Kraftvoll zubeißen
Apple iBook unter Debian
Wer bremst, gewinnt!
Eine elementare Funktion bei Notebooks stellt die Möglichkeit dar, die Geschwindigkeit des Prozessors während des Betriebs an die tatsächlich benötigte Leistung anzupassen. Es macht schließlich wenig Sinn, wenn die PowerPC-G4-CPU mit 1200 MHz vor sich hinbrät, obwohl man nur E-Mails lesen möchte.
Unter Linux soll cpufreq die Funktion zum dynamischen Heruntertakten für alle Architekturen vereinheitlichen. Auch das iBook spielt mit cpufreq zusammen, die Auswahl an Leistungsstufen aber ist begrenzt: Es stehen lediglich zwei davon zur Verfügung, 1,2 GHz oder 600 MHz. Dazwischen gibt es nichts; Sie haben also nur die Wahl zwischen voller Leistung und niedrigster Geschwindigkeit. Zudem erweist sich die Steuerung der Modi mit Linux-Mitteln als recht unzuverlässig: Mit cpufreqd schnellt die Leistung aus unerklärlichen Gründen regelmäßig in die Höhe, und auch powernowd arbeitet nicht besonders effizient.
Generell fällt auf, dass der CPU-Lüfter des iBooks bei der Arbeit mit Linux häufig aktiv ist, während man ihn bei Mac OS selten hört. Eine Rücksprache mit Benjamin Herrenschmidt, dem Linux-PowerPC-Guru, brachte die Gründe ans Licht: Apple rückt mit vielen Informationen über die in Apple-Computern verwendeten Hardware einfach nicht heraus, die Mac OS allerdings zur Verfügung stehen.
Zwar veröffentlicht Apple fast den kompletten Quellcode von Mac OS als OpenDarwin im Netz; detaillierte Informationen dazu, wie spezielle Hardware mit dem System arbeitet, lassen sich aber auch daraus nicht entnehmen. Den Linux-Entwicklern bleibt folglich nichts anderes übrig, als mit mageren Infos über die Struktur der Hardware auszukommen. Erst mit den entsprechenden Hintergrundinformationen ließen sich Treiber schreiben, die effizienter funktionieren.
Schwachpunkt WLAN
Eigentlich wäre es ja ein Grund zur Freude: Apple-Notebooks bringen inzwischen durch die Bank ein integriertes WLAN mit. "AirPort Express", so heißt die Technik bei Apple. Doch das drahtlose Netz funktioniert ausschließlich unter Mac OS: Während in iBooks früherer Generationen noch AirPort-Karten verbaut waren, die auch mit Linux funktionierten, gibt es für die jetzt integrierte Variante schlicht keinen Linux-Treiber.
Diesmal trifft die Schuld aber nur zum Teil Apple: Wo AirPort Express draufsteht, ist tatsächlich Broadcom drin. Der hierzulande hauptsächlich durch seine Gigabit-Netzwerkchipsätze bekannte Hersteller bastelt auch den Chipsatz für die Karten, die mit aufgedrucktem Äpfelchen verkauft werden – und weigert sich beharrlich, Informationen zur Hardware herauszurücken.
Begründung: Die Karten würden zuviel im Treiber erledigen, so dass die Offenlegung der Hardware-Spezifikationen tatsächlich eine Offenlegung der ganzen Karte wäre. Das Risiko will Broadcom aber offenbar aus Angst vor anderen Herstellern, die wohl schnell billige Plagiate auf den Markt werfen würden, nicht eingehen. Eine Änderung dieser Strategie ist nicht zu erwarten.
Ganz auf WLAN verzichten müssen Sie deshalb aber nicht: Mit USB-Adaptern wie dem DWL-122 von D-Link, der unter Linux mit dem Paket linux-wlan-ng problemlos zusammenspielt, rüsteten Sie die Funktion bei Bedarf nach. Den D-Link-Adapter gibt es zu Straßenpreisen ab 20 Euro. Allerdings blockiert er als externes Gerät konstant einen der beiden USB2-Ports des iBook. Die nicht mit Linux kooperierende AirPort-Extreme-Karte bleibt also ein echtes Ärgernis.



