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Schneiden, scratchen, konvertieren

Audiodateien bearbeiten mit Sweep

01.06.2005 Hört man wirklich geheime Botschaften, wenn man Songs der Stones rückwärts spielt? Finden Sie es mit Sweep heraus. Und nicht nur das: Mischen Sie Effekte in Ihre eigenen Aufnahmen oder kombinieren Sie Tracks.

Allein mit Ihrer Gitarre haben Sie einen Song aufgenommen. Sie finden ihn großartig. Digitalisiert ist er auch schon. Dennoch sind Sie unzufrieden. Irgendetwas fehlt noch. Genau: die Nachbearbeitung – da müssen noch Effekte rein. Zwar gibt es sehr ausgefeilte Sound-Programme auf dem Markt, doch die sind teuer. Und zudem wollen Sie ja Linux nutzen.

Eigentlich kein Problem, denn mit freien Lösungen wie Sweep arbeiten Soundbastler schon seit geraumer Zeit. Der Audio-Editor eignet sich, in Verbindung mit den LADSPA-Plugins, zur Bearbeitung von Audio-Dateien. Sie können Ihre Tracks schneiden, scratchen, konvertieren oder sie mit Echtzeit-Effekten versehen. Scratchen Sie auf Ihrem Audiofile herum, als wär's Vinyl. Sweep funktioniert zudem als Schnitt-Software: Zerlegen Sie eine digitalisierte LP oder eine Sendung aus dem Webradio in die einzelnen Original-Songs, indem Sie einfach die Tracks markieren und ausschneiden.

Zwar ist Sweep ein Multitalent unter den Audioeditoren, allerdings mit einer Einschränkung: Sweep exportiert nicht ins MP3-Format, sondern unterstützt den Ogg-Vorbis-Codec [1]. Das hat lizenzrechtliche Gründe. Das Frauenhofer-Institut hält bekanntlich Rechte am MP3-Kompressionsverfahren und verlangt – bei gewerblicher Nutzung – Geld. Daher kommen Distributionen wie Fedora Core 3 oder Suse 9.3 mittlerweile ohne MP3-Support. Die Distributoren unterstützen das freie und kostenlose Ogg-Format, das MP3 qualitativ ohnehin überholt hat. Verschiedene Player unter Linux spielen das Format – so XMMS, Bleep oder der Helix-Player. Winamp unter Windows unterstützt Ogg ebenfalls. Selbst einige Hardware-MP3-Player sprechen Ogg und werden ihrem Namen nicht mehr ganz gerecht. So gesehen folgt Sweep mit seiner Ogg-Unterstützung einfach dem Trend zu freier Software.

Abbildung 1: Statt auf MP3 setzt Sweep auf den Ogg-Vorbis-Codec, um große Musikdateien zu komprimieren. Im Dialogfeld legen Sie die Kompressionsrate fest.

Vorspiel

Die Installation von Sweep gestaltet sich für die verschiedenen Distributionen recht unproblematisch. Ob Fedora Core 3, Mandrake 10.1, Suse 9.2 oder Debian, Sie installieren die benötigten Dateien einfach über die grafischen Paketmanager Yast, Yum oder Synaptic. Sweep hängt von den Bibliotheken libsnd und libsamplerate ab, die vorher eingespielt werden müssen. Von Haus aus bringt das Programm nur wenige Filter und Plugins mit. Es ist äußerst sinnvoll, die LADSPA-Effekt-Plugins von Steve Harris [2] herunterzuladen und zu kompilieren. Die SWH-Plugins sorgen für die akustischen Spezialeffekte, ohne die Sweep nur halb so viel Spaß macht.

Die Installation unterscheidet sich innerhalb der Distributionen. Im Fall von Suse 9.2 und Debian werden die Plugins aus dem Source-Code kompiliert. Um die Abhängigkeiten zu erfüllen, müssen vorher über den Paketmanager fftw3 sowie fftw3-devel eingespielt werden. Das Devel-Paket zeigte zwar unter Suse 9.2 Abhängigkeitsprobleme an, die Effekte funktionierten dennoch problemlos. Kompilieren Sie die Plugins anschließend auf dem üblichen Weg. Entpacken Sie das Archiv per tar xvzf in ein Unterverzeichnis. Wechseln Sie in dieses Verzeichnis und tippen Sie ./configure ein und anschließend make. Mit dem Kommando make install, das Sie als Root eingeben, schließen Sie den Prozess ab.

