Spiel's noch mal, Tux!

Audiostreams aus dem Netz aufzeichnen

01.06.2005
Die größte Vielfalt an Radiosendern empfängt man nicht über den UKW-Äther, sondern über das weltweite Netz. Wie aber speichert man DJ-Sets, Live-Konzerte oder Musiksendungen auf der heimischen Festplatte? Hier kommen drei recht einfache Lösungen.

Nicht nur kommerzielle Radiosender erschließen sich seit geraumer Zeit mit Live-Streams neue Zielgruppen über das Internet. Auch Privatpersonen betreiben mittlerweile eigene Radiostationen. Das Webcasting oder Streaming setzt dabei auf unterschiedliche Protokolle. Die zahlreichen Radiostationen auf Shoutcast.com versenden ihre Datenströme im MP3-Format. Die klassischen Radiosender streamen hingegen meist mit Hilfe des RTSP- oder PNM-Protokolls, das der Realplayer versteht, oder über das MMS-Protokoll, das der MPlayer lesen kann. Leider ist das Aufzeichnen der Datenströme nicht umstandslos möglich. Für die drei Formate existieren drei verschiedene Ansätze.

Stream me up!

Am Bequemsten ist die Lösung bei Radiosendern, die im MP3-Format senden. Streamripper [1] unterstützt die Aufnahme von MP3-Streams, wie sie auf Shoutcast.com oder Icecast.org zu finden sind. Mit der grafischen Oberfläche Streamtuner [2] lässt sich die Musik nicht nur aufzeichnen, sondern auch zeitgleich abspielen und äußerst komfortabel verwalten. Die beiden Programme können zudem problemlos über die Paketverwaltungen der Distributionen installiert werden. Fedora-Benutzer müssen für ihre Distribution eventuell das xmms-mp3-Paket [3] nachinstallieren. Fedora Core 3 liefert, ebenso wie Suse 9.3, den MP3-Codec von Haus aus nicht mehr mit.

Abbildung 1: Alle Shoutcast-Stationen auf einen Blick – oder geordnet nach Musikrichtungen. Mit Streamtuner und Streamripper zeichnen Sie äußerst komfortabel MP3-Streams auf.

Nach der Installation von Streamtuner starten Sie die Anwendung gewöhnlich über einen Eintrag im Startmenü. Alternativ tippen Sie einfach streamtuner in die Konsole. Daraufhin öffnet sich die grafische Oberfläche. In der Tab-Leiste sehen Sie verschiedene Einträge. Wenn Sie den SHOUTcast-Tab anwählen, erhalten Sie eine Liste von Radiosendern mit ganz unterschiedlichen Musikrichtungen. Der Doppelklick auf einen Sender öffnet einen MP3-Player wie Xmms, der den Stream abspielt (Abbildung 1). Zum Aufnehmen des Streams reicht ein Klick auf den runden Button Aufnehmen in der Werkzeugleiste. Daraufhin öffnet sich eine Konsole, die den Prozess dokumentiert. Die gespeicherten Titel landen gewöhnlich im Home-Verzeichnis.

Starke Strömung

Schon etwas schwieriger gestaltet sich die Aufnahme von Realaudio-Formaten. Der Realplayer, den es auch für Linux gibt [4], kann diese Formate wiedergeben. Aufnehmen kann man mit ihm jedoch nicht. Das besorgen Vsound und Sox [5].

Abbildung 2: Während Sie mit dem Realplayer Musik hören, schreibt Vsound im Hintergrund den Audiostream des Senders in eine au-Datei. Schließen Sie den Realplayer, konvertiert Sox die Datei ins wav-Format.

Vsound fängt den Output-Stream externer Sound-Programme und speichert ihn mit Hilfe von Sox im wav-Format. Neben diesen beiden Programmen benötigen Sie noch Lame [6], um die wav-Dateien in das MP3-Format zu konvertieren. Bevor Sie nun gleich mit der Installation beginnen, schauen Sie zuvor, ob die benötigten Pakete nicht bereits vorhanden sind. Der Befehl which sox zeigt das. Erscheint keine Pfadangabe, wie beispielsweise /usr/bin/sox, dann installieren Sie Sox und Vsound einfach mit dem Paketmanager. Nun kommt Lame an die Reihe. Die Pakete befinden sich auf der Heft-CD, Sie können sie ebenfalls mit dem Paketmanager installieren. Der Realplayer findet sich im Internet sowohl als RPM als auch im bin-Format zum Download. Er setzt ein installiertes Java Runtime Environment voraus, dessen Existenz Sie mit which java überprüfen können. Notfalls heißt es nachinstallieren. Die bin-Datei richten Sie als Root mit dem Befehl sh ./RealPlayer10GOLD.bin ein.

Kasten1: Wo streamen sie denn?

Streaming-Adressen finden Sie leicht heraus, wenn der Stream direkt in die Webseite eingebettet ist. Klicken Sie mit der rechten Maustaste auf den Link zum Abspielen des Streams und wählen Sie den Eintrag Link-Ziel speichern unter. Die gespeicherte Datei kann mit dem Texteditor kate geöffnet werden und enthält die Adresse des Streams. Deutlich komplizierter wird es, wenn sich ein Popup-Fenster öffnet, in das der Player eingebettet ist. Dann sucht man im Quellcode des Popup-Fensters nach der Adresse. Mitunter muss man innerhalb des Fensters ein Frame isolieren, das die Play-Taste beinhaltet. Das funktioniert bei Mozilla, indem man mit der rechten Maustaste neben die Play-Taste klickt und sich Nur diesen Frame anzeigen lässt. Im HTML-Quelltext des Frames sucht man nach Begriffen wie lsc.redirect, embed src, ra, rm oder smil. Die gefundene Adresse wird dann per wget -O adresse.txt "http://GefundeneAdresse.ra" ausgelesen und in die Datei adresse.txt geschrieben. Mit dem Befehl cat adresse.txt können Sie diese Datei lesen und erhalten die gewünschte Adresse, die meist mit RTSP:// oder MMS:// beginnt.

