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Wellenreiter

deskTOPia: xdesktopwaves

01.05.2005 Wenn Sie selbst das phantasievollste Hintergrundbild langweilt, brauchen Sie Abwechslung auf dem Desktop. Mit xdesktopwaves verwandeln Sie die Arbeitsoberfläche in eine Wasserlandschaft, die Sie durch Regen, Sturm oder nur mit einer Mausbewegung aufwühlen.

deskTOPia

Wie Ihr Linux-Desktop aussieht, bestimmen allein Sie. Mit deskTOPia nehmen wir Sie regelmäßig mit auf die Reise ins Land der Window-Manager und Desktop-Umgebungen, stellen Nützliches und Farbenfrohes, Hingucker und hübsches Spielzeug vor.

Ob Meer, Flüsse oder Seen: Wasser zieht jährlich Millionen Urlauber in seinen Bann. Eine Desktop-Variante des nassen Elements hat Oliver Hamann entwickelt. Das Programm xdesktopwaves [1] setzt die Arbeitsoberfläche unter Wasser und reagiert auf Mausbewegungen und das Verschieben von Fenstern mit mehr oder weniger starken Wellen. Damit das auf Dauer nicht zu eintönig wird, kennt das Programm zahlreiche Aufrufparameter, mit denen Sie Effekte wie Regen und Sturm erzeugen oder die Farbe des Wassers ändern. Auf Ihr bevorzugtes Hintergrundbild müssen Sie dabei nicht verzichten – das von xdesktopwaves erzeugte Wasser lässt den Hintergrund durchscheinen.

Selbstgemacht

Sie finden die Anwendung entweder auf der Projekt-Homepage oder auf unserer Heft-CD. Fertige Pakete gibt es nicht, also müssen Sie das Programm aus dem Quelltext übersetzen. Dazu benötigen Sie lediglich den Compiler gcc und das Entwicklerpaket des grafischen Systems. Es trägt bei vielen Distributionen den Namen XFree86-devel oder xorg-devel. Entpacken Sie das Archiv xdesktopwaves-1.3.tar.gz und wechseln Sie in den dabei entstandenen Ordner xdesktopwaves-1.3. Mit dem Kommando make übersetzen Sie die Software. Der als root aufgerufene Befehl make install kopiert die Programmdatei nach /usr/X11R6/bin und die Manpage in den Ordner /usr/X11R6/man/man1.

Hätten Sie die Anwendung lieber im Verzeichnis /usr/local, passen Sie vor der Installation in der Datei Makefile die mit BINDIR und MAN1DIR beginnenden Zeilen an:

BINDIR  = /usr/local/bin
MAN1DIR = /usr/local/man/man1

Alternativ besteht die Möglichkeit, das Programm mit dem Befehl ./xdesktopwaves direkt aus dem Quellcode-Verzeichnis zu starten.

Land unter

xdesktopwaves zeichnet die Wellen in ein Fenster, das es über das Root Window legt. Unter KDE gelingt das nicht auf Anhieb, da die Desktop-Umgebung ebenfalls ein weiteres Fenster über das Root Window stülpt und es damit verdeckt. Um die KDE-Arbeitsfläche trotzdem unter Wasser zu setzen, aktivieren Sie im Kontrollzentrum die Option ArbeitsflächeVerhaltenProgramme im Arbeitsflächenfenster unterstützen (Abbildung 1).

Abbildung 1

Abbildung 1: In diesem Dialog bereiten Sie KDE auf den Einsatz von "xdesktopwaves" vor.

Das Kommando xdesktopwaves startet das Programm in der Standardeinstellung (Abbildung 2). Dabei benutzt es das erste von insgesamt 10 vordefinierten Farbschemata und zeichnet Wellen von mittlerer Qualität. Die Anwendung kennt zehn Qualitätsstufen, die bestimmen, wie realistisch die Wellen aussehen, die Sie durch Maus- oder Fensterbewegungen aufwirbeln. Der höchste Wert zeichnet sehr realistische Wasserbewegungen. Der Preis dafür ist jedoch eine selbst auf modernen Rechnern hohe CPU-Belastung. Sie sehen den Unterschied der verschiedenen Qualitätsstufen, wenn Sie das Programm über xdesktopwaves -q 0 zunächst mit der niedrigsten und danach über xdesktopwaves -q 9 mit der höchsten Qualitätsstufe starten.

Die vordefinierten Farbschemata wählen Sie mit Hilfe des Parameters -c gefolgt von einem Wert von 0 bis 9 aus. Während xdesktopwaves -c 1 tiefblaues Wasser erzeugt, erscheint der Desktop-Hintergrund nach dem Aufruf von xdesktopwaves -c 6 wie ein karibisch grünes Gewässer. Einen besonders schönen Effekt erreichen Sie mit dem Parameter -c 5, der die Arbeitsoberfläche in kristallklares Nass taucht. Mit -c 8 hingegen erzeugen Sie eine tiefrote Brühe, die eher an einen Chemieunfall als an den letzten Sommerurlaub erinnert.

