01.06.2005

Kurz notiert

In diesem Jahr zieht es Desktop-Begeisterte zur jährlichen KDE-Konferenz vom 27. August bis zum 4. September nach Spanien an die Universität Malaga. Die beiden ersten Tage sind mit einem Vortragsprogramm ausgefüllt, dass sich am 27. August an Anwender, am 18. an Entwickler richtet. Danach folgen eine Woche Coding-Marathon, bei dem wohl vor allem an KDE 4.0 gearbeitet werden dürfte. (http://conference2005.kde.org)

Wer einen KDE-Mitwirkenden in seiner Nachbarschaft ausfindig machen will, wird unter http://worldwide.kde.org fündig. Dank KDE-Promoter Rainer Endres bietet die Seite jetzt Karten mit speziellem Europa-Zoom und Tooltips, um so die einzelnen Kontributoren noch besser lokalisieren zu können. Zu Redaktionsschluß umfasste die Datenbank bereits 315 Helfer, die Beiträge zu KDE geleistet haben.

Der langjährige KDE-Kern-Entwickler Waldo Bastian verlässt seinen bisherigen Arbeitgeber SUSE/Novell, um bei Intel den Posten den Posten eines Linux Desktop Architect anzunehmen. Dies passt zur Ankündigung von Intel, sich fortan stärker um den Linux-Desktop zu kümmern. Um sich seinen neuen Aufgaben widmen zu können, wird sich Bastian teilweise aus der KDE-Entwicklung zurückziehen.

Auch Kern-Entwickler Zack Rusin wechselt seinen Arbeitgeber: Er optimiert künftig für den Qt-Hersteller Trolltech den X11-Server X.org, der die grafischen Basisfunktionen für KDE, Qt und alle anderen Toolkits unter Linux bereitstellt. Es ist sein erklärtes Ziel, X11 "wieder auf den Stand der Technik zu bringen". Seine Arbeit wird sowohl X11 als auch dessen Erweiterungen wie die Direct Rendering Extension (DRI) und die MESA OpenGL-Bibliothek betreffen. X11 solle der kommenden Longhorn-Version und Mac OS X mehr als ebenbürtig werden, verspricht der Entwickler in seinem Blog unter http://www.kdedevelopers.org/blog/14/.

Die Debian-basierte Distribution Ubuntu gibt es als Kubuntu auch mit KDE statt Gnome. Wer bereits Ubuntu installiert hat, kann sich aber die Neueinrichtung sparen. Mit dem Befehl apt-get install kubuntu-desktop kommt bei der aktuellen Ubuntu-Version die Luxus-Variante der KDE-Installation inklusive Amarok, K3B, und in den Desktop integriertem Open-Office auf die Platte. apt-get install kde installiert ein Standard-KDE, apt-get install kde-core die Minimalvariante.

Finden, nicht suchen

IN einem neuen Projekt mit dem Codenamen "Tenor" arbeiten die KDE-Kernentwickler Scott Wheeler und Aaron Seigo an eine Antwort auf die Frage: "Warum finde ich Dokumente im Internet schneller als auf meinem PC?". Wheeler hatte bereits im Februar auf der Entwicklerkonferenz Fosdem einen vielbeachteten Vortrag zu neuen Desktop-Konzepten gehalten und lässt den Worten nun Taten folgen.

Wheeler und Seigo geben sich nicht mit den bisherigen Ansätzen wie der Google-Desktop-Suche und Gnomes Beagle zufrieden, die einfach nur den Inhalt der Festplatte indexieren. Sie wollen auch sogenannte Kontextinformationen speichern, also die Herkunftsquellen eines Dokumentes oder den ursprünglichen Titel. Solche wertvollen Informationen würden von aktuellen Betriebssystemen einfach verworfen werden, statt sie dem Benutzer als Suchkriterium zur Verfügung zu stellen.

Ein Benutzer soll also mit Tenor seinen Computer fragen können: "Welches ist das Dokument, das ich weiterbearbeitet habe, nach dem ich es von Torsten per Mail bekam".