Der Aufnahmeprozess besteht aus drei Schritten. Zunächst muss die URL der Station herausgefunden werden (Kasten 1). Im zweiten Schritt öffnen Sie die Konsole und tippen folgenden Befehl ein: @LI:vsound -d -t -f test.wav realplay rtsp://Die/Adresse/des/Streams.

Der Realplayer öffnet sich und beginnt den Stream abzuspielen, während Vsound ihn aufzeichnet (Abbildung 2). Die Option -fleitet den abgefangenen Datenstrom in eine Datei namens test.wav um. Die Option -d sorgt dafür, dass Sie den Sound beim Aufzeichnen zugleich anhören können. Wichtig dabei: Erst wenn Sie den Realplayer manuell beenden, startet der Konvertierungsprozess der temporär angelegten au-Datei in das wav-Format. Für die aufgezeichnete wav-Datei sollten Sie zudem genügend Speicher auf Ihrer Festplatte zur Verfügung haben. Im dritten Schritt muss nun das wav-File in eine MP3-Datei verwandelt werden. Die Eingabe von lame test.wav radiostream.mp3 leistet dies.

LinuxCommunity kaufen

Einzelne Ausgabe
 
Abonnements
 

Ähnliche Artikel

  • Audio-Streaming mit GnuMP3d
    Wer seine Musik an entfernten Orten verfügbar machen möchte, findet im Audio-Streaming eine Lösung. GnuMP3d ermöglicht dies auf einfache Weise und bietet ein benutzerfreundliches Web-Interface.
  • Streaming Server mit Videolan
    Videolan schiebt von einem mulimedial aufgemotzen zentralen Linux-Rechner aus alle möglichen Formate ins lokale Netz. Auf den Clients muss nur noch ein Mediaplayer laufen.
  • Das singende klingede Internet
    Beginnt Ihre Musiksammlung langsam, Sie zu langweilen, und wollen Sie nicht viel Geld für neue CDs ausgeben, dann bedienen Sie sich doch aus dem Internet. Nein, das war keine Aufforderung zum illegalen Download von Musik aus den vielen Tauschbörsen. Schalten Sie doch mal das Radio an! Nicht das alte verstaubte Röhrenradio, sondern das im Internet.
  • Augen und Ohren auf - Linux in neuen Dimensionen!
    Video Streaming war lange Zeit eine der Vorzeige-Anwendungen für hohe Bandbreiten, die immer wieder von allen möglichen Seiten herangezogen wurde, um die schöne neue Welt, die xDSL & Co. uns allen bringen würden, zu beschreiben.
  • Internet-Radios mitschneiden
    Viele stolze Besitzer einer Breitband-Internet-Anbindung lauschen im Hintergrund gerne der Musik eines der zahlreichen Internet-Radios. Über die Angebote den Überblick zu behalten, ist aber nicht leicht. Und wie nehme ich das Programm auf, wenn es mir besonders gut gefällt?
Kommentare

Infos zur Publikation

LU 11/2014: VIDEOS BEARBEITEN

Digitale Ausgabe: Preis € 4,95
(inkl. 19% MwSt.)

Mit der Zeitschrift LinuxUser sind Sie als Power-User, Shell-Guru oder Administrator im kleinen Unternehmen monatlich auf dem aktuelle Stand in Sachen Linux und Open Source.

Sie sind sich nicht sicher, ob die Themen Ihnen liegen? Im Probeabo erhalten Sie drei Ausgaben zum reduzierten Preis. Einzelhefte, Abonnements sowie digitale Ausgaben erwerben Sie ganz einfach in unserem Online-Shop.

NEU: DIGITALE AUSGABEN FÜR TABLET & SMARTPHONE

HINWEIS ZU PAYPAL: Die Zahlung ist auch ohne eigenes Paypal-Konto ganz einfach per Kreditkarte oder Lastschrift möglich!       

Tipp der Woche

Schnell Multi-Boot-Medien mit MultiCD erstellen
Schnell Multi-Boot-Medien mit MultiCD erstellen
Tim Schürmann, 24.06.2014 12:40, 0 Kommentare

Wer mehrere nützliche Live-Systeme auf eine DVD brennen möchte, kommt mit den Startmedienerstellern der Distributionen nicht besonders weit: Diese ...

Aktuelle Fragen

Artikelsuche
Erwin Ruitenberg, 09.10.2014 07:51, 1 Antworten
Ich habe seit einige Jahre ein Dugisub LinuxUser. Dann weiß ich das irgendwann ein bestimmtes Art...
Windows 8 startet nur mit externer Festplatte
Anne La, 10.09.2014 17:25, 6 Antworten
Hallo Leute, also, ich bin auf folgendes Problem gestoßen: Ich habe Ubuntu 14.04 auf meiner...
Videoüberwachung mit Zoneminder
Heinz Becker, 10.08.2014 17:57, 0 Antworten
Hallo, ich habe den ZONEMINDER erfolgreich installiert. Das Bild erscheint jedoch nicht,...
internes Wlan und USB-Wlan-Srick
Gerhard Blobner, 04.08.2014 15:20, 2 Antworten
Hallo Linux-Forum: ich bin ein neuer Linux-User (ca. 25 Jahre Windows) und bin von WIN 8 auf Mint...
Server antwortet mit falschem Namen
oin notna, 21.07.2014 19:13, 1 Antworten
Hallo liebe Community, Ich habe mit Apache einen Server aufgesetzt. Soweit, so gut. Im Heimnet...