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Ordnung ins Chaos

Mindmapping-Programme unter Linux

01.07.2005 Mindmapping dient der Strukturierung von Ideen und Gedanken. Helfen auch Sie mit dieser Technik Ihrer Kreativität auf die Sprünge. Wir stellen die passenden Tools dazu vor.

Mindmapping, frei übersetzt etwa Gedanken-Landkarte, ist eine Technik zur Ideenfindung und Strukturierung von Informationen. Die Technik wurde in den siebziger Jahren von dem britischen Psychologen Tony Buzan entwickelt und trägt der Tatsache Rechnung, dass dem aus zwei Teilen bestehendem menschlichen Gehirn unterschiedliche Funktionen zugeordnet sind. Während die linke Hirnhälfte (die logische Seite) für Zahlen, Logik und Sprache zuständig ist, verarbeitet die rechte Gehirnhälfte (die kreative Seite) vorrangig Bilder. Bei der Erstellung einer Mindmap werden nun Signale für die linke Hirnhälfte mit solchen für die rechte Hirnhälfte verknüpft.

Die Beschäftigung mit Mindmaps macht sich in einer deutlich erhöhten Kreativität bemerkbar, auf diese Weise erarbeitete Inhalte sind für das Gehirn außerdem leichter "merkbar". Mindmaps unterstützen bei der Bewältigung ganz unterschiedlicher Aufgaben. So kann man mit Mindmapping Aufsätze und Vorträge vorbereiten oder im Team im Rahmen eines "Brainstorming" Ideen zu einem Thema sammeln.

Auch den berüchtigten Besprechungsprotokollen nehmen Mindmaps schnell ihren Schrecken, wenn alle relevanten Punkte in einer Mindmap festgehalten werden. Nicht zuletzt eignet sich Mindmapping auch bestens als Methode zum Lernen: Der Lehrstoff erhält in der Map eine klare Untergliederung, man behält so leichter den Überblick. Weiterhin werden auf diese Weise systematische Zusammenhänge besser verstanden.

Klassisch praktiziert man Mindmapping per Stift und Zeichenpapier. Seit Jahren existieren aber auch Umsetzungen dieser Kreativitätstechnik für den PC. Zwar dient Windows noch immer als primäre Plattform für Mindmapping, dennoch fördert die Suche nach Mindmap-Programmen für Linux inzwischen ebenfalls einige Vertreter zutage. Manche der Programme arbeiten plattformunabhängig, andere benötigen KDE als Unterbau. Und schliesslich steht sogar online ein Mindmap-Tool zur Verfügung. Auf diese Weise kann man unabhängig von Betriebssystem und Aufenthaltsort Mindmaps erstellen.

Wie erstellt man eine Mindmap?

Schreiben Sie das zentrale Thema in den Mittelpunkt der Mindmap und ergänzen Sie dieses um eine aussagefähige Grafik. Ausgehend von diesem zentralen Punkt erstellen Sie nun Äste und Unteräste – möglichst in unterschiedlichen Farben – und füllen diese dann mit weiteren Texten, Bildern und Skizzen.

Rechnergestützte Mindmaps verfügen über eine flexible Struktur. Hier können Sie Äste und Unteräste jederzeit verschieben und damit unterschiedlich gewichten. Die fertige Mindmap speichern Sie als Grafik speichern oder exportieren sie – je nach verwendeter Software – in unterschiedliche Ausgabeformate.

Vym

Ein natives Mindmapping-Tool für Linux ist Vym, dessen Name als Kürzel für "view your mind" steht. Das Programm wurde in C++ geschrieben und benötigt die Qt-Bibliotheken. Auf der Projekthomepage des Autors [1] stehen fertige RPM-Pakete für SuSE 9.1 und 9.2 zum Download bereit, die auch unter Mandrake funktionieren. Debian-User richten Vym per apt-get install vym ein oder kompilieren es alternativ aus den Sourcen. Nach erfolgter Installation starten Sie das Programm durch den Aufruf vym in einem Konsolenfenster.

Abbildung 1: Der Mindmapper "View your mind" liefert eine optisch ansprechende Darstellung. Die Arbeitsergebnisse speichern Sie entweder im ASCII-Format oder als X(HT)ML.

Am sinnvollsten arbeitet es sich mit Vym, wenn Sie den Bildschirm zweiteilen. In der oberen Hälfte platzieren Sie das Map-Fenster, darunter den Vym-Note-Editor, den Sie mit [Strg]+[E] bzw. über das entsprechende Symbol auf der Symbolleiste einblenden. Mit dem Note-Editor erfassen Sie später die Texte der einzelnen Äste.

Vym hat im Map-Fenster bereits eine neue Mindmap für Sie erstellt. Ändern Sie deren Titel, indem Sie auf den gelb markierten Text "New Map" doppelklicken. Unteräste erstellen Sie mit der Taste [Einfg] oder indem Sie mit der rechten Maustaste auf den Hauptast klicken und den Befehl Add branch as child wählen.

Zum Verschieben der Äste ergreifen Sie diese mit der Maus und ziehen sie per Drag&Drop an die gewünschte Position. Auf Wunsch können Sie auch Bilder in Vym importieren: Klicken Sie dazu den entsprechenden Ast mit der rechten Maustaste an und wählen Sie den Befehl Add Image.

Zuletzt erfassen Sie noch die zugehörigen Texte im Note-Editor. Dazu klicken Sie den fraglichen Ast an und tippen ihre Anmerkung in das Note-Editor-Fenster. Ist die Mindmap fertiggestellt, speichern Sie diese über den Menübefehl Datei | Export entweder als Grafik oder XML-Datei.

Kdissert

Eine Sonderstellung unter den Mindmap-Programmen nimmt "kdissert" ein. Das Projekt des Franzosen Thomas Nagy entstand aus dem Bedürfnis heraus, Informationen mit Hilfe des Mindmapping zu fix und fertig formatierten LaTeX-Dokumenten zu verarbeiten. Zwischenzeitlich ist das Projekt gewachsen und es stehen zusätzliche Ausgabeformate zur Verfügung.

Kdissert erstellt aus Mindmaps und den enthaltenen Texten sowie Grafiken sehr ansehnliche Dokumente. Zur Auswahl stehen die Formate ASCII, HTML (mit oder ohne Java-Applets), LaTeX oder OpenOffice. Zusätzlich können Sie bei der Dokumenterstellung noch ein Unterformat wie z. B. Präsentationsfolien, Buch- oder Artikelformat angeben.

Die aktuelle Version von kdissert (0.9) steht unter [2] zum Download bereit und erwartet als Basis mindestens KDE 3.2.x. Zur Auswahl stehen ein Fedora-3-RPM sowie der Quellcode, der sich mit wenig Aufwand übersetzen und installieren lässt.

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LinuxUser 03/2012

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