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Fernsehen konservieren

Digitaler Videorecorder MythTV

Selbst kompilieren

Um MythTV erfolgreich zu übersetzen, müssen libttf, libmp3lame, QT, MySQL und XMLTV sowie deren Entwicklerpakete installiert sein. Das MythTV-Paket befindet sich nebst einiger Abhängigkeiten auf der Heft-CD. Die Installation läuft nach dem Entpacken wie folgt ab:

vim settings.pro
./configure
qmake mythtv.pro
make && su -c 'make install'
mysql -u root -p database/mc.sql

Der erste Schritt ist optional; allerdings sollten Sie auf die Datei settings.pro zumindest mal einen Blick werfen, da sie einige wichtige Einstellungen enthält. Wenn MythTV zum Beispiel Alsa oder DVB nutzen soll, stellen Sie das dort ein. Version 0.18 macht die Bearbeitung der Datei überflüssig, da sich dann das ./configure-Skript um alle Einstellungen kümmert. Wenn XMLTV nicht als fertiges Paket für Ihre Distribution erhältlich ist, müssen Sie auch hier Hand anlegen:

perl Makefile.PL
make && make test && su -c 'make ↩
install'

Es ist nicht nötig, alle Grabber zu installieren, für Deutschland reicht tv_grab_de_tvtoday. MythTV will in Version 0.17 und älter tv_grab_de anstelle von tv_grab_de_tvtoday aufrufen, also müssen Sie mit einem symbolischen Link Abhilfe schaffen:

ln -sf /usr/local/bin/tv_grab↩
_de_tvtoday /usr/local/bin/tv_grab_de

Wenn XMLTV sich während der Installation über fehlende Abhängigkeiten beschwert, installieren Sie diese mit einem perl -MCPAN -e 'install Perl-Modul' nach. Dabei verwenden Sie statt "Perl-Modul" den Namen des Moduls.

Installation bei Fedora

RPMs für Fedora finden sich bei ATrpms [5]. Wem es zu umständlich ist, alle benötigten Pakete von Hand einzuspielen, kann auch apt-get nutzen. Ein

rpm -Uvh http://dl.atrpms.net/other/↩
packages/fedora-3-i386/atrpms/atrpms-↩
kickstart-25-1.rhfc3.at.i386.rpm

gefolgt von einem apt-get update && apt-get dist-upgrade installiert und konfiguriert apt-get. Der Befehl apt-get install mythtv-suite installiert dann MythTV. Die Vorgehensweise für Fedora Core 3 lässt sich auch auf ältere Versionen von Fedora übertragen, da ATrpms für diese Varianten ebenfalls Pakete bereithält. Ein mysql -u root -p < /usr/share/doc/mythtv-0.17/database/mc.sql initialisiert bei konfiguriertem MySQL die Datenbank. Befehl und Pfad zu mc.sql sind gegebenenfalls anzupassen. Jarod Wilson hat dazu eine ausführliche englischsprachige Anleitung verfasst [6].

Suse-Installation

Die im Internet erhältlichen RPMs (zum Beispiel [7]) installieren Sie mit dem Befehl rpm -i. Anschließend starten Sie im Runlevel-Editor den MySQL-Server. Nachdem Sie mit mysqladmin -u root pass Passwort das Passwort gesetzt haben, können Sie die Datenbank mit mysql -u root -p /usr/share/mythtv/database/mc.sql initialisieren.

Vor dem Aufruf des Setup-Programms, setzen Sie für XMLTV einen symbolischen Link ln -sf /usr/bin/tv_grab_de_tvtoday /usr/bin/tv_grab_de. Schließlich passen Sie /etc/sysconfig/mythbackend an und aktivieren mythbackend im Runlevel-Editor von YaST.

Wenn eine analoge Karte zum Einsatz kommt, deren Tonausgang per Kabel mit dem Eingang der Sound-Karte verbunden ist, müssen Sie den Mixer korrekt einstellen. Stellen Sie den Eingang (meist Line-In) als Aufnahmequelle ein und schalten Sie ihn stumm, indem Sie den Lautstärkeregler auf Null stellen (siehe Abbildung 5).

Abbildung 5: Die Mixer-Einstellungen in "kmix".

