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Digitaler Videorecorder MythTV

Fernsehen konservieren

Natürlich läuft die Lieblingssendung immer dann, wenn man nicht zu Hause ist. Wer sie komfortabel aufnehmen möchte, sollte zum digitalen Videorecorder MythTV greifen. Er lässt sich einfach programmieren und entfernt störende Werbeblocks.

Eines Tages hatte Isaac Richards genug von der TV-Hardware seines Kabelnetzbetreibers: Der Programmführer war ein Witz, das Gerät langsam und vollgestopft mit Werbung. Kurzerhand programmierte er eine Software, die Fernsehsendungen komfortabler aufnehmen konnte, und veröffentlichte sie unter dem Namen MythTV (Abbildung 1). Da er sie unter der GPL-Lizenz freigab, profitieren heute auch andere davon. Die Software kombiniert DVD-Player, Spielekonsole, digitalen Videorekorder und Internet-Terminal.

Digitale Rekorder vom Discounter bestechen zwar meist durch geringen Einrichtungsaufwand, lassen sich jedoch kaum an die eigenen Bedürfnisse anpassen. Ein quelloffenes System wie MythTV, das standardisierte Computer-Hardware benutzt, erfordert etwas mehr Zeit für Installation und Konfiguration. Wer diese Hürde nimmt, wird mit einem Videorekorder belohnt, dessen Funktionsvielfalt und Erweiterbarkeit ihresgleichen suchen.

Abbildung 1: Aufnahmen vom Raumschiff Enterprise. Wer träumt nicht davon?

Aufnehmen ohne Werbung

Im Vergleich zu herkömmlichen VHS-Videorekordern bietet ein digitaler Videorekorder höhere Aufnahmekapazität, und das bei besserer Bildqualität. Über den EPG (Electronic Program Guide) (siehe Abbildung 2) lassen sich Aufnahmen komfortabel programmieren. Wird der Platz auf der Platte knapp, kann MythTV Aufnahmen in platzsparende Formate umwandeln – auf Wunsch auch automatisch. Ein intelligenter Planer verhindert Konflikte: etwa wenn mehrere gleichzeitige Aufnahmen gewünscht sind, aber nur eine TV-Karte existiert. Dank der integrierten Werbeblockerkennung lassen sich Aufnahmen auch ohne aufdringliche Produktinformationen genießen. Die Aufteilung in Client- und Server-Applikation macht selbst komplexe Szenarien möglich: zum Beispiel ein lärmender Server mit mehreren TV-Karten, der vom Keller aus leistungsschwächere und somit leisere Computer mit dem TV-Programm versorgt.

Abbildung 2: Der Electronic Program Guide (EPG) bietet eine Übersicht über Sendungen.

Darf es auch etwas mehr sein?

Wem die Funktionalität von MythTV alleine noch nicht ausreicht, der wird bei den zugehörigen Plugins fündig. Dazu gehören beispielweise MythMusic, MythVideo und MythDVD, die sich der digitalen Musik- und Filmesammlung annehmen. Damit während des Musikgenusses die Optik nicht zu kurz kommt, bietet MythMusic Visualisierungen: von der simplen Darstellung des Album-Covers (Abbildung 3) bis hin zu psychedelischen Farbexplosionen im Takt der Musik. MythVideo unterstützt Skripts, die von Websites Informationen und Poster zu vorhandenen Filmdateien holen und so das Blättern in der Videosammlung interessanter und übersichtlicher gestalten. Wenn Sie nicht möchten, dass Ihre Kinder oder Freunde gewisse Perlen Ihrer Sammlung zu Gesicht bekommen, hilft die Jugendschutzfunktion mit einer PIN-Abfrage.

Abbildung 3: Das Plugin MythMusic spielt Musik.

MythDVD spielt Filme direkt von DVD ab, die Archivierungsfunktion des Programms können Sie in Deutschland allerdings nur mit unverschlüsselten DVDs nutzen. MythGame verwandelt den Videorekorder in eine Spielekonsole, die Erinnerungen an NES-, SNES- und Atari-Spiele weckt – vorausgesetzt, Sie besitzen die nötigen ROM-Dateien. Den Wetterbericht inklusive Vorschau sucht MythWeather im Internet und präsentiert ihn auf dem Bildschirm (Abbildung 4). Das Plugin MythPhone macht aus den Internet-Anschluss eine kostenfreie Videotelefonzelle. Drittanbieter [1,2] führen kostenlose Telefonnummern, unter denen MythPhone aus dem Festnetz erreichbar ist. MythNews und MythBrowser verbinden MythTV zum Internet und bringen RSS-Feeds und Websites auf den Bildschirm.

Abbildung 4: MythWeather zeigt: dunkle Regenwolken über Saarbrücken.

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