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Überall Sound

Drei USB-Soundkarten im Test

01.06.2005 Immer mehr Notebooks bringen einen Breitbildschirm im Format 16:9 mit, der zum Anschauen von DVD-Filmen geradezu verlockt. Was fehlt, ist hingegen der Support für satten 5.1 Surround-Sound. Den bieten USB-Soundkarten.

Vielleicht wollten Sie auch schon einmal über Ihr Notebook Musik aufnehmen, mussten dann aber erstaunt feststellen, dass dies schlicht deshalb nicht funktioniert, weil der Computer über keinen entsprechenden Eingang verfügt. Manchen älterer Laptop bleibt die Sound-Unterstützung ganz schuldig. In diesem Fall lohnt sich die Anschaffung einer USB-Soundkarte.

Möchten Sie lediglich etwas hören oder über einen Sound-Eingang verfügen, lohnt sich die Anschaffung einer einfachen USB-Soundkarte ab 30 Euro. Für den vollen Filmgenuss oder Doom 3 mit Surround-Sound bietet sich ein Gerät mit Mehrkanal-Unterstützung an. Hier finden Sie Geräte ab 50 Euro. Für Musiker und Sound-Fanatiker offeriert die Industrie auch teurere Modelle für mehrere Hundert Euro. Bei einigen ist jedoch die Funktionalität unter Linux stark eingeschränk.

Einstecken, loslegen

Ihrer USB-Soundkarte Töne zu entlocken, ist nicht schwer: Sie schließen einfach die Soundkarte an den USB-Port ann und warten, bis der Kernel das Modul snd-usb-audio geladen hat. Dieser Vorgang läuft bei den meisten Distributionen automatisch ab. Lädt der Kernel das Modul bei Ihnen nicht selbsttätig, geben Sie als Benutzer root das folgenden Kommando auf der Konsole ein:

modprobe snd-usb-audio

Ob das Laden des Moduls erfolgreich verlaufen ist, überprüfen Sie anschließend mit dem Befehl

lsmod | grep snd

Das Kommando zeigt Ihnen sämtliche geladenen Sound-Module an. Darunter befindet sich, sofern keine Fehler aufgetreten sind, nun auch das USB-Modul befinden. Wenn Sie nun ein Mixerprogramm starten, wie zum Beispiel alsamixer, sollten es Ihre Karte bereits erkennen.Verfügt der Rechner allerdings auch über eine interne, bereits konfigurierte Soundkarte, dann zeigt alsamixer in der Regel diese an. Sie müssen un diesem Fall den Mixer mit

alsamixer -c 1

starten. Welche Karten ALSA erkannt hat, zeigt Ihnen der Befehl aplay -l.

Abbildung 1: Detail aus den Mixereinstellungen des Soundblaster Audigy2 NX im ALSAmixer-Fenster.

Die Bedienung von alsamixer erfolgt über die Pfeiltasten, stummgeschaltete Kanäle geben Sie mit [M] wieder frei. Für erste Tests sollten Sie auf Mixer-Programme wie kmix oder gnome-volume-control verzichten. Diese Programme erkenne einige Kanäle oft nicht richtig und zeigen diese dann auch nicht an. So kann es passieren, dass Sie schlicht deshalb keinen Ton aus Ihrer Karte bekommen, weil der entsprechende Kanal stummgeschaltet und in der Mixer-Anwendung nicht zu sehen ist.

Als ersten Testsound verwenden Sie am besten eine WAV-Datei, da dieses Audio-Format die benötige Sampling-Rate von 48 KHz aufweist. Zum Abspielen eignet sich xmms gut, da sich bei diesem Player das Ausgabegerät grafisch auswählen lässt. Sie finden die entsprechende Option unter Einstellungen | Ausgabe-Plugin | Konfigurieren. Alternativ bietet sich auf der Kommandozeile das Programm aplay an. Über den Befehl

aplay -D hw:1 /opt/kde3/share/s↩
ounds/KDE_Startup_new.wav

spielen Sie unter Suse Linux einen Testsound über das zweite Gerät ab. Bei anderen Distributionen finden Sie die entsprechende Datei im Verzeichnis /usr/share/sounds/. Ist in Ihrem Rechner nur das USB-Gerät vorhanden (aplay -l zeigt nur eine Karte an), ändern Sie die Option hw:1 auf hw:0 oder lassen sie ganz weg.

Nach der erfolgreichen Premiere können Sie auch versuchen, MP3- oder OGG-Dateien abzuspielen. In den meisten Fällen klingt hier der Sound verzerrt, da die beiden Formate eine Sampling-Rate von 44,1 KHz aufweisen. Um dieses Problem zu umgehen, existieren zwei Möglichkeiten:

  • Sie benutzen das Arts-Soundsystem von KDE.
  • Sie stellen den Player ein.

Welche Methode die geeignetere ist, hängt davon ab, welche Musik-Player Sie normalerweise benutzen. Arbeiten Sie sowieso unter KDE, bietet sich die Arts-Lösung an. Starten Sie dazu das KDE-Kontrollzentrum und wählen Sie den Menüpunkt Sound & Multimedia | Sound-System aus. Überprüfen Sie auf dem Reiter Allgemein, ob die Option Soundsystem aktivieren ausgewählt ist. Wenn nicht, kreuzen Sie sie an. Anschließend wechseln Sie auf den Reiter Hardware, markieren dort die Option Benutzerdefinierte Sampling-Rate und stellen diese auf 48 000 Hz ein.

