Selten hat eine neue Linux-Distribution so einen spektakulären Start hingelegt wie Ubuntu [1]. Version 4.10, Codename Warty Warthog ("Warziges Warzenschwein"), erschien im Oktober 2004 und war schnell in aller Munde sowie auf vielen Festplatten.
Tabelle 1: Ubuntu 5.04, Hoary Hedgehog
| Oberfläche | Gnome 2.10 |
| X.org | 6.8.2 |
| Kernel | 2.6.10 |
| OpenOffice | 1.1.3 |
| Firefox | 1.0.2 |
Meistbesuchte Homepage
Wie viele das Debian-basierte Ubuntu heute tatsächlich nutzen, lässt sich wie bei jeder Linux-Variante schwer abschätzen. Bei einer freien Distribution wie Ubuntu gibt es keine Verkaufszahlen, die einen Anhaltspunkt geben könnten. Dass der Zähler von Distrowatch [2] die Ubuntu-Seiten als mit deutlichem Vorsprung meistbesuchte führt, weist zumindest auf großes Interesse hin (Abbildung 1).
Das Konzept vom Ubuntu-Sponsor Canonical [3] ist nicht neu, wurde aber selten so konsequent betrieben. Die Firma heuerte einige renommierte Programmierer aus verschiedenen Linux-bezogenen Projekten wie Debian und Gnome an und ließ sie auf Basis des unstabilen Zweigs von Debian GNU/Linux [4] eine aktuelle Desktop-Distribution stricken. So übernahm Ubuntu von Debian Vorteile wie das ausgefeilte Paket-Management und verzichtete sogleich auf Nachteile. Insbesondere der feste halbjährliche Release-Zyklus bewegte viele vom Warten auf das nächste Release genervte Debian-Nutzer zum Umstieg auf Ubuntu.
Eine bislang einzigartige Eigenschaft hat sich Ubuntu von Apples Mac OS X abgeguckt. Nach der Installation ist der Root-Account deaktiviert, stattdessen erhalten ausgewählte Benutzer per sudo stets nur kurzzeitig dessen Privilegien. Das beugt versehentlichem oder leichtfertigem Arbeiten als Root vor.
Canonical betont, dass Ubuntu nicht nur kostenlos bleiben, sondern auch immer unter einer freien Lizenz stehen wird. So regt die Firma zum Verteilen der Software an und verschickt sogar kostenlose CD-ROMs. Ubuntu 4.10 erschien vielen als die Distribution, auf die sie immer gewartet hatten: Stabil, aktuell und frei.
Schweres Erbe
Große Fußtapfen also, in die der Nachfolger namens Hoary Hedgehog ("Altersgrauer Igel") zu treten hatte. Wie der Vorgänger passt Version 5.04 auf eine CD. Ubuntu möchte weiterhin für jeden Zweck ein passendes Werkzeug bieten, statt den Benutzer vor die Qual der unbegrenzten Auswahl zu stellen.
Somit befindet sich auf der CD als Desktop-Umgebung ausschließlich Gnome [5], aktualisiert auf Version 2.10 [6]. Die Oberfläche hat wie Ubuntu einen festen halbjährlichen Release-Zyklus und erscheint – wenn beide Beteiligten ihre Termine auch zukünftig einhalten – immer einige Wochen vor einem neuen Ubuntu-Release.
Die bedeutendste, wenn auch kaum sichtbare Neuerung von Ubuntu 5.04 stellt der Umstieg vom Grafik-Server XFree86 auf X.org dar. Damit schließt Ubuntu zu den meisten anderen großen Distributionen auf – löst sich aber von Debian, für das es noch keine X.org-Pakete gibt. X.org bringt einen Geschwindigkeitsvorteil sowie die Möglichkeit, Fenster transparent darzustellen. XFree86 stellte lediglich pseudotransparente Fenster dar, die immer den Desktop-Hintergrund durchschimmern lassen, statt der dahinter liegenden Fenster.
Da Gnome die X.org-Transparenz allerdings noch nicht verwendet, deaktiviert Ubuntu diese speicherfressende Option in der X-Standardkonfiguration.