Abbildung 2

Abbildung 2: Mit Maus- oder Fensterbewegungen erzeugen Sie Wellen auf dem Desktop.

Finetuning

Sagt Ihnen keines der Farbschemata zu, bestimmen Sie selbst, wie sich das Programm zeigt: Zum Einstellen der Farbe dienen die Parameter -wc, -sc und -lc jeweils gefolgt von einem Farbnamen. Gültige Namen erfahren Sie mit dem Kommando showrgb | less. Es listet alle Farbnamen zusammen mit dem jeweiligen RGB-Wert auf. Der Farbname hinter -wc legt die Farbe des Wassers fest, mit -sc definieren Sie die Farbe der Himmels- und -lc bestimmt die Farbe der Lichtreflektion. Die letzten beiden Farben sehen Sie erst, sobald Sie mit einer Mausbewegung Wellen erzeugen. Um ein wenig mit den Parametern herumzuspielen, bietet es sich an, xdesktopwaves nicht im Hintergrundmodus, sondern in einem eigenen Fenster zu starten. Das erreichen Sie mit dem Aufrufparameter -w.

Beim Test von Farbeffekten erweist sich manchmal der durchscheinende Desktop-Hintergrund als störend. Dem helfen Sie mit dem Parameter -o ab, der die Transparenz des Wassers deaktiviert. CPU-Zeit sparen Sie, indem Sie dem Programmaufruf ein -i (für idle) mitgeben. Dann benötigt das Programm keine Rechenzeit, wenn sich auf dem Desktop nichts bewegt.

Selbst die Ereignisse, die Wellen erzeugen, beeinflussen Sie mit Aufrufparametern. So deaktiviert -nwm die von Mausbewegungen erzeugten Wellen, -nww sorgt dagegen für ruhige See, wenn Sie ein Fenster verschieben.

Möchten Sie das Programm nicht jedes Mal mit einem Druck auf [Strg]+[C] in der Konsole beenden, aus der Sie es gestartet haben, verwenden Sie stattdessen den Befehl xdesktopwaves -e.

Sturmwarnung

Wirkt das stille Wasser allzu beruhigend auf Sie, bringen Sie mit dem Parameter -st gefolgt von einer Zahl von 1 bis 10 Bewegung ins Spiel. Damit erzeugen Sie leichten Wind (1) oder gar einen taifunartigen Sturm (10), der das Wasser entsprechend seiner Stärke aufwühlt. Einen Regeneffekt erhalten Sie mit -rn, ebenfalls gefolgt von einem Wert von 1 bis 10. Während es nach dem Kommando xdesktopwaves -rn 2 gerade einmal leicht tröpfelt, prasselt nach dem Aufruf mit -rn 10 ein virtueller Wolkenbruch auf den Desktop hernieder. Die beiden Parameter lassen sich kombinieren: Besonders schöne Effekte liefert etwa xdesktopwaves -rn 10 -st 6 (Abbildung 3).

Abbildung 3

Abbildung 3: Mit den Parametern "-rn" und "-st" lassen Sie es regnen und stürmen.

Wer bewegte Hintergründe mag, ist bei xdesktopwaves genau richtig. Da das Programm nicht direkt ins Root Window zeichnet, können Sie es sogar mit anderen Hintergrundapplikationen wie xpenguins [2] kombinieren. Eine noch idealere Ergänzung zum kühlen Nass stellt xfishtank [3] dar, das den Desktop in ein Aquarium verwandelt.

Glossar

Root Window

Die Mutter aller Fenster. Es präsentiert sich ohne Rahmen und lässt sich nicht verschieben. Unter den meisten Fenstermanagern stellt das Root Window den Desktop-Hintergrund dar. KDE legt ein weiteres Fenster des Programms kdesktop über das Root Window. Wenn Sie dieses Programm beenden, zeigt KDE keine Desktop-Symbole an.

RGB-Wert

Die drei Zahlen R,G,B stellen den Rot-, Grün- und Blauanteil einer Farbe dar. So steht der Wert 100 0 0 für rot, 0 100 0 ergibt dagegen Grün.

Infos

[1] xdesktopwaves: http://xdesktopwaves.sourceforge.net/

[2] Andrea Müller: "Antarktische Invasion aus Helsinki", LinuxUser 09/2003, S. 68 f.

[3] xfishtank:http://www.tuxfinder.com/packages?defaultname=xfishtank

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