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Tastaturlose PCs unter Linux einsetzen

Linux geht stiften

In der Lücke zwischen PDA und Laptop haben sich die tastaturlosen Tablet-PCs etabliert. Wir haben uns zwei der stiftbasierten Systeme näher angesehen.

Stiftbasierte Computer sind an sich nicht neu. Erste Entwicklungen entstanden am MIT schon in den 60er Jahren. Dort war der erste Ansatz das direkte Zeichnen auf dem Computer über einen Eingabestift. Im weiteren Verlauf der 70er Jahre wurde es wieder still um diese Idee.

Erst in den 90er Jahren begann der Markt der Pen-PCs sich wieder zu etablieren, entsprechende Geräte kamen vor allem in professionellen Umgebungen zu Einsatz. Im Herbst 2003 schließlich startete Microsoft seine eigene Tablet-PC-Kampagne: Nun sollten auch private Anwender und Firmen im großen Stil von der stiftbasierten Eingabemethode profitieren.

Was ist ein Tablet-PC?

Im Herbst 2003 hat Microsoft in Zusammenarbeit mit einigen Notebook-Herstellern einen neuen "Industrie-Standard" aus der Taufe gehoben. Nach dieser Vorgabe machen bestimmte Merkmale einen mobilen Rechner zum Tablet-PC. Zum Beispiel muss das Gerät "legacy-frei" sein, darf also ausschließlich Hot-Plug-fähige Schnittstellen verwenden. Serielle (COM) und parallele (LPT) Schnittstellen direkt am System fallen also flach. Weitere Bedingungen für die begehrte "Microsoft XP Tablet PC License" sind beispielsweise:

  • Der Stift zur Eingabe muss elektromagnetisch erkannt werden (Digitizier).
  • Per Knopfdruck soll sich der Bildschirm sich in einen Portrait Mode drehen lassen.
  • Die Aufwachzeit aus dem Standby-Modus darf nicht länger als 3 Sekunden dauern.
  • Es muss die "Microsoft XP Tablet PC Edition" zum Einsatz kommen.

Das Hauptmerkmal der Microsoft-betriebenen Tablet-PCs stellt jedoch die integrierte Handschrifterkennung dar. In Redmond hat man dazu eine eine schnelle und systemübergreifende API implementiert. Mit deren Hilfe kann man in dafür vorgesehenen und entwickelten Programmen handschriftliche Eingaben direkt machen oder auch importieren. Diese Technologie trägt die Bezeichnung "Digital Ink", also digitale Tinte.

Die von Microsoft propagierte, breite Akzeptanz des Tablet-PC allerdings ist bislang ausgeblieben. Dennoch finden sich einige interessante Geräte dieser Art auf dem Markt. Da liegt es auf der Hand, einmal genauer zu untersuchen, ob und wie sich die intuitiven Nutzungsmöglichkeiten eines Tablet-PC mit der Flexibilität von Linux paaren lassen.

Dazu haben wir zwei typische Geräte zum Test herangezogen. Sie sollen repräsentativ für Ihre Gattung ein genaueres Bild der Lösung geben. Die Geräte wurden uns freundlicherweise von Xtops.DE [1] zur Verfügung gestellt Bei den beiden Vertretern der Tablet-PCs handelt es sich um den TTAB-B12D von Tatung [2] und das Slimbook P110 von Paceblade [3].

Slate-PCs

Mittlerweile kategorisiert man Tablet-PCs nach Ihrem Aufbau und Auslegung in verschiedene Gattungen. Man unterscheidet dabei zwischen den Typen Slate, Convertible und Webpad (siehe Kasten "Webpads"). Dabei kann ein einzelnes Gerät durchaus Merkmale verschiedener Gattungen in sich vereinen.

Webpads

Per Definition handelt es sich bei WebPads um "abgespeckte" Slate-Geräte mit Bildschirmen bis zum 10-Zoll-Format. In Sachen Geschwindigkeit und Speicherkapazität gleichen sie eher einem gut ausgebauten PDA und lassen sich im Grunde nicht als vollwertiger PC ansehen.

