetzen. In einem Terminal starten Sie dazu showkey – diese Methode greift immer, sofern ein Standard-Keyboard-Controller vorhanden ist. Beim Drücken einer Taste erhalten Sie dann einen so genannen Scancode. Diesem teilen Sie mittels des Befehls setkeycodes einen Keycode zu, den Sie wiederum in der grafischen Oberfläche auswerten. Das nachfolgendes Beispiel zeigt beide Varianten: Mittels showkey wurden die Scancodes 0x67 und 0x6d ermittelt, welche die Keycodes 122 und 123 erhalten. Diese Codes orden die dritte und vierte Zeile den Funktionstasten [F30] und [F31] zu.

setkeycodes 0x67 122
setkeycodes 0x6d 123
xmodmap -e "keycode 122 = F30"
xmodmap -e "keycode 123 = F31"

Unter KDE lassen sich die beiden neuen Taste nun bequem verschiedensten Funktionen zuordnen. Setzen Sie einen anderen Window-Manager ein, dann sollten Sie sich mit dem Programm lineakd [6] befreunden. Es wacht als Daemon im Hintergrund über die Extra-Tasten und sendet konfigurierbare Aktionen and jeden Window-Manager (oder auch die Konsole). Wie Sie lineakd einrichten und die Tasten eirichten, beschreibt ausführlich die Dokumentation des Pakets.

Wollen Sie sich darüber hinaus auch noch an der Erkennung von Handschriften und Zeichen üben, sollten Sie sich das Programm xstroke [7] genauer ansehen. Die eigentlich zur Mausgesten-Erkennung gedachte Anwendung reagiert auch auf Stifteingaben auf dem gesamten Bildschirm. Nach einer kurzen Einlernphase für die vordefinierten Gesten erweist sich das kleine Programm als wertvoller Helfer.

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LinuxUser 06/2012

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