Nach einem Klick auf Anwenden geben nun sämtliche KDE-Anwendungen Ihre Soundausgabe an das KDE-Soundsystem weiter. Arts führt dann das Resampling durch. Auch Xine und MPlayer führen das Resampling automatisch durch, falls Arts läuft. Für Xmms stellen Sie unter Einstellungen als Ausgabe-Plugin aRts Output ein. Unter Suse Linux müssen Sie dazu noch das Paket xmms-kde nachinstallieren.

Ohne Arts-Daemon müssen Sie jedem einzelnen Player die entsprechende Sampling-Rate mitteilen. Bei Xine editieren Sie dazu die Datei ~/.xine/config und suchen nach dem Eintrag #audio.synchronization.force_rate:0. Entfernen Sie zunächst die Raute am Anfang der Zeile, dann tragen Sie als Rate 48000 ein. ALSAplayer lässt sich mit der Option -F 48000 dazu überreden MP3- und OGG-Vorbis-Songs mit 48 kHz abzuspielen. Für MPlayer tragen Sie die Zeile srate=48000 in die Datei ~/.mplayer/config ein.

Eleganter legen Sie die richtige Sampling-Rate über die Konfigurationsdatei von ALSA fest. Legen Sie dazu in Ihrem Home-Verzeichnis die Datei .asoundrc an, wie im Kasten "Sample-Rate ändern" zu sehen. Außer MPlayer spielen sämtliche Player ihre Musik über das Gerät default ab. Der Slave neue-sample-rate sorgt dafür, dass dabei alle Töne mit 48 KHz zur Soundkarte gelangen. MPlayer greift ohne anderslautende Anweisung stets auf die erste Soundkarte zu. Sie müssen das Programm deshalb mit der Option -ao alsa:device=default zwingen, über das default-Gerät abzuspielen.

Sample-Rate ändern

##Dieser Eintrag definiert einen Slave für das
##PCM-Gerät pcm.!default
 {
   type plug
   slave neue-sample-rate
 }
## Hier wird die Aufgabe des Slaves festgelegt
pcm_slave.neue-sample-rate
 {
   pcm "hw:0"
   rate 48000
 }

Besitzen Sie neben der USB-Karte noch eine weitere Soundkarte, müssen Sie in ~/.asoundrc den Eintrag pcm "hw:0" eventuell nach pcm "hw:1" ändern.

Zwei Karten

Das Soundsystem ALSA spricht die zuerst konfigurierte Soundkarte als hw:0 an. Schließen Sie eine externe USB-Soundkarte an, erscheint diese in der Liste der Sound-Geräte als hw:1. Anders sieht es aus, wenn die Soundkarte beim Booten bereits angeschlossen ist. Da Linux das Modul snd-usb-audio vor den restlichen Sound-Modulen lädt, übernimmt dann die USB-Karte die rolle der primären Soundkarte.

Möchten Sie die USB-Karte neben einem bestehenden Board benutzen, erfordert das etwas Handarbeit. Das Soundsystem ALSA spricht die zuerst konfigurierte Soundkarte als hw:0 an. Schließen Sie nun die externe USB-Soundkarte an, erscheint diese in der Liste der Sound-Geräte als hw:1. Anders sieht es aus, wenn die USB-Soundkarte beim Booten bereits angeschlossen ist. Da Linux das Modul snd-usb-audio mit großer Wahrscheinlichkeit vor den restlichen Sound-Modulen lädt, übernimmt dann die USB-Karte die Rolle der primären Soundkarte.

Um die Rollen der zwei Soundkarten genau zu bestimmen, legen Sie folgenden Eintrag in /etc/modprobe.conf oder /etc/modprobe.conf.local an:

alias snd-card-1 snd-usb-audio
options snd-usb-audio index=1

Mit diesen Einstellungen spricht ALSA die USB-Karte stets als zweites Gerät an. Möchten Sie primär das USB-Gerät benutzen, ändern Sie snd-card-1 zu snd-card-0 und index=1 zu index=0. Eine andere Möglichkeit, das primäre Gerät zu bestimmen, bietet wiederum .asoundrc. Ein Beispiel, das die USB-Karte als Standard-Gerät einrichtet, zeigt der Kasten "Beispiel mit 2 Soundkarten".

Beispiel mit 2 Soundkarten

# Der Parameter <card #> legt fest,
# welche Karte das primäre Gerät ist.
pcm.!default {
   type hw
   card 1
}
ctl.!default {
   type hw
   card 1
}
# Die USB-Karte kriegt den Namen <usb-karte>
pcm.usb-karte {
  type hw
  card 1
}
ctl.usb-karte {
        type hw
        card 1
}
# Die interne Karte kriegt den Namen <intern>
pcm.intern {
        type hw
        card 0
}
ctl.intern {
        type hw
        card 0
}
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Infos zum Autor

Marcel Hilzinger

Marcel Hilzinger

Marcel Hilzinger arbeitet als Redakteur für die Zeitschriften LinuxUser und EasyLinux. Am liebsten schreibt er Artikel zu netten Gadgets oder Multimedia-Software. In seiner Freizeit spielt er gerne Kicker.

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LinuxUser 06/2012

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