Abbildung 2: Sweep bildet Audio-Dateien als Wellen ab. Mit dem Mausrad zoomen Sie in die Welle hinein, den aktuellen Zoomfaktor signalisiert die Titelleiste. Bei 100 Prozent wird die komplette Audio-Datei abgebildet.

Für Nutzer von Fedora Core 3 und Mandrake 10.1 existieren bereits fertige RPM-Pakete. Mandrake-10.1-Nutzer installieren die Pakete libfftw3, dann libfftw3-devel. Schließlich kommt das swh-plugins-RPM an die Reihe. Fedora Core 3 benötigt die Pakete fftw-2.1.5 und swh-plugins. Falls Sie vorhaben, MP3s zu bearbeiten, brauchen Sie natürlich einen entsprechenden MP3-Codec. Da empfehlen sich xmms-mp3, falls Sie den xmms-Player nutzen, oder der Realplayer, der auch MP3s abspielt. Sie finden die passenden Pakete für Ihre Distribution über die Paket-Suchmaschine rpm.pbone.net [3].

Sweep-Basics

Tippen Sie zum Starten sweep in die Konsole ein, und lernen Sie Scrubby kennen. Auf der Webseite wird Scrubby als "pesky little virtual stylus" bezeichnet, als "nervtötende kleine virtuelle Plattennadel". Das Icon erinnert eher an einen grünen Ameisenbären. Scrubby erkundigt sich, ob Sie eine neue Datei anlegen oder eine vorhandene öffnen wollen. Besitzen Sie keine Audio-Datei zum Testen, empfiehlt es sich, eine anzulegen.

Sweep kann mit einer ganzen Reihe von Audio-Formaten umgehen; dazu gehören neben ogg und wav auch aiff, au oder raw. Mit dem Befehl find / - name "*.wav" durchsuchen Sie Ihr Root-Verzeichnis nach wav-Dateien. Häufig enthalten nämlich bereits installierte Programme oder Spiele kleine Audio-Dateien. Kopieren Sie eine dieser wav-Dateien in Ihr Home-Verzeichnis und ändern Sie den Namen in test.wav. In Sweep präsentiert sich die wav-Datei als grafische Darstellung in Form einer Welle. Bevor Sie diese modifizieren, erstellen Sie vorsichtshalber eine Sicherheitskopie. In der Testphase verabschiedete sich Sweep mitunter grußlos. Klicken Sie auf Speichern unter im Menüpunkt Datei.

Abbildung 3: Eine Audio-Datei in der höchsten Vergrößerung. Schnitte lassen sich bis auf die 1000stel Sekunde genau setzen. Die abgebildete Auswahl erzeugt jedoch nur ein sehr unangenehmes Pfeifen.

Wählen Sie als Dateityp ogg. Die Dateiendung müssen Sie manuell ändern, ein Versäumnis der Programmierer. Im nächsten Dialogfeld legen Sie die Qualität der zu exportierenden Datei fest. Null steht für die schlechteste und zehn für die beste Qualität (Abbildung 1). Der Speicherprozess dauert ein paar Sekunden, weil nun das Format der Ausgangsdatei in das ogg-Format konvertiert wird. Eine Anmerkung: Sie können ogg-Dateien auch im Streaming-Format speichern, denn selbst Webradios sprechen mittlerweile Ogg.

Ungewollte Veränderungen an Ihrer Musikdatei machen Sie über den Menüpunkt Bearbeiten problemlos rückgängig. Der Eintrag Bearbeitungsgeschichte anzeigen gibt Ihnen Zugriff auf sämtliche Veränderungen, die Sie bisher an der Datei vorgenommen haben.

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Infos zum Autor

Kristian Kißling

Kristian Kißling

Wenn Kristian Kißling nicht gerade für die LinuxCommunity schreibt, arbeitet er als Redakteur bei der Zeitschrift EasyLinux und als Chefredakteur für den Ubuntu User. Am liebsten beschäftigt er sich mit Multimedia- und Unterhaltungssoftware im weiteren Sinne und mit neuer Open-Source-Software, die überraschende Fähigkeiten zeigt.

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LinuxUser 03/2012

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