MP3-Player unter Linux nutzen

Total im Trend

Es gibt Hardware, die unter Linux nicht funktioniert. MP3-Player gehören nicht dazu. Dieser Artikel zeigt Ihnen, wie Sie die Zen-Player von Creative, Apples iPod und andere Geräte unter Linux effizient nutzen.

Als Creative im Jahre 2001 mit seiner Nomad Jukebox einen MP3-Player mit 6 GByte-Festplatte auf den Markt warf, war die Zeit noch nicht reif für den mobilen Musikgenuss. Der "Nomade" glich zwar äußerlich einem tragbaren CD-Player und ließ sich auch ähnlich bedienen. Das Gewicht von einem knappen halben Kilo schreckte aber selbst jene Käufer ab, die mit dem Kürzel MP3 bereits etwas anzufangen wussten. Zum Durchbruch verhalf den mobilen Soundmachern erst Apples iPod, der sich in den letzten Jahren über 5 Millionen mal verkauft haben soll.

Wie unter Linux üblich, bleibt bei derart populären Geräten auch der Linux-Support seitens der Community nicht aus: Die meisten MP3-Player unterstützt Linux mittlerweile problemlos.

Drei mal iPod

Apple offeriert den iPod in den Varianten Standard, Mini, Shuffle und Photo. Je nach Alter bezeichnet man ihn als iPod erster, zweiter, dritter oder vierter Generation (1G bis 4G). iPods sind je nach Ausführung mit dem Windows Dateisystem FAT oder mit HFS+ formatiert. Für die Tests zu diesem Artikel standen dem Autor ein iPod 4G mit 20 GByte und dem Dateisystem HFS+, ein FAT-formatierter iPod Mini mit 4 GByte und ein Shuffle mit einer Kapazität von 1 GByte zur Verfügung.

Mit Ausnahme des iPod Shuffle, den man wie einen USB-Memory-Stick an den PC anschließt, verfügen iPods über ein Firewire- und ein USB-Kabel. Bei den allerneusten Modellen ist das Firewire-Kabel allerdings nicht mehr im Lieferumfang enthalten. Während ältere iPods auch über USB arbeiten, funktionieren die 4G-Geräte ohne Änderung des Kernels nur mit Firewire problemlos. Besitzen Sie einen iPod der neuesten Generation, lohnt sich deshalb die Anschaffung einer Firewire-Karte (ab 30 Euro).

Maxi und Mini

iPods der Generationen 1, 2 und 3 funktionieren in der Regel problemlos unter Linux. Nach dem Anschließen des Gerätes erkennt Linux den iPod als USB-Storage-Gerät. iPods besitzen mindestens zwei Partitionen, wovon eine die Firmware enthält, die andere die Daten. Auf welcher Partition sich die Daten befinden, unterscheidet sich je nach Typ und Formatierung. In der Regel liegen auf /dev/sda1 die Firmware und auf /dev/sda3 (iPod Mini) oder /dev/sda2 (iPod) die Daten.

Der direkte Zugriff auf die MP3-Sammlung ist zwar nach dem Einhängen der Datenpartition über iPod_Control | Music möglich, der iPod spielt aber nur Songs ab, die sich auch in der internen Datenbank befinden. Diese speichert Informationen zu den einzelnen Titeln, zum Beispiel die Bewertung des Liedes, wie oft das Stück gespielt wurde und welchen Playlisten es angehört.

Sie benötigen deshalb eine spezielle Software, um den iPod mit Musik zu füllen. Als grafisches Frontend dazu hat sich Gtkpod [1] etabliert. Es gehört bei den meisten Distributionen zum Standard-Lieferumfang. Den Quellcode der neuesten Version 0.88, die auch den Shuffle unterstützt, finden Sie auf der Heft-CD.

Im Optimalfall schließen Sie den iPod über USB oder Firewire an den PC an, starten dann Gtkpod und wählen anschließend Einlesen/mnt/ipod einhängt, wie dies zum Beispiel Mandrake und Fedora Core tun. Unter Suse Linux müssen Sie zunächst den Mount-Punkt des iPods im Verzeichnis /media ausfindig machen, danach tragen Sie diesen in Gtkpod unter Bearbeiten | Einstellungen | iPod Mount Point von Hand ein. Alternativ legen Sie als root mit dem Befehl

ln -s /mnt/ipod /media/Lange-ID

einen entsprechenden Link an, wobei /media/Lange-ID durch den entsprechenden Mount-Punkt zu ersetzen ist. Den Mount-Punkt /mnt/ipod müssen Sie auch dann wählen, wenn Sie über den KDE-Player Amarok auf den iPod zugreifen wollen. Suse Linux 9.3 mountet iPods standardmäßig nach /media/iPod und stellt auch Amarok auf dieses Verzeichnis ein.

Nach dem Einhängen des iPods sollten Sie unter jeder Distribution im Dateimanager die Verzeichnisse CalendarsContactsiPod_Control und Notes sehen (Abbildung 1). Weitere Ordner können Sie nach Belieben anlegen.

Möchten Sie den iPod wieder aus dem System entfernen, so dass auf dem Display die Meldung "Bitte nicht trennen" verschwindet, müssen Sie den Player über eject /Mountpunkt entfernen, ein normales Aushängen genügt nicht. Hierzu bietet sich ein Skript .gtkpod/gtkpod.out an, das den iPod beim Beenden von Gtkpod automatisch entfernt:

#!/bin/bash
eject /mnt/ipod
Abbildung 1: Ist der iPod richtig eingehängt, zeigt Ihnen Konqueror diese Verzeichnisse an.

iPod mit HFS+

Sehen Sie nach dem Mounten des iPods anstelle der Verzeichnisse CalendarsContactsiPod_Control und Notes fünf Dateien, von denen lediglich die README-Datei lesbar ist, besitzen Sie einen iPod mit dem Dateisystem HFS+.

Damit Suse Linux beim automatischen Mounten eines iPods mit HFS+ das richtige Dateisystem wählt, müssen Sie als Benutzer root die Datei /etc/filesystems bearbeiten. Starten Sie dazu den Editor Kate mit dem Befehl kdesu kate und öffnen Sie im Editor die Datei /etc/filesystems. Ändern Sie den Eintrag hfs nach hfsplus ab, speichern Sie die Datei und schließen Sie den Editor. Nach einem Neustart des Rechners sehen Sie nun die richtigen Verzeichnisse.

Bei anderen Distributionen müssen Sie beim Mounten der Partition die Option -t hfsplus angeben. Dies geht am einfachsten durch ein Skript für Gtkpod. Aktivieren Sie dazu in Gktpod unter Bearbeiten | Einstellungen die Option Mount/Unmount des iPod-Verzeichnisses und legen Sie anschließend in Ihrem Home-Verzeichnis im Ordner .gtkpod/ ein Skript mit dem Dateinamen gtkpod.in und folgendem Inhalt an:

#!/bin/bash
mount -t hfsplus /dev/sda2 /mnt/ipod

Beim Ein- und Aushängen von iPods mit HFS+ ist besondere Vorsicht geboten. Wird der iPod mehrmals nicht sauber ausgehängt, lässt er sich unter Linux nur noch read-only mounten. Es existieren zwar auch unter Linux Tools für den Dateisystem-Check, diese arbeiten allerdings nicht zuverlässig. Bei Problemen mit HFS+-iPods ist deshalb ein Mac unabdingbar.

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