Da Webpads auf Embedded-Basis schon länger in den verschiedensten Varianten verfügbar waren, stellen sie im Grunde den Vorläufer der Slate-Tablet-PCs dar. Die speziellen Hardware-Komponenten der Geräte erfodern jedoch angepasste Betriebssysteme und verringern die Auswahl an Anwendungen. Bei begrenztem Budget oder sehr speziellen Anforderungen können solche Webpads aber durchaus als Alternativer zum Tablet-PC dienen.

Gooroo [4] bietet solche Webpads mit Windows CE oder Linux sowie WebBrowser und Java-Unterstützung an. Dadurch ergeben sich eine ganze Reihe von Einsatzmöglichkeiten, wobei sich verschiedenste Anforderungen mit identischer Hardware bei gleichem Look&Feel unter verschiedenen Betriebssystemen realisieren lassen.

Die als Slate bezeichnete Variante entspricht dabei am ehesten dem ursprünglichen Konzept: Die PC-Hardware verbirgt sich komplett hinter dem dominierenden LC-Display. Eingaben erfolgen entweder über Tasten direkt am Gerät oder einen elektromagnetischen Eingabestift. Ein Keyboard ist eigentlich konzeptionell nicht vorgesehen; dennoch liefern die meisten Hersteller eine externe Tastatur mit oder bieten diese als Zubehör separat an. Im wesentlichen besteht ein Slate nur aus der PC-Hardware, die in Form eines hoch integrierten Mainboards auf einer Platine residiert. Darauf wird dann der TFT-Bildschirm gesetzt – meist in einer Größe zwischen 8 und 12 Zoll.

Zu den Slates zählt auch unser Testgerät von PaceBlade, ein Slimbook P110. Der Hersteller liefert seine Slimbook-Reihe momentan ausschließlich mit 10-Zoll-TFT aus. Die System sind in verschiedenen Architekturen verfügbar: Die Reihen P100 und A100 verwenden eine Transmeta-CPU des Typs TM 5800 mit 1 GHz Taktrate, die Serien P110 und A110 einen mit 1.3 GHz getakteten Intel Centrino ULV.

Ein "A" im Gerätenamen steht für Systeme mit aktiven Wacom-Digitizer-Stift, ein "P" bezeichnet Rechner mit einem resistiven Touchscreen. Dieser erlaubt es, wie bei PDAs und Webpads mittels der Finger oder eines Plastikstifts die Funktionen zu nutzen. Da dies nicht der eigentlichen Tablet-PC-Spezifikation von Microsoft entspricht, liefert PaceBlade die Rechner nicht nur mit Windows 2000 oder XP, sondern auf Wunsch auch mit Linux aus.

Convertibles

Die als Convertible bezeichnete Tablet-PC-Variante lässt sich auf den ersten Blick nur schwer von einem herkömmlichen Laptop unterscheiden. Allerdings kann man den Bildschirm entweder komplett von der Tastatur trennen oder ihn im aufgeklappten Zustand um 180° Grad verdrehen und dann zurückklappen. Dadurch verschwindet die Tastatur hinter dem Bildschirm, das Gerät lässt sich nun wie ein Slate nutzen.

In diese Kategorie zählt unser zweites Testsysten, ein Tatung TTAB-B12D: Hier kann man das LC-Display samt PC-Hardware komplett von der Tastatur trennen. Der Hetsteller liefert den TTAB-B12 mit einem Intel Centrino 1.4 GHz und gängigen Intel-Chipsätzen aus. Das LC-Display im 12-Zoll-Format fällt angenehm hell aus und überrascht durch satte Farbdarstellung. Die Blinkwinkelabhängigkeit ist allerdings etwas größer als beim TFT-Bildschirm des Slimbooks.

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