Das Backend einstellen

Unter Suse startet der Befehl mythsetup das Setup, Fedora-Benutzer tippen mythtvsetup. Bei der Installation aus den Quellen befindet sich das Setup-Programm noch im entpackten Archiv, von wo aus Sie es mit setup/setup aufrufen. Es empfiehlt sich, nach der Sprachwahl das Programm neu zu starten, damit die Einstellung komplett übernommen wird.

Der erste Punkt ist Allgemeines. Hier stellen Sie TV-Norm sowie VBI-Norm auf PAL und die Tabelle der Senderfrequenzen auf europe-west. Das Verzeichnis für Aufnahmen sollte auf einer Partition mit ausreichend Platz liegen. Im zweiten Menüpunkt, TV-Karten, machen Sie MythTV mit der TV-Karte bekannt. Die Standardeinstellung für analoge TV-Karten ist hier V4L. Im dritten Bildschirm namens Videoquellen legen Sie die Quelle für die EPG-Daten fest und stellen als XMLTV-Skript den Wert Germany/Austria ein. Dann fordert das Setup-Programm auf, mit [Alt]+[Tab] in das Terminal-Fenster zu wechseln. Dort konfigurieren Sie, für welche Sender XMLTV EPG-Daten holt. Der vorerst letzte Eintrag ist Verknüpfungen. Hier verbinden Sie den Eingang der TV-Karte (meist Television oder Tuner) mit der im dritten Schritt festgelegten Videoquelle.

Nun ist es an der Zeit, das Setup zu verlassen und mythfilldatabase --manual --preset zu starten. Nachdem MythTV die EPG-Daten abgeholt hat (was einige Zeit dauern kann) stellt mythfilldatabase einige Fragen zu jedem Sender. Bei der channel id handelt es sich um eine eindeutige Nummer, die MythTV dem Sender zuordnet. Der Eintrag channel name repräsentiert den Sendernamen, channel callsign eine Kurzform. Unter der mit channel preset eingestellten Nummer ist der Sender später direkt erreichbar – genau bei bei einem richtigen Fernseher.

Die frequency id legt den Kanal fest, auf dem der Sender im Kabelnetz zu empfangen ist. TV-format und channel icon sollten auf den Standardwerten belassen werden. Da MythTV keinen Sendersuchlauf beherrscht, müssen Sie die frequency id von Ihrem Kabelnetzbetreiber besorgen. Bei Kabel Deutschland, Kabel Baden-Württemberg, iesy (Hessen) und Ish finden Sie diese Informationen auf der Website. Allerdings erwartet MythTV diese Daten unter Umständen in einem anderen Format als dem der Netzbetreiber. So wird zum Beispiel "K05" von Kabel Deutschland für MythTV zu "E5", oder "S09" zu "SE9". Alternativ finden Sie diese Daten auch in einem konfigurierten xawtv.

Das Frontend starten Sie mit mythfrontend. KDE-Nutzer sollten vorher den Sound-Server im Kontrollzentrum oder mit einem killall artsd beenden. Im Frontend nehmen Sie unter VerschiedenesKonfiguration die wichtigsten Einstellungen vor. Die Optionen sind in der Regel selbsterklärend. Im Optionsmenü TVWiedergabe können Sie zur Verbesserung der Bildqualität Deinterlacing einschalten. Die Variante linear blend verbraucht dabei weniger Leistung als kerneldeint – allerdings auch mit schlechterem Ergebnis. Gleiches gilt für die Filter zur Rauschentfernung, die Sie unter Spezielle Filter eintragen: denoise3d bringt bessere Resultate, arbeitet aber langsamer als quickdnr.

Es empfiehlt sich, im Bildschirm On-Screen-Display noch den Browse-Modus nach dem Umschalten einzuschalten. So lässt sich komfortabel beim Fernsehen einsehen, was auf anderen Sendern läuft, ohne zu zappen. Als nächstes konfigurieren Sie die Aufnahmeprofile, die Datenrate und Auflösung des Videos festlegen. Bei Aufnahmen verwendet MythTV das Default-Profil, beim normalen Fernsehen das LiveTV-Profil. Für die Wahl des Codecs gilt: RTjpeg benötigt weniger Ressourcen und ist somit prädestiniert für den Einsatz auf langsameren Systemen, während MPEG-4 kleinere Dateien erzeugt.

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LinuxUser 06/2012

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