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Fenstermanager JWM

01.06.2005
Konfiguration durch Editieren einer Textdatei und Konzentration auf das Wesentliche: genau das Richtige für Linux-Anwender, die die grafische Oberfläche effizient benutzen wollen und dafür auch zum Editor greifen. Der ressourcenschonende JWM bietet das und noch einiges mehr.

Über eine zu geringe Auswahl an Window Managern kann sich unter Linux wohl niemand beschweren. Installieren Sie eine der großen Distributionen mit den Vorgabeeinstellungen, bekommen Sie KDE oder GNOME als Oberfläche vorgesetzt. Eifrige Leser dieser Rubrik wissen jedoch, dass diese beiden Platzhirsche nicht gerade für den sparsamen Umgang mit CPU- und Speicher-Ressourcen bekannt sind. Auf schwachbrüstigeren Systemen lohnt sich daher die Suche nach einer Alternative:

Eine solche stellt beispielsweise JWM (Joe's Window Manager) [1] dar. Seinen Namen verdankt der Fensterherrscher seinem Entwickler Joe Wingbermuehle. Beim Programmieren von JWM legte er besonderen Wert darauf, dass das Programm nicht von unzähligen Bibliotheken abhängt, sondern sich darauf beschränkt, die des X Window Systems zu nutzen.

Installation

Fertige Pakete des schlanken Fensterherrschers finden Sie nicht. Das Übersetzen aus dem Quellcode gestaltet sich aufgrund der geringen Anforderungen jedoch sehr einfach. Sie benötigen lediglich den Compiler gcc und die Entwicklerpakete der libxpm und der grafischen Oberfläche. Unter Suse Linux 9.2 enthält xorg-x11-devel die Header-Dateien von X. Setzen Sie noch eine Distribution ein, die statt Xorg das XFree86-Paket installiert, finden Sie die Entwicklerdateien im Paket Xfree86-devel.

Entpacken Sie den Quellcode von der Projekt-Homepage oder unserer Heft-CD und wechseln Sie in das dabei entstandene Verzeichnis jwm-0.21. Mit den Befehlen ./configure, make und su -c "make install" übersetzen Sie den Quellcode in ein ausführbares Programm, das der make-install-Aufruf nach /usr/local/bin kopiert.

Am einfachsten gelingt der Start des Window Managers, wenn Sie sich im Textmodus anmelden und mit dem Befehl startx in den grafischen Modus wechseln. Damit Sie dort JWM begrüßt, tragen Sie die Zeile

exec /usr/local/bin/jwm

in die Datei .xinitrc in Ihrem Home-Verzeichnis ein.

Verwenden Sie einen grafischen Login-Manager wie KDM oder GDM, erfahren Sie unter [2] wie Sie JWM in dessen Auswahlmenü integrieren.

Erste Schritte

Für einen ersten Start von JWM sollten Sie zumindest eine eigene Konfigurationsdatei verwenden und dort den Menüeintrag zum Start eines Terminals anpassen. Die systemweite Konfiguration landet bei der Installation im Ordner /usr/local/etc. Kopieren Sie die Datei system.jwmrc unter dem Namen .jwmrc in Ihre Home-Verzeichnis. Öffnen Sie diese Datei in einem Editor und ändern Sie in Zeile 7 den Programmnamen xwsh in den Befehl zum Aufruf Ihres Lieblingterminals, also etwa in xterm oder konsole.

Nach diesen Vorbereitungen können Sie JWM erstmals in der Grundkonfiguration starten (Abbildung 1).

Abbildung 1: So präsentiert sich JWM in der Standardkonfiguration.

Die Anwendung beweist, dass Sie auch bei ressourcenschonenden Programmen nicht auf ein wenig Komfort verzichten müssen. Am unteren Bildschirmrand befindet sich eine Startleiste mit Menü, Pager, einer Anzeige der CPU-Last und einer Uhr. Im mittleren Bereich zeigt JWM später die Liste der gerade laufenden Programme an.

Wenn Sie aus dem Menü den Eintrag Terminal auswählen, startet die zuvor in der Konfigurationdatei eingestellte Applikation. Die Fensterdekoration erinnert stark an FVWM [2]. In der Fensterleiste befinden sich Icons zum Minimieren, Maximieren und Schließen des Fensters sowie ein Symbol ganz links, das bei einem Rechtsklick das Fenstermenü öffnet. Mit dessen Hilfe verschieben Sie ein Fenster auf einen anderen virtuellen Desktop oder bugsieren es auf dem aktuellen in den Hintergrund. Liegt Ihnen die Bedienung per Maus nicht, greifen Sie auf die vordefinierten Tastenkürzel zurück: Diese orientieren sich stark an den KDE-Shortcuts. So wechseln Sie mit [Alt]+[Tab] zwischen den Fenstern des aktuellen Desktops und schließen eine Anwendung mit dem Shortcut [Alt]+[F4].

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