Im Gegensatz zum kürzlich gestarteten KDE-Projekt Kat oder Beagle bei Gnome soll Tenor kein eigenständiges Programm werden, sondern eine Technologie, die sich in andere Programme integriert und damit auf dem gesamten Desktop verfügbar sein soll. Auch Applikationen, die nicht auf Qt oder KDE basieren, sollen Tenor verwenden können.

Die beiden Autoren arbeiten zurzeit zusammen mit Usability-Experten an einer experimentellen Umsetzung ihres Konzepts für KDE 4.0.

Amarok erweitern

Kaum haben die Entwickler des Musik-Players Amarok mit der neuen Version 1.2 eine Scripting-Schnittstelle eingeführt, gibt es schon die ersten nützlichen Erweiterungen. Das Skript "Nightingale" fährt den PC nach dem letzten Stück herunter, ein Servicemenü-Plugin für Konqueror erlaubt das Queueing beliebiger Musikdateien aus dem Datei-Manager per Kontextmenü und "Amarok Shouter" verwandelt Amarok in einen Streaming-Server.

Die Amarok-Homepage führt unter http://amarok.kde.org/wiki/index.php/Scripts die meisten Skripte auf. Andere Erweiterungen finden sich unter dem Suchbegriff "Amarok" unter http://www.kde-apps.org.

Mit dem Shouter-Plugin, das Amarok in einen Streaming-Server verwandelt, steht einer Karriere als Webradio-DJ nun nichts mehr im Wege.

Appeal Projekt will Innovationen schaffen

Während der Osterfeiertage traf sich eine kleine Gruppe von KDE-Entwicklern mit Usability Experten und Grafikern in Berlin. Unter dem Namen "Appeal" wollen sie innovative Konzepte für kommende KDE Versionen erarbeiten. "Clarity and Beauty" (Klarheit und Schönheit) sind die Maximen, unter denen die Gruppe Entwürfe vorstellen will.

Erste Vorschläge fließen bereits in die neuen KDE Richtlinien für Benutzerschnittstellen (HIG) ein, die KDE-Programme konsistenter und einfacher machen sollen. Auch die Suchtechnik "Tenor" entsteht im Rahmen von "Appeal". Erste Planungen sehen ein fundamentales Umdenken beim Verwalten von Inhalten vor: Ein aufgabenorientierter "Content Browser" soll dem Benutzer ein wesentlich einfacheren Umgang mit Dokumenten und multimedialen Inhalten bieten, als dies mit heutigen Dateimanagern möglich ist. Wichtig ist den Planern dabei, dass die Oberfäche den Benutzer dabei seinen Möglichkeiten nicht künstlich einschränkt.

Bei der Verbesserung der Benutzerfreundlichkeit setzt das Team unter anderem auf grafische Effekte. Unter der Federführung von Hans Oischinger, dem Autor von Kompose, enstehen Ideen zur Visualisierung von typischen Vorgängen auf dem Desktop. Die Appeal-Gruppe hofft, dass sie viele ihrer Ideen für KDE 4.0 umsetzen kann. Die KDE Entwickler stehen den Ideen jedenfalls überwiegend positiv gegenüber.

Scott Wheeler (links) beim Disktutieren mit Torsten Rahn (vierter von links), Ellen Reitmayr vom Usability-Projekt (dritte von links) und XXX

Termine und Kontakte auf dem USB-Stick

Seine Kontakte und Termine immer bei sich zu haben, kann praktisch sein. Noch besser, man hat auch das dazugehörige Programm immer gleich parat. Genau das ermöglicht nun das aktuelle Release der Varianten KOrganizer/Pi und KAddressbook/Pi. "Pi" steht hierbeit für "Platform independend" und ist eine Initiative des Pi-Sync- Projektes (http://www.pi-sync.net). Diese spezielle Versionen der beliebten KDE-PIM-Applikationen gibt es für Windows, Mac OS X, Linux und sogar für den Zaurus-PDA von Sharp.

Der Clou an der neuen Version: Die Programme sind auch als statisches Binary erhältlich. Sie laufen also garantiert auch auf fremden Rechnern, da sie nicht von externen Bibliotheken abhängig sind. Die Entwickler bieten in ihrem Download-Archiv erstmals eine Version an, die ausführbare Dateien für Windows und Linux mitbringt und auf einem USB-Stick Platz findet. Daneben verbleibt genügend Platz, um auch noch Addressbücher und Kalenderdaten auf dem Stick abzulegen.

