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Distribits

01.07.2005

Kurz notiert

Die Entwickler des Distributionsbaukastens T2 (http://www.t2-project.org) stellten den ersten Release-Kandidaten der Version 2.2 zum Download bereit. Das Framework enthält eine Reihe von Skripten, die es ermöglichen, individuelle Live-CDs zu erstellen. Für die Hardware-Erkennung sorgt dabei der Hotplug-Mechanismus. Bis zur Fertigstellung der endgültigen Version arbeiten die Entwickler an einem grafischen Installationsprogramm sowie einer grafischen Netzwerkkonfiguration.

Die Live-Distribution Grml (http://www.grml.org) ist in Version 0.4 erschienen. Im Gegensatz zu anderen Live-CDs wie Knoppix oder Slax richtet sich Grml an Anwender, die die Textkonsole als Arbeitsinstrument bevorzugen. Eine grafische Oberfläche wie KDE oder Gnome findet sich deshalb gar nicht erst auf der CD. Grml eignet sich als Analysewerkzeug für PCs und Netzwerke sowie als Rettungssystem.

Nach Brasilien hat sich auch Kuba entschlossen, PCs der öffentlichen Verwaltung unter Linux laufen zu lassen. Zum Einsatz kommt dabei eine Distribution, die in der kubanischen Community entwickelt wurde. Die Zahl der dortigen Linux-Benutzer beläuft sich nach Angaben der Zeitung der Jugend der Kommunistischen Partei Kubas auf 1500.

Die Distribution Simply MEPIS (http://www.mepis.org), bisher vor allem als einfach zu installierendes Desktop-System bekannt, wird in Zukunft auch kommerziell angeboten. In Zusammenarbeit mit der New Yorker Firma Technalign (http://www.technalign.com) schnürt das Mepis-Projekt ein Paket aus Mepis, Win4Lin, Hiatlantis, Versora Progression Desktop und Arcserve von Computer Associates. Künftig soll es auch eine Server-Variante von Mepis geben. Mit dem kommerziellen Produkt wollen die Beteiligten vor allem kleine und mittlere Unternehmen ansprechen, die von Windows auf Linux umsteigen wollen.

Mit OpenBSD 3.7 (http://www.openbsd.org) liegt eine neue Version des freien Unix-Derivats vor. Die aktuelle Version behebt vor allem Fehler und verbessert die Hardware-Unterstützung. Als X-Server kommt erstmals X.org zum Einsatz, wobei die i386-Variante aus Kompatibilitätsgründen auch noch XFree86 mitbringt. Auch in das Stopfen von Sicherheitslöchern haben die Entwickler einige Arbeit investiert. OpenBSD steht auf dem Server des Projekts und zahlreichen Mirrors zum Download bereit.

Die Projekte Skolelinux (http://www.skolelinux.de) und Edubuntu (http://udu.wiki.ubuntu.com/Edubuntu) wollen in Zukunft zusammenarbeiten. Beide Projekte verwenden als Grundlage Debian und wollen eine Distribution anbieten, die alle Belange von Schulen und anderen Bildungseinrichtungen abdeckt. Skolelinux setzt dabei auf die stabile Version von Debian und liefert daher nicht immer die neueste Software mit. Edubuntu hingegen basiert auf Ubuntu, das aktuellere Software enthält. Beide Gruppen wollen Probleme gemeinsam lösen und Erfahrungen austauschen. An eine Zusammenführung beider Projekte ist zur Zeit noch nicht gedacht.

Die Slackware-Dokumentation The Revised Slackware Book (http://www.slackbook.org) beschreibt auf 284 Seiten in englischer Sprache Installation, Benutzung und Administration von Slackware Linux. Eine neue Version des Dokumentes liegt zum kostenlosen Download als HTML-, Postscript- und PDF-Text sowie als Docbook-Quelltext auf den Seiten des Projekts bereit.

Mit der Popcorn-Edition existiert eine neue Variante der Live-Distribution SLAX (http://slax.linux-live.org). Diese enthält das aktuelle XFCE als Desktop. Danaben bringt sie Firefox, Thunderbird Mail und Abiword mit und eignet sich so für leistungsschwache Rechner. Mit knapp 124 MByte Größe bleibt die Distribution auch für ISDN-Benutzer noch handhabbar.

Der amerikanische Distributor Red Hat stellt sein Trainingsprogramm (http://www.redhat.de/training/) auf Red Hat Enterprise Linux 4 um und bietet neuerdings zusätzlich Kurse für Windows-Umsteiger an. Die Schulungen ermöglichen den Erwerb der Zertifikate Red Hat Certified Engineer (RHCE) und Red Hat Certified Technician (RHCT). Der Umsteigerkurs behandelt die wesentlichen Unterschiede in der Administration von Windows- und Red Hat-Servern und vermittelt Wissen, das nur wenig unterhalb des RHCT-Niveaus liegt.

