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Verbindung schaffen

Automatische Netzwerkkonfiguration unter Debian

Verschiedene Netzwerkumgebungen

Nun ist es an der Zeit, die automatische Erkennung unterschiedlicher Netzwerkumgebungen zu konfigurieren. Überlegen Sie sich dazu, wie Sie ihr Laptop nutzen: Verwenden Sie überwiegend DHCP? Schließen Sie ihr Laptop direkt an ein DSL-Modem an?

Zuerst sorgen Sie dafür, dass ifupdown> guessnet als Mapping-Programm verwendet. Kommentieren Sie in /etc/network/interfaces ihren bisherigen Eintrag für die Netzwerkschnittstelle mit dem Zeichen # am Anfang jeder Zeile aus. Dann fügen Sie folgende Zeilen ein – hier als Beispiel für die Netzwerk-Schnittstelle eth0:

mapping eth0
        script guessnet-ifupdown
        map default: none
        map timeout: 3
        map verbose: true

Die Option map timeout gibt an, nach welchem Zeitlimit die mit map default definierte Standardumgebung zum Einsatz kommt. Die Anweisung map verbose: true sorgt für ausführlichere Protokollmeldungen, die bei der Fehlersuche helfen. Diese können Sie mit tail -f /var/log/syslog mitverfolgen.

Nun definieren Sie unterschiedliche Netzwerkumgebungen samt passender Tests. Aus Basis für eine Umgebung verwenden Sie ihren vorher auskommentierten alten Eintrag. Eine Netzwerkumgebung für die automatische Konfiguration via DHCP sieht zum Beispiel so aus:

iface teamix inet dhcp
        test peer address 172.1.2.3 mac AA:BB:CC:DD:EE:FF

Diese Zeile weist guessnet an, nach einem Host mit der angegebenen IP- und MAC-Adresse zu suchen. Sie können auch mehr als einen Test angeben, indem Sie test1, test2 usw. verwenden. Für die Konfiguration des heimischen Netzwerks tragen Sie beispielsweise IP- und gegebenenfalls die MAC-Adresse Ihres DSL-Routers ein. In der Firma hingegen verwenden Sie die IP- und MAC-Adresse eines Servers, der immer läuft. Die MAC-Adresse erfahren Sie dabei in der Regel mittels ping -c 1 IP-Adresse ; arp -a | grep IP-Adresse.

Statt DHCP können Sie auch eine statische Netzwerkkonfiguration angeben. Eine solche Umgebung beginnt mit iface NAME inet static, gefolgt von allen nötigen weiteren Angaben. Wenn Sie den Laptop direkt an ein DSL-Modem anschließen, verwenden Sie eine Umgebung wie:

iface dsl inet ppp
        provider dsl-provider
        test pppoe

Da der Test auf eine DSL-Verbindung mitunter länger dauert, sollten Sie das Zeitlimit für die Tests erhöhen. In der Praxis hat sich ein Wert von 15 Sekunden bewährt, den Sie mit map timeout: 15 setzen. Das schadet nicht, da ja die Tests für ihre üblichen Netzwerkumgebungen wesentlich schneller ein positives Ergebnis zurückliefern.

Zu guter Letzt geben Sie noch eine Standardumgebung an, die zum Einsatz kommt, wenn keiner der Tests mit positiven Ergebnis zurückkehrt. In unserem Beispiel ist dies iface none:

iface none inet dhcp

In Listing 1 finden Sie ein kommentiertes Beispiel für die Datei /etc/network/interfaces zur Verwendung mit ifplugd und guessnet (siehe Abbildung 1).

Listing 1

/etc/network/interfaces

# /etc/network/interfaces – configuration file for ifup(8), ifdown(8)
# The loopback interface
auto lo
iface lo inet loopback
### Mapping
mapping eth0
        script guessnet-ifupdown
        map default: none
        map timeout: 15
        map verbose: true
### Netzwerk-Umgebungen
# Zu Hause
iface daheim inet static
        address 192.168.1.42
        netmask 255.255.255.0
        broadcast 192.168.1.255
        gateway 192.168.1.1
        # Mit Debian-Paket "resolvconf":
        dns-search zuhause.local
        dns-nameservers 192.168.1.1
        # Test
        test peer address 192.168.1.1 mac AA:BB:CC:DD:EE:FF
# Firma
iface teamix inet dhcp
        test1 peer address 172.1.2.3 mac AA:BB:CC:DD:EE:FF
        test2 peer address 172.4.5.6 mac FF:EE:DD:CC:BB:AA
# DSL-Umgebung
iface dsl inet ppp
        provider dsl-provider
        test pppoe
# Wenn nach dem Zeitlimit nichts anderes gefunden wird:
iface none inet dhcp

Fazit

Die Kombination von ifplugd und guessnet ermöglicht das bequeme Wandern von einem Netzwerk zum anderen. Die textbasierte Konfiguration erweist sich allerdings als nicht ganz trivial. Wer sie jedoch erfolgreich absolviert, wird aber mit einem mobilen Computer belohnt, der sich auf wechselnde Netzwerkumgebungen einzustellen weiß. (ofr/jlu)

Glossar

Netzwerkschnittstelle

Über diese greift Software auf eine Netzwerk-Karte zu. Die Schnittstelle für die erste Ethernet-Karte heißt gewöhnlicherweise "eth0", für ein Modem "ppp0", für eine WLAN-Karte zum Beispiel "wlan0".

ARP

Address Resolution Protocol. Hardwarenahes Netzwerkprotokoll, um zu einer IP-Adresse die passende MAC-Adresse zu ermitteln. IP-Adresse: Jeder Rechner in einem TCP/IP-Netzwerk hat eine IP-Adresse, über die er angesprochen wir, zum Beispiel 129.187.10.25 MAC-Adresse: Weltweit eindeutige Adresse für eine Netzwerkhardware nach dem Ethernet-Standard (Karte für kabelgebundenes Ethernet, WLAN-Adapter, Bluetooth-Adapter). PPPoE: PPP over Ethernet. Verwendung eines Point-to-Point-Protokolls, wie es zum Beispiel für Analog-Modem- und ISDN-Verbindungen eingesetzt wird, über eine Ethernet-Verbindung. Wird für DSL-Verbindungen eingesetzt.

NTP

Das Network Time Protocol dient der Zeitsynchronisation mit geeichten Servern.

DHCP

Dynamic Host Configuration Protocol. Protokoll zur automatischen Netzwerkkonfiguration. Der Client holt sich vom Server die benötigten Daten wie IP-Adresse, Netz-Maske und Nameserver.

Der Autor

Martin Steigerwald arbeitet als Systemadministrator bei der team(ix) GmbH in Nürnberg. Ein Schwerpunkt seiner Tätigkeit liegt dabei im Second Level Support für Linux als Business-Desktop. Er hat Linux schon vor Jahren auf seinem Amiga 4000 installiert und nutzt es auch privat.

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Martin Steigerwald

Martin Steigerwald

Martin Steigerwald arbeitet als Trainer, Consultant und Systemadministrator bei der team(ix) GmbH in Nürnberg. Schwerpunkte seiner Tätigkeit sind Linux-Schulungen, die Konzeption, Installation und Wartung solider IT-Infrastruktur auf Basis von Debian Linux sowie Second Level Support für Linux als Business-Desktop bei Kunden von teamix(ix).


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LinuxUser 06/2012

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