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Die 3D-Galaxie mit Celestia

01.07.2005 Der Weltraum, unendliche Weiten, aber eindeutig zu teuer für einen Kurzurlaub! Sollten auch Sie zu den Menschen gehören, die sich in absehbarer Zeit keinen Trip zum Mond leisten können, probieren Sie Celestia. Das Programm holt Ihnen die Galaxie nach Hause – gratis und in 3D.

Schweben Sie über der Raumfähre ISS, während sich unter Ihnen die Erde ruhig dreht. Beobachten Sie aus nächster Nähe, wie die Sonde Cassini die Ringe des Saturns passiert. Besuchen Sie den äußersten Rand der Galaxie oder unternehmen Sie eine Kaffeefahrt auf klingonisches Territorium (Abbildung 1): Das und noch mehr leistet Celestia.

Abbildung 1: Die Galaxie von Celestia ist beliebig erweiterbar. So treffen Sie in weit entfernten Sonnensystemen auch bekannte Aliens aus dem Fernsehen, wie die Klingonen oder die Borg.

Chris Laurel entwickelte das Programm 2001, um die Galaxie räumlich durchqueren und zugleich erforschen zu können. In den folgenden Jahren verfeinerten unzählige Freiwillige Celestia über das Internet. Mittlerweile gehört es zur raren Sorte jener Software, die einen pädagogischen Wert besitzt und zugleich äußerst unterhaltsam ist. Celestia macht wirklich Spaß und wächst zudem ständig. Die Galaxie im Computer erweitern Sie um reale Raumsonden, ferne Sonnensysteme und Raumschiffe fremder Spezies und versehen ausgewählte Planeten mit detaillierten Oberflächen. Die Addons laden Sie einfach aus dem Netz herunter. Unter anderem steht der komplette Weltraum-Fuhrpark aus dem Film 2001 -- Odyssey im Weltall zum Download bereit. Fortgeschrittene Nutzer entwerfen eigene Planeten oder fiktionale Systeme. Sie können Celestia in der Schule einsetzen oder zu Lehrzwecken eigene Routen durch die Galaxie entwickeln, die dann als Demo abspielbar sind.

Der Countdown läuft…

Einschränkungen gibt es für Celestia leider schon: Ohne 3D-Beschleunigung macht das Programm wenig Spaß. Die Planeten ruckeln durch das Bild und die Raumstationen sehen blass aus. Ihr Rechner muss also ein wenig Rechenleistung mitbringen: 512 MByte RAM sollten es schon sein, eine Grafikkarte mit mindestens 64 MByte Speicher ist ebenso angebracht. Auch der passende 3D-Treiber für Ihre Grafikkarte darf nicht fehlen. Das ist mitunter nicht ganz trivial, aber es gibt im Internet Artikel, die Hilfe zum Thema anbieten[1].

Nun geht es los. Installieren Sie unter Suse, Mandrake und Fedora einfach über die jeweiligen Paketmanager die Celestia-Pakete der Version 1.3.2. Die RPMs finden sie über eine RPM-Suchmaschine (http://rpm.pbone.net) oder auf der Heft-CD. Fedora-Nutzer benötigen zusätzlich das Paket gtkglext-1.0.6. Zwar steht auf allen Celestia-Versionen die selbe Versionsnummer, doch gibt es zwischen den Distributionen graduelle Unterschiede. Die Werkzeugleiste sieht unter Fedora Core 3 anders aus als unter Suse, die Tastenkombinationen sind aber gleich. Mandrake 10.2 hebt sich positiv hervor, weil das Programm offensichtlich ins Deutsche übersetzt wurde – offiziell gibt es die deutschen Sprachpakete nur für Win32-Systeme. Etwas aus dem Rahmen fällt Debian. Für das Woody-Release existiert nur eine ältere Celestia-Version (1.2.2), die nicht alle hier besprochenen Features mitbringt, um sie zu holen, fügen Sie als Root mit einem Editor folgende Zeile in die Datei /etc/apt/sources.list:

deb     http://ftp.debian.org/↩
debian woody main

Eine brandneue, aber scheinbar noch nicht völlig ausgereifte Version (1.3.3) erhalten Sie, wenn Sie in die selbe Datei folgenden FTP-Server eintragen:

deb     http://3demi.net/↩
debian debs/ ./

Im Test erwiesen sich die Menüleisten weitgehend als unbrauchbar, die Tastaturkürzel funktionierten aber uneingeschränkt. Die Version ist auf Sarge- und Sid-Nutzer zugeschnitten und benötigt ebenfalls die 3D-Beschleunigung.

Ein weiterer Unterschied liegt in den Installationsorten für Celestia: Unter Debian und Fedora Core 3 liegen die Celestia-Dateien in /usr/share/celestia, in Mandrake 10.2 finden Sie die Verzeichnisse in /usr/share/apps/celestia und Suse installiert Celestia nach /opt/kde3/share/apps/celestia.

Scotty, beam uns rauf!

Nach Abschluss der Installation drücken Sie [Alt] und [F2] und geben celestia ein, um das Programm zu starten. Celestia beginnt mit einem Schwenk an der Sonne vorbei zur Erde. Die Steuerung erfolgt über Menüs oder Tastenkombinationen, wobei die Tastenkombinationen komfortabler sind. Über den Menüpunkt Settings und Configure Shortcuts richten Sie Ihre persönlichen Tastenkürzel ein. Um einen ersten Eindruck von Celestia zu erhalten, drücken Sie zunächst [D]. Eine Demo startet, die eindrucksvoll einige der Features von Celestia vorführt. Lehnen Sie sich zurück, und genießen Sie den Trip durch das Sonnensystem. Ein Eingreifen ist möglich. Wenn Ihnen beim Umkreisen ein Planeten zu nahe oder zu fern erscheint, ändern Sie mit [.] und [,] das FOV (Field of View) und zoomen den Planeten heran oder weg. Ist Ihnen des All zu finster, können Sie es mit [Alt Gr] und [{] beziehungsweise [}] erleuchten oder verdunkeln. Letzteres kommt der Realität natürlich näher: im All ist es zappenduster. Auf diese Weise lernen Sie – während die Demo läuft – ein paar wichtige Grundeinstellungen kennen.

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Infos zum Autor

Kristian Kißling

Kristian Kißling

Wenn Kristian Kißling nicht gerade für die LinuxCommunity schreibt, arbeitet er als Redakteur bei der Zeitschrift EasyLinux und als Chefredakteur für den Ubuntu User. Am liebsten beschäftigt er sich mit Multimedia- und Unterhaltungssoftware im weiteren Sinne und mit neuer Open-Source-Software, die überraschende Fähigkeiten zeigt.

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