Debian GNU/Linux 3.1 ist fertig

Was lange währt: Drei Jahre nach Vorgänger "Woody" ist gestern mit "Sarge" das neue stabile Debian GNU/Linux 3.1 offiziell freigegeben worden. Die Veröffentlichung hat sich immer wieder verzögert; der damalige Release Manager Anthony Towns hatte sie bereits für Dezember 2003 ins Auge gefasst.

Wie immer kommt Debian nicht mit den aktuellsten Versionen der verschiedenen Anwendungen daher, bürgt dafür aber für ein hohes Maß an Stabilität. Als Kernel kommen wahlweise 2.4.27 oder der 2.6.8 zum Einsatz, ferner enthält Sarge Gnome 2.8, KDE 3.3, XFree86 4.3.0, Gimp 2.2.6, Mozilla 1.7.8, OpenOffice.org 1.1.3 sowie GCC 3.3.5. Insgesamt enthält die aktuelle Distribution in der Maximalausstattung über 9.000 Pakete. Dies macht sich natürlich auch im Umfang bemerkbar: So füllt die i386-Veriante wahlweise 2 DVD oder 14 CDs.

Für eine Basisinstallation kann aber auch eine Netinst-CD genutzt werden, die nur rund 100 MByte groß ist, weitere Komponenten können dann online nachgeladen werden. Die auffälligste Veränderung im Vergleich zur Vorversion dürfte die neuen modular aufgebaute Installionsroutine sein, die eine bessere Hardwareerkennung verspricht. Insgesamt unterstützt Sarge elf verschiedene Prozessor- Architekturen.

Mono Live

Mono, eine freie Implementierung von Microsofts .NET-Frameworks, läuft sowohl unter Linux als auch unter Windows. Damit Sie das umfangreiche Runtime Environment zu Testzwecken nicht installieren müssen, greifen Sie einfach zur auf Knoppix basierenden Live-Distribution Monoppix (http://www.monoppix.com). Diese enthält alles, was Sie zum Programmieren mit Mono brauchen.

Die aktuelle Version 1.0.6 umfasst neben dem kompletten Mono Runtime Environment auch den Compiler und die Klassenbibliothek, die IDE Monodevelop, den Webserver XSP, GTK# zum Schreiben von GUI-Programmen und den Datenbankserver MySQL. Zusätzlich bietet das Live-System noch eine Reihe von Beispielen und Dokumentation zu Mono, GTK# und Monodevelop.

Monoppix profitiert von der gut funktionierenden Hardware-Erkennung von Knoppix. Als Desktop kommt das nicht mehr taufrische KDE 3.1.3 mit englischer Tastaturbelegung und Menübeschriftungen zum Einsatz. Die Wahl von KDE als Desktop erstaunt etwas, da Mono eher mit Gnome verbunden ist. Wie Knoppix lässt sich Monoppix mit Hilfe eines grafischen Einrichtungsprogramms auf der Festplatte installieren.

Der Schnelleinstieg in die Programmiersprache klappt gut, wenngleich die mitgelieferte Mono Documentation Library noch sehr lückenhaft ausfällt. Auf der Homepage von Monoppix finden Sie zusätzlich eine Reihe von Anleitungen zum Erlernen von Mono und zum Umgang mit Monodevelop, die als Videos im WMV-Format vorliegen.

monoppix.png

Monoppix enthält alles für den Start mit Mono.

Linux für unterwegs

Der finnische Mobilfunkspezialist Nokia entwickelt unter dem Namen Maemo (http://www.maemo.org) eine Linux-Plattform für mobile Endgeräte wie Smartphones und Tablet-PCs. Das System wird erstmal mit dem Internet Tablet 770 von Nokia zum Einsatz kommen, das Ende des Jahres erscheinen soll.

Maemo setzt auf verschiedene Open-Source-Techniken. Als Basis des Systems dient ein Linux-Kernel aus der Reihe 2.6. Auf ihm setzen die Bibliotheken GTK+ 2.6, Matchbox, D-Bus und das Gnome Virtual Filesystem auf. Die Benutzeroberfläche bildet ein abgespecktes Gnome, das die Entwickler auf die Benutzung mit einem Stift optimiert haben. Zur leichteren Bedienung erweitert Maemo Gnome um einige Widgets und verbessert die Unterstützung von Touchscreens.

Die Hildon getaufte Oberfläche enthält alle typischen PDA-Anwendungen und zusätzlich Programme zum Abspielen von Musik und Filmen. Das System eignet sich für Geräte mit ARM-Prozessoren und benötigt einen Bildschirm mit mindestens 800 x 480 Pixeln Auflösung und mindestens 64 MByte RAM sowie 32 MByte ROM.

Programme im Browser

Die Entwickler von Symphony (http://www.symphonyos.com streben mit ihrer neue Distribution auf Basis von Debian und Knoppix ein vollständig neues Bedienkonzept an. Es soll den Umgang mit Computern drastisch vereinfachen. Die Basis dazu bildet ein Desktop namens Mezzo, der auf der Applikationsumgebung Orchestra aufsetzt. Orchestra seinerseits verwendet Mozillas Gecko-Engine zur Darstellung der Oberflächenkomponenten.

Symphony nutzt die Hardware-Erkennung von Knoppix, verzichtet aber auf den größten Teil der Anwendungen. Stattdessen setzt das System auf Orchestra, das aus einem lokalen Web-Server und einer angepassten Mozilla-Variante besteht. Anwendungen für Orchestra lassen sich so mit typischen Web-Techniken realisieren. Zur Verfügung stehen zur Zeit Javascript/DHTML, Java-Applets, Flash, XUL und Perl/CGI. Für die Zukunft planen die Entwickler die Integration von PHP, Python und SVG-Grafiken.

Dem Umsteiger erscheint das Bedienkonzept des Desktops gewöhnungsbedürftig: Als Window-Manager kommt ein angepasster IceWM zum Einsatz. In den vier Ecken des Bildschirms finden sich sogenannte Corner Targets. Diese Menüknöpfe führen zum Mülleimer, dem Dokumenten-Desktop, dem Programm-Menü und zu Einstellungsmöglichkeiten der Hardware. Ein Klick auf die Corner Targets öffnet nicht etwa ein Menü, sondern stellt die Inhalte vielmehr im Zentrum des Desktops dar.

Diese Anordnung der Menüs auf dem Desktop erscheint ungünstig, da laufende Anwendungen diese verdecken. Menüs mit mehr als einer Ebene gibt es in Symphony nicht. Daneben versuchen die Entwickler unnötiges Scrollen dadurch zu vermeiden, dass das System Symbole und Text dynamisch in der Größe anpasst.

Nur das aktive Fenster verfügt über Bedienknöpfe in der Titelleiste, die anderen Programme müssen darauf verzichten. Dies erhöht die Übersichtlichkeit. Drag & Drop funktioniert in diesem Kontext nicht. Minimierte Fenster stellt Mezzo am unteren Rand des Bildschirms als verkleinerten Screenshot dar.

Symphony liegt momentan in einer dritten Alpha-Version vor, bei der es noch an einigen Ecken hakt. Das Projekt sucht noch Mitstreiter zum Testen und zur Entwicklung neuer Anwendungen.

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In Symphony dreht sich alles um Mozilla.

Klein, stark, schnell

Live-CD im Visitenkartenformat mit trotzdem umfangreicher Software-Ausstattung: Die lettische Live-Distribution Austrumi (http://cyti.latgola.lv/ruuni/index_en.html) macht es möglich. Auch die neue Version passt mit 49 MByte locker wieder auf eine kleinformatige CD.

Das System basiert auf dem aktuellen Slackware und benutzt die Init-Skripte von Blin (http://blin.zp.ua). Die Hardware-Erkennung arbeitet sehr sicher, nach dem Start stellen Sie lediglich noch die Netzwerkverbindung mit Hilfe des Programms netconfig ein.

Austrumi verwendet den schlanken Window-Manager Fvwm95. Da sich das System bei mehr als 96 MByte RAM komplett in den Arbeitsspeicher kopiert, sind die Reaktionszeiten auch auf älteren Rechnern kurz. Das Software-Repertoire enthält alles, was Sie für die tägliche Arbeit brauchen: Abiword und Gnumeric in aktuellen Versionen erledigen die Büroarbeit, Firefox und Thunderbird kümmern sich um Web und E-Mail und Gimp (in der etwas angestaubten Version 1.2.5) bearbeitet Pixelgrafiken. Zum Zeichnen ist Inkscape mit an Bord.

Als Standardsprache verwendet die Distribution natürlich Lettisch, was sich über das Startmenü (SaktSistemaLeslegt Aglu, auf englisch: StartSystemget Lativan ) schnell umstellen lässt. Auf den ersten Blick fällt auf, welche Sorgfalt die Entwickler bei der Auswahl der Schriftarten walten ließen. Egal ob in Abiword oder in Firefox: Text jeder Größe lässt sich stets gut lesen.

Die auf der Projekt-Homepage angekündigte Möglichkeit, Austrumi auf der Festplatte zu installieren, funktioniert nicht. Der Installer nimmt zwar in einer spartanischen Oberfläche die gewünschte Zielpartition entgegen und schlägt vor, Lilo in den MBR der ersten Festplatte zu installieren. Nach der Installation geschieht aber nichts: Das Installationsprogramm legt lediglich das Verzeichnis lost+found auf der ersten Partition an und löscht dort zudem alle anderen Daten. Einen vorhandenen Bootmanager zerschiesst das Setup zuverlässig.

Obwohl der Installer keine brauchbaren Ergebnisse liefert, bietet sich Austrumi als eine gut benutzbare Live-Distribution für die Brieftasche an. Allerdings sollten die Entwickler bis zum Vorliegen einer funktionierenden Einrichtungsroutine den Installer aus dem Menü entfernen.

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Austrumi verfügt trotz seiner geringen Größe über eine umfangreiche Software-Auswahl und läuft rasend schnell.

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