Vergleich zu anderen Systemen

Zwar verfolgt gDesklets einen ähnlichen Ansatz wie Superkaramba, Konfabulator oder DesktopX; es bietet jedoch wesentlich mehr Möglichkeiten: Wie bereits erwähnt, kann man kann damit auch komplexe Anwendungen erstellen. Daneben bringt es einige Eigenschaften mit, die die Konkurrenz nicht zu bieten hat.

Dazu zählt beispielsweise Sandboxed Execution. Darunter versteht man, dass ähnlich, wie bei Java-Applets, gDesklets selbst in einer abgeschirmten Umgebung abläuft. Schad-Code kann so nicht nach außen gelangen und das System in Mitleidenschaft ziehen. Ein Zugriff auf das System und andere Bereiche wie z.B. das Internet kann nur über die Controls erfolgen.

Momentan existiert allerdings noch kein Mechanismus, um die Integrität der Controls zu überprüfen. Jedoch sollen in einer der nächsten Versionen die Controls signiert werden. Falls der Benutzer ein unsigniertes Control auf dem System installieren möchte, wird er dann von gDesklets gewarnt.

Auch die Unterstützung für unterschiedlichste Maßeinheiten (Zentimeter, Zoll, Pixel, Punkt, prozentual) hat gDesklets der Konkurrenz voraus. So kann man die Darstellungsbreite eines Textfelds oder Bildes als prozentualer Bruchwert der Desklet-Breite angeben. Dem Autor ist kein vergleichbares System bekannt, das dieses Feature bietet.

Mit der Applet Description Language ADL bringt gDesklets eine XML-basierende Beschreibungssprache zur Festlegung des Aussehens mit. Die Abstützung auf XML macht Erweiterungen der ADL sehr einfach. Zudem öffnet sie die Tür zur Interoperabilität mit anderen Desklet-Umgebungen (Kasten 3).

Kasten 3: Kooperatives gDesklets

Seit Mitte März 2005 arbeiten die adesklets- [11] und gDesklets-Teams daran, die Beschreibungssprache beider Projekte zu vereinheitlichen. Bei gDesklets ist dies XML-Code und wird ADL (Applet Description Language) genannt. Derzeit evaluiert das adesklets-Team eine Adaption der ADL. In Zukunft werden also möglicherweise beide Projekte die gleichen Dateien als Basis ihrer Desklets verwenden. Zusammen mit dem adesklets-Projekt möchte das gDesklets-Team zudem eine Spezifikation für Themes ausarbeiten, die dann in die ADL einfließen soll.

Da das adesklets-Projekt noch relativ jung ist, sollte sich dies einfacher realisieren lassen als bei Superkaramba [12]. Grundsätzlich wäre es jedoch auch denkbar, einen Konverter zu schreiben, der Superkaramba-Themes in Desklets umwandelt. Ob und wann dies geschehen wird, steht jedoch noch nicht fest.

Ausblick

Zu behaupten, gDesklets sei perfekt oder vollständig hinsichtlich seiner Features, wäre vermessen. Dies liegt schon daran, dass Desklet-Entwickler und -Benutzer für einen stetigen Zustrom von Ideen und Anregungen sorgen. Einige davon werden mit Sicherheit in den nächsten gDesklets-Releases umgesetzt.

Dazu zählen unter anderem eine neue Shell und eine Editor für gDesklets. Die aktuelle Shell ist aus der Not heraus entstanden und enthält viele Schwächen. Spätestens mit dem Release 0.40 erscheint eine komplett neu geschriebene Shell mit noch mehr Features und intuitiverer Bedienbarkeit. Für Fortgeschrittene ist es zwar nicht schwer, das Erscheinungsbild von Desklets mit Hilfe von XML zu designen, jedoch soll es Zukunft einfacher werden. Ein Editor hätte den Vorteil, dass sich auch Unerfahrene sich eher an die Entwicklung von eigenen Desklets heranwagen.

Darüber hinaus soll gDesklets bald native Multimedia-Unterstützung erhalten. Es existieren zwar breits Desklets, die auf XMMS aufbauen; jedoch stellen sie nur einen eingeschränkten Funktionsumfang zur Verfügung. Das neue GStreamer-Framework [13] soll diesem Umstand abhelfen und sogar das Abspielen von Videos in gDesklets erlauben.

Allen voran Sun Microsystems ist daran interessiert, dass gDesklets Accessibility-Unterstützung für Benutzer mit eingeschränkten Fähigkeiten erhält. Erste Versuche zur Einführung werden bereits unternommen, jedoch existiert derzeit noch kein konkreter Zeitplan.

Ähnlich wie bei anderen Programmen wird eine der nächsten Versionen (geplant ist dies für 0.35) Desklets beim Start über per Fading ein- und beim Beenden wieder ausblenden. Als weiterer optischer Effekt kommt demnächst die Rotation von Text und anderen Elementen hinzu.

Große Teile von gDesklets sind bereits nach Windows portiert. Dies geschah innerhalb eines Wochenendes, was die hohe Code-Qualität beweist. Einige Probleme harren jedoch noch einer Lösung, da sich die Entwickler in einigen Bereichen der Windows-Programmierung nicht gut genug auskennen. Falls Sie Lust und genügend Erfahrungen haben, hier mitzuwirken, sind Sie herzlich eingeladen, die Portierung abzuschließen: Eine E-Mail [13] an die Entwickler genügt.

Der Autor

Christian Meyer ist Co-Autor von gDesklets und der Vorsitzende des im Oktober 2004 gegründeten GNOME Deutschland e.V. Momentan hilft er außerdem bei der Organisation der diesjährigen GUADEC, die Ende Mai in Stuttgart im Haus der Wirtschaft stattfinden wird. Christian ist auf den meisten größeren und kleineren Linux-Events anzutreffen.

Infos

[1] Informationen zur EWMH-Spezifikation: http://freedesktop.org/wiki/Standards_2fwm_2dspec

[2] Python Homepage: http://www.python.org

[3] Neueste gDesklets Version: http://www.pycage.de/software_gdesklets.html

[4] RPMSeek: http://www.rpmseek.com

[5] SuSE RPMs (usr-local-bin.org): http://usr-local-bin.org/rpms

[6] Dag Wieers Repository: http://dag.wieers.com/home-made/apt

[7] gDesklets Nightly Builds: http://www.gdesklets.org/users/pycage/nightly

[8] X Compositing Manager: http://www.freedesktop.org/Software/xapps

[9] gDesklets Entwicklerhandbuch: http://www.gdesklets.org/develbook

[10] Desklets für gDesklets: http://gdesklets.gnomedesktop.org

[11] adesklets: http://adesklets.sf.net

[12] Superkaramba: http://netdragon.sourceforge.net

[13] GStreamer: http://gstreamer.freedesktop.org

[14] E-Mail der gDesklets-Entwickler: mailto:martin@gdesklets.org und mailto:chrisime@gdesklets.org

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