Die Plattform-unabhängige Version von KOrganizer funktioniert sogar auf PDAs und kommt bei Bedarf ohne weitere Bibiliotheken aus.

Sicherheitsalarm

Fast gleichzeitig mit dem Release von KDE 3.4 gab das KDE-Security-Team drei Schwachstellen in der Vorgängerversion bekannt. Bei der ersten handelt es sich um die berüchtigte Homograph-Attacke für die alle Browser anfällig sind, die internationale Domainnamen (IDN), unterstützen. Sie nutzt die Tatsache aus, dass einige Zeichen aus verschiedenen Sprachsystemen von gängigen Fonts gleich dargestellt werden.

Ein Link auf die Domain "ebay.de" kann also auch erfahrene, vorsichtige Benutzer auf Seiten von Betrügern locken, weil das "e" nur wie ein lateinisches E aussieht, in Wahrheit aber ein Symbol aus einem völlig anderen Zeichensatz ist. Anders als Firefox, der den Benutzer warnt, wenn ein Domainname aus verschiedenen Zeichensätzen zusammengesetzt ist, führt KDE 3.4 eine Whitelist. Sie lässt nur solche Domains zu, bei denen der zuständigen Registrar – also zum Beispiel Denic – Vorkehrungen gegen Missbrauch trifft, in dem er die erlaubte Zeichenanzahl beschränkt oder die Domains überprüft. Für alle früheren Versionen hat das KDE-Security-Team einen Patch veröffentlicht, der die IDN-Unterstützung abschaltet.

Die beiden anderen Angriffe müssen von lokalen Benutzern ausgehen. Diese können im den Serverprozess für das DCOP-Protokoll zum Stehen bringen und so eine KDE-Sitzung blockieren. Folgenreicher ist jedoch der zweite Angriff; er erlaubt unter bestimmten Umständen das Überschreiben beliebiger Dateien eines Benutzers.

Die aktuelle Version 3.4 behebt alle drei Fehler. Die Patches können wie üblich über die Update-Mechanismen der Distributionen bezogen werden.

Doch auch für die neuste KDE-Version gab das Team schon Alarm: Speziell manipulierte PCX-Grafiken lassen sich dazu benutzen, einem Rechner bösartigen Code unterzuschieben, sobald ein Benutzer die Datei betrachtet. Der Angriff nutzt ein Buffer-Overflow-Problem in der Bibliothek kimgio aus. Außerdem kann es passieren, dass die KDE-Scripting-Umgebung "Kommander" Dateien aus unbekannten Quellen ausführt, ohne eine Prüfung vorzunehmen oder den Benutzer zu fragen. Beide Probleme werden erst mit KDE 3.4.1 behoben, die Distributoren stellen jedoch bereits entsprechende Updates für die Probleme bereit.

Knoda unterstützt MS-Acess

In die neue Version des Datenbank-Frontends Knoda unterstützt das Format MDB von Microsofts Access-Datenbanken in den Versionen Access 97 sowie Access 2000 und 2002. Auf Datenbanken, die mit Access 95 wurden, kann das Programm jedoch nicht zugreifen.

Im Moment können die zugrundeliegenden MDB-Tools die Datenbanken außerdem nur auslesen, aber keine Daten zurück schreiben. Der Autor Horst Knorr hofft, das die neue Version trotz dieser Einschränkungen Access-Migrationen erleichtert. Ein weiteres Highlight ist der Dbase-Treiber XBase, der Daten sogar wieder im Dbase-eigenen DBF-Format ablegen kann.

Knoda lässt sich dank SQLite genau wie Access als Desktop-Datenbank ohne externen Datenbankserver betreiben, bietet aber auch Treiber für MySQL, Postgres und die ODBC-Schnittstelle. Die aktuelle Version 0.7.4 bezeichnet Horst Knorr allerdings noch als Test-Release, vorsichtige Naturen sollten also bis zur Freigabe der stabilen Variante warten.

Daniel Molkentin/uwo)

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