Teil 1: Installation in 12 Schritten

Aus LinuxUser 05/2005

Teil 1: Installation in 12 Schritten

Gentoo leicht gemacht

Gentoo Linux bietet Maßgeschneidertes statt Ware von der Stange. Die clevere Distribution lässt sich optimal an den Rechner und die Bedürfnisse des Benutzers anpassen. Unsere zweiteilige Serie führt Sie durch Installation, Konfiguration und Wartung.

Serie: Gentoo Linux

Teil 1: Installation in 12 Schritten https://www.linux-community.de/artikel/7629

Teil 2: Systemwartung mit Portage https://www.linux-community.de/artikel/7630

Gentoo Linux assoziieren viele Anwender mit “schwierig zu installieren”, “ein System für Freaks” oder “einsteigerfeindlich”. Zwar treffen diese Vorurteile zu einem gewissen Grad durchaus zu – dennoch lohnt sich auch für den Linux-Neuling ein Blick auf die noch junge Distribution. Unsere zweiteilige Artikelserie soll dazu beitragen, die Angst vor Gentoo [1] abzubauen und eine Motivation für das Erforschen dieser vielseitigen Distribution bieten.

Im ersten Teil unserer Serie beschäftigen wir uns mit den Grundlagen von Gentoo und legen dabei den Schwerpunkt auf die Installation, die sich von der anderer Distributionen deutlich unterscheidet. Der zweite Teil wird vor allem auf Wartung und Nutzung eines Gentoo-Systems eingehen.

Eigenheiten von Gentoo

Gentoo lässt sich zwar wie andere Distributionen auch aus fertig kompilierten Paketen installieren; typischerweise wird es jedoch direkt aus dem Quellcode “gebaut”. Dies bietet den großen Vorteil, dass Sie das System perfekt an ihre eigenen Bedürfnisse anpassen können. Daher bezeichnet man Gentoo oft auch als Meta-Distribution. Nicht nur die Systemeinrichtung, sondern auch die Installation neuer Programme läuft im Normalfall etwas anders ab als unter einer der populären Distributionen.

Vor dem Überblick über die Installation seien kurz einige Vor- und Nachteile von Gentoo angeführt. Einen der Vorzüge haben wir schon kurz anklingen lassen: Der Benutzer hat die Macht über das System. In der Anfangszeit von Linux war es für den Benutzer selbstverständlich, das eigene System zu erforschen, Konfigurationsdateien zu editieren und in Foren nach Lösungen zu suchen. Grafische Installationsassistenten und zentrale Systemverwaltungstools (wie z.B. Yast unter Suse Linux) machen Installation, Konfiguration und Wartung eines Linux Systems zwar heute deutlich einfacher, gleichzeitig aber auch die zugrunde liegenden Vorgänge undurchsichtiger. Gentoo bringt hier wieder Transparenz ins Spiel.

Natürlich hat diese Flexibilität auch ihren Preis. So sollte sich niemand, der sich mit Gentoo auseinander setzen möchte, vor dem Lesen von umfