Im Gleichtakt
Palms synchronisieren mit Suse 9.3
Mehr Rechte
Als müssen Sie bei Suse die Rechte der Devices anzupassen, auf denen der Palm Pilot zu erwarten ist. Dies ließe sich mit chmod 666 /dev/usb/ttyUSBX erledigen. Besser ist es aber den User, der den Palm benutzen will, der Gruppe uucp hinzuzufügen, der die Devices gehören. Dazu ermitteln Sie mit groups die aktuellen Gruppen, zu denen der User gehört. Dann nutzen Sie als Root dann den Befehl usermod und fügen die Gruppe uucp den durch Komma getrennten vorhandenen Gruppen an, also zum Beispiel
usermod -G users,dialup,↩ video,uucp testuser
Alternativ könnnen Sie diese Aufgaben auch via Yast erledigen, den Sie ohnehin brauchen, falls J-Pilot noch nicht installiert ist.
Die bei Suse 9.3 verwendete Version von J-Pilot stürzt reproduzierbar ab, nachdem der PDA schon eine erfolgreiche Synchronisation gemeldet hat. Abgeglichens Daten sind jedoch anschließend nicht im J-Pilot vorhanden. Als Ursache stellt sich die per Default aktivierte Mail-Synchronisation heraus, die sich laut der Entwickler noch im Alpha-Stadium befindet. Deaktivieren Sie sie unter File | Preferences | Conduits das Pilot-MailSync-Plugin (Abbildung 1), so gehören die Abstürze der Vergangenheit an. Allerdings hat die bei Suse mitgelieferte Version auch Probleme mit den Umlauten. Die J-Pilot-FAQ empfiehlt hier, unter File | Preferences | Locale die Einstellung Host UTF-8 < -> Palm Windows 1250 (EE) zu wählen. Doch davon zeigt sich das Programm unbeeindruckt. Abhilfe schafft das Neukomplilieren aus den Quellen mit GTK-2-Unterstützung. Besorgen Sie sich dazu die J-Pilot-Sourcen von http://www.jpilot.org/ und installieren Sie über Yast zusätzlich die pilot-link-Headerfiles, also das Paket pilot-link-devel und die Pango-Headerfiles, die im Paket pango-devel stecken.
Nach dem Entpacken der J-Pilot-Quellen mit tar xvzf jpilot-0.99.7.tgz wechseln Sie in das entstandene Verzeichnis und bauen mit
./configure --enable-gtk2;make
die Software. Ein anschließendes make install als Root installiert den frisch hergestellten J-Pilot unterhalb von /usr/local, so dass Sie die alte, unter /usr/bin liegende Version noch zur Verfügung haben. Ein Aufruf von
/usr/local/bin/jpilot
demonstriert, dass die neue Software die vorhandenen Daten anstandslos benutzt, und jetzt auch die Umlaute richtig darstellt (Abbildung 2).
Kontakthemmungen
Kontact (beziehungsweise KPilot) hat einen Wizard (Abbildung 3), der an den üblichen verdächtigen Stellen nach einem Handheld sucht, USB-Ports inklusive. Er erkennt einen vorhandenen Palm Pilot aber nur, wenn der der Besitzer auch zur Gruppe uucp gehört. Von geänderten Rechten an den Gerätedateien lässt er sich nicht beeindrucken, sondern verweigerte die Erkennung. Sind die Rechte richtig gesetzt, gibt sich das der Zauberer trotzdem bockig, wenn auch manchmal nur scheinbar. Nach erfolgreicher Erkennung der Hardware inklusive Synchronisation und zufriedenem Piepen des Palms murrt er nämlich in einem Bildschirmfenster, er könne leider kein Gerät erkennen (Abbildung 4). Die Daten waren aber bereits in Kontact angelangt, auch wenn sich die Oberfläche bemühte, sie nach Kräften vor dem Anwender zu verbergen (Abbildung 5). Der "Formatted Name" bleibt leer und bei einer fehlenden E-Mail-Adresse sieht der Nutzer auf den ersten Blick gar keine Daten. Erst ein Verschieben der Feldbegrenzer nach links macht sie sichtbar.
Tatsächlich oder scheinbar erfolglose Erkennungsversuche bringen das mitunter etwas labile Konstrukt aus Udev-Filesystem, Hotplug-Daemon und speziellen Skripten für die Zusammenarbeit von Palm und KDE manchmal so aus dem Tritt, dass nach der Erkennung keine Synchronisation erfolgt. Abziehen und späteres Wiedereinstecken des USB-Kabels führen dann unter Umständen doch noch dazu, dass nicht nur die Erkennung der Hardware funktionierte, sondern auch die Synchronisation. Mit Umlauten und Sonderzeichen hat aber auch Kontact zu kämpfen.
Davon abgesehen stellt Kontact unter Suse 9.3 sicherlich die bequemste Art dar, Daten zu sychronisieren, wenn es einmal funktioniert. Ein Skript erledigt im Hintergrund die Aktualisierung der Daten. Es genügt, den Palm anzuschließen und den Sync-Knopf zu drücken, unabhängig davon, ob Kontact gerade läuft oder nicht. Wer kein Freund integrierter Lösungen ist, hat mit einem neu kompilierten J-Pilot eine ausgereifte Software zur Verfügung – unter Verzicht auf etwas Bequemlichkeit.
Ubuntu und Evolution
Unter der Debian-basierten Distributione Ubuntu erweist sich der Datenabgleich als problemlos. Ubuntu Linux setzt auf den Gnome-Desktop, das heitß: Evolution als PIM. Hier funktioniert die Erkennung und Synchronisation des Tungsten E auf Anhieb. Unter Tools | Pilot Settings tragen Sie /dev/ttyUSB1 ein. Im Reiter Conduits müssen Sie anschließend die entsprechenden Hilfprogramme zur Synchronisation auswählen, hier sind standardmäßig alle deaktiviert. Ärgerlich allerdings, dass auch hier die Umlaute nicht funktionierten. Wer auf ernsthafte Schwierigkeiten beim Synchronisieren stößt, sollte überprüfen, ob das Paket pilot-link vorhanden ist, und gegebenenfalls über Synaptic oder apt-get install pilot-link nachinstallieren. Eine kurzes Howto für den offensichtlich störrischeren Zire 31 ist auf [6] zu finden.
Glossar
Conduits
Hilfsprogramme zur Sychronisation bestimmter Datentypen zwischen PDA und PC. Für die Synchronisation von Kontaktdaten, To-Do-Listen, Kalendereinträgen, Dateien und so weiter ist jeweils immer ein bestimmtes Conduit verantwortlich.
Infos
[1] J-Pilot: http://www.jpilot.org
[2] Kontact: http://www.kontact.org/
[3] Pilot-Link http://www.pilot-link.org/
[4] Palm-USB-Howto: http://pilot-link.org/README.usb
[5] Marcel Hilzinger, Oliver Frommel, Rene Rebe: "Mit heißer Nadel", LinuxUser 03/2005, S. 91 ff.
[6] Palm Zire Howto für Ubuntu: http://www.ubuntulinux.org/wiki/PalmZire31HOWTO



