Zu Befehl
Auch wenn sich viele Dinge bequem über grafische Oberflächen wie KDE oder Gnome regeln lassen – wer sein Linux-System richtig ausreizen möchte, kommt um die Kommandozeile nicht herum. Abgesehen davon gibt es auch sonst viele Situationen, in denen es gut ist, sich im Befehlszeilendschungel ein wenig auszukennen.
Es muss nicht immer ein Wandkalender oder ein elektronischer Organizer sein – für einen schnellen Überblick über Datum und Zeit bringt Linux die Kommandozeilen-Tools cal und date mit. Mit cal zaubern Sie ein Kalenderblatt oder eine Jahresübersicht ins Terminal-Fenster, und date gibt nicht nur Datum und Zeit in verschiedenen Formaten aus, sondern passt diese – Administratorrechte vorausgesetzt – auch in Windeseile an.
Ein "cal" für alle Fälle
Das Programm cal gibt einen Kalender auf der Kommandozeile aus. Ohne weitere Parameter zeigt der Aufruf cal den aktuellen Monat hübsch formatiert an. Soll das ganze Jahr auf der Konsole erscheinen, hängen Sie die Option -y an. Um den aktuellen Monat zusammen mit dem vorherigen und dem Folgemonat anzuzeigen, verwenden Sie den Schalter -3 (Abbildung 1).
Einen bestimmten Monat gibt cal aus, wenn Sie diesen mit einer ein- oder zweistelligen Ziffer (also z. B. 6 oder 06) und einer vierstelligen Jahreszahl (z. B. 2005) im Aufruf definieren. So präsentiert cal den Juni 2005, wenn Sie
cal 06 2005
tippen. Da cal bis zum 1. Januar 0001 zurückgeht, reicht es nicht aus, die Jahreszahl zweistellig anzugeben – der Aufruf
cal 06 05
würde den Juni des Jahres 5 n. Chr. ausgeben.
In der Standardanzeige von cal beginnt die Woche unter einigen Linux-Versionen mit einem Sonntag – wer lieber den Montag als ersten Wochentag sieht, hängt den Parameter -m an den cal-Aufruf an.
Das Tool kann noch mehr – mit dem Parameter -j zählt es die Tage von 1 bis 365 (oder in Schaltjahren 366), schaltet also auf julianische Darstellung um:
$ cal -j
June 2005
Su Mo Tu We Th Fr Sa
152 153 154 155
156 157 158 159 160 161 162
…So erfahren Sie beispielsweise, dass der 9. Juni der 160. Tag des Jahres ist.
Zeitzeugen
Das Programm date bietet nicht nur eine Kalenderfunktion, sondern macht auch Angaben zur Zeit. Ohne weitere Parameter am Shell-Prompt eingegeben, sehen Sie das aktuelle Datum und die Uhrzeit:
$ date Sun Jun 5 11:13:48 CEST 2005
Erscheint die Ausgabe in englischer Sprache, überprüfen Sie mit dem Kommando echo, welchen Wert die Umgebungsvariable LC_TIME hat, und setzen diese gegebenenfalls auf einen gültigen Wert. (Welche landesspezifischen Einstellungen auf Ihrem System möglich sind, erfahren Sie mit locale -a.)
$ echo $LC_TIME $ export LC_TIME=de_DE $ date So Jun 5 11:14:11 CEST 2005
Da die so gesetzte Variable nur für die aktuelle Bash-Sitzung gilt, machen Sie die Konfiguration dauerhaft, indem Sie den export-Aufruf in die Datei ~/.bashrc eintragen.
Zusammen mit der Umgebungsvariable TZ (englisch "time zone", Zeitzone) zeigen Sie mit date darüber hinaus die aktuelle Zeit und das Datum für andere Länder an. Im Verzeichnis /usr/share/zoneinfo finden Sie sämtliche Zeitzonen der Welt (einige in Unterverzeichnissen). Um z. B. zu erfahren, wie spät es in Neuseeland ist, setzen Sie die Variable TZ temporär und nur für einen einzigen date-Aufruf:
$ TZ=NZ date Di Jun 7 00:05:09 NZST 2005
Tippfaule, die ständig die Zeit auf der anderen Seite der Welt kontrollieren wollen, schreiben sich diesen Aufruf in einen Alias. Dazu tragen Sie in die Datei ~/.bashrc beispielsweise
alias nz='TZ=NZ date'
ein und lesen die Konfigurationsdatei entweder über
source ~/.bashrc
neu ein oder melden sich neu an. Anschließend reicht der einfache Aufruf nz, um herauszufinden, wie viel Uhr es in Neuseeland ist.



