1994 trat das kleine, norwegische Unternehmen Opera mit dem Ziel an, eine kompakte Alternative zur Browser-Konkurrenz von Netscape und Microsoft anzubieten. Das Resultat war ein schneller, aber voll ausgestatteter Browser, der mit rund 1,3 MByte sogar noch auf eine Diskette passte. Das Potential, das die Community damals in den "kleinen Wikinger" hineininterpretierte, reichte bis hin zu einer möglichen Ablösung des Internet Explorer.
Heute, ein paar Jahre später, sind wir schlauer und sehen Opera mit Werbung verziert, bei einem Marktanteil zwischen einem und zwei Prozent. Dennoch gilt das Programm immer noch als Alternative im Browser-Bereich. Vor allem, wenn es darum geht, Internet-Seiten besonders schnell mit einer schlanken Software anzuzeigen, die wichtige Features zum Vereinfachen der Recherche mitbringt.
Bis zur gerade erschienenen Version 8 wuchs Opera zu einer mächtigen Web-Suite aus Browser, Mail-Client, Newsreader, RSS-Reader, Chat-Programm und Adressbuch heran. Dabei bringt die Programmsammlung in der Downloadversion für Linux ein vergleichsweise geringes Gewicht von 4,1 MByte auf die Waage.
Vorbildlicher Linux-Support
Opera sorgt sich schon seit etlichen Versionen auch um die Kundschaft aus dem Linux-Bereich. Die Heft-CD bringt die kurz vor Redaktionsschluss erschienene, erste Version von Opera 8 als RPM-Paket und Tarball mit. Auf der Homepage von Opera [1] in der Rubrik Download finden Sie, wenn Sie dieses Heft in der Hand haben, bereits Binärpakete für verschiedenste Distributionen und in diversen Lokalisierungen.
Nach der Installation des jeweiligen Paketes steht das Programm sofort zur Verfügung. Verwenden Sie KDE als Desktop, weist das Setup darauf hin, dass einige Tastenkombinationen (wie etwa [Strg]+[F8]) nicht zur Verfügung stehen, weil KDE diese selbst belegt. Dies können Sie bei Bedarf über das KDE-Kontrollzentrum ändern. Meist genügt es jedoch, via Tools | Preferences | Shortcuts die Tastaturbelegung auf den Opera Standard for UNIX unzustellen: Opera verwendet dann kaum noch Tastaturkombinationen in Verbindung mit [Strg].
Opera arbeitet in der neuen Version mit dynamischen Menüs und zeigt nur das an, was Sie momentan verwenden. Solange Sie also keinen Mail-Account oder kein Chat-Profil erstellen, blendet das Programm die entsprechenden Menüpunkte aus und verhält sich wie ein Standalone-Browser. Bei der geringen Programmgröße lässt sich die Tatsache verschmerzen, dass die Komponenten trotzdem installiert sind.
In einer Werbeleiste am oberen Fensterrand präsentiert Opera entweder zufällig gewählte Werbe-Einblendungen oder solche, die von Google durch die Auswertung von Suchanfragen auf den Benutzer zugeschnitten wurden. Die beteiligten Firmen betonen dabei den Schutz der Privatspäre des Anwenders. Bei der Probe aufs Exempel zeigte jedoch nach einigen Suchanfragen zur Geschichte der Violine das Werbefenster die Botschaft eines Musikinstrumentenhändlers. Werbefrei surfen nur Opera-Anwender durch das Web, die zuvor für 34 Euro eine Lizenz für die Suite erworben haben.
Auf den ersten Blick
Nach dem ersten Start fällt auf, dass Opera nicht die vorgegebenen Schriftgrößen für Menüs aus den KDE-Einstellungen übernimmt. Auch stellt das Programm standardmäßig Internet-Seiten mit dem Font Bitstream Vera dar, soweit es diese auf dem System findet. Der geübte Benutzer findet sofort den Weg in das Menü ToolsPreferencesFonts und stellt den Font dort auf eine lesbare Größe um.
Einem Klick in die Adressleiste fördert die optisch deutlichste Neuerung zu Tage: Es klappt ein Menü auf, das die wichtigsten Punkte zu Navigation und Suche bereithält. Voreingestellt findet man hier die Startseite (Home), eine Top-10-Liste der meistbesuchten Seiten, die Bookmarks (Lesezeichenordner) sowie zwei Suchfelder für Amazon.com und Dealtime.com.
Die Bestückung dieses Menüs können Sie jedoch über ein per Tools | Appearance | Buttons erreichbares Konfigurationsgenster mit in verschiedenen Kategorien sortierten Funktions-Icons beliebig erweitern: Dazu ziehen Sie einfach das gewünschte Funktionssymbol in das Menü unterhalb der Adressleiste.
Ganz rechts in der Adressleiste residiert ein Brillen-Icon, das auf einen Klick hin eine weitere Leiste präsentiert. Die dort erreichbaren Bedienelemente beeinflussen die Darstellung einer geladenen Internet-Seite. Viele Anwender kennen bereits aus älteren Versionen das Suchfeld, den Wechsel zwischen Autoren- und Benutzer-Modus sowie die Möglichkeit, die Darstellung von Bildern auszuschalten. Als Neuerung findet sich nun der Eintrag Fit to window width. Diese Option passt die Seite in der Breite so an die Fenstergröße an, dass der untere Scrollbalken verschwindet.
Ebenso neu ist das Mülleimer-Symbol (Trash)in der Reiterleiste, dessen sich Funktion allerdings nicht gleich erschließt: Zum einen unterdrückt Opera standardmäßig die Anzeige von Popups und zeigt dies an, indem es den Mülleimer blau einfärbt und gleichzeitig in einem kleinen Fenster über das geblockte Popup informiert. Möchte man das blockierte Fenster dennoch laden, klickt man auf das Müllereimer-Symbol und wählt es unter Blocked pop ups from zur Anzeige aus.
Zum anderen speichert Opera hier die Adressen von Sites, die während der aktuellen Sitzung wieder geschlossenen wurden. So lassen sich Fenster schnell wiederherstellen, ohne langwierig in der History suchen zu müssen.



