Automatische Netzwerkkonfiguration unter Debian

Verbindung schaffen

Ein Notebook wechselt häufig den Ort und damit die Netzwerkumgebung. Mit ein wenig Konfigurationsarbeit und den passenden Tools erreichen Sie, dass der portable Computer sich selbst auf die wechselnden Umstände einstellt.

Schließt man den Linux-Laptop an einem neuen Netzwerk an, passiert nicht unbedingt, was man sich wünscht: Der Rechner sollte am besten seine Umgebung richtig erkennen und einfach funktionieren. Mit etwas Aufwand erweitern Sie Ihren mobilen Computer um diese Fähigkeit. Dazu dienen die beiden Pakete laptop-net und guessnet.

Dreistufige Netzwerkeinstellung

Die automatische Netzwerkkonfiguration teilt sich in drei Schritte auf: Zuerst gilt es festzustellen, ob die Netzwerkschnittstelle überhaupt angeschlossen ist. Einen Großteil dieser Aufgabe übernimmt der Daemon ifplugd, der für Debian und Suse als Paket vorliegt [1].

Funktioniert die Netzwerkschnittstelle, kann der Rechner Teil eines Netzwerks werden. Um welches es sich dabei handelt, entscheiden im zweiten Schritt vordefinierte Tests oder die manuelle Auswahl des Benutzers. Für Debian enthalten die Pakete guessnet, intuitively, laptop-net und whereami die passende Software. Weit verbreitet ist auch netenv, bei dem der Anwender manuell die gewünschte Netzwerk-Umgebung auswählt. Für Suse-Anwender bietet sich stattdessen das Paket SCPM an (siehe Artikel auf Seite 38). Daher gehen wir im folgenden vor allem auf die Konfiguration unter Debian ein.

Als dritter Schritt bleibt anschließend noch die Einrichtung der Netzwerkumgebung zu erledigen. Wo die Konfiguration abgelegt wird, unterscheidet sich je nach verwendeter Lösung. Idealerweise greift sie auf den distributionseigenen Mechanismus zur Netzwerkkonfiguration zurück.

Das Programm laptop-net vereint alle drei Schritte und nutzt ifupdown nur für die Low-Level-Netzwerkkonfiguration. Die Software guessnet hingegen ermittelt lediglich die vorliegende Netzwerkumgebung (siehe Abbildung 1). Für einen modularen Ansatz zur automatischen Netzwerkkonfiguration eignet sich guessnet daher besser.

Abbildung 1: So kann eine automatische Netzwerkkonfiguration mit verschiedenen Netzwerkumgebungen aussehen.

Allerdings wurde guessnet bislang nicht an spezielle Konfigurationsmechanismen einzelner Distributionen angepasst. Suse-Anwender können stattdessen aber auch ifplugd in Kombination mit SCPM verwenden. Die nötige Arbeiten zur Konfiguration von ifplugd unterscheidet sich in diesem Fall nur unwesentlich von jenen für Debian.

Guessnet

Das Programm guessnet nutzt die Vorgaben von ifupdown: Es bietet sich als Werkzeug an, das anhand von Tests die passende Netzwerkumgebung auswählt. Dabei konfiguriert es das Netz in Debian-Manier über /etc/network/interfaces.

Zur Ermittlung der vorliegenden Netzwerkumgebung setzt guessnet verschiedene Tests ein: Es kann via ARP-Anforderung nach einem Host mit einer bestimmten IP-Adresse suchen. Daneben akzeptiert es auch eine MAC-Adresse. Es ist in der Lage, via PPPoE zu ermitteln, ob an die Ethernet-Karte ein DSL-Modem angeschlossen ist. Dazu greift es auf den externen Befehl pppoe zurück. Nicht zuletzt bietet guessnet auch einen (bislang experimentellen) Test für Funknetze.

Das Programm führt alle für die betreffende Netzwerkschnittstelle definierten Tests nacheinander durch. Der erste Test, der mit positiven Ergebnis endet, bestimmt die verwendete Netzwerkumgebung. Führt innerhalb einer definierten Zeitspanne kein Test zu einem verwertbaren Ergebnis, verwendet guessnet eine Standardumgebung.

Beim Einsatz von guessnet in Kombination mit ifplugd ergibt sich eine Besonderheit: Existiert kein Link – etwa aufgrund eines fehlenden Netzwerkkabels – startet der Ifplug-Daemon guessnet nicht. Möchten Sie angemessen auf einen fehlenden Link reagieren, bietet sich als Alternative der guessnet-Test missing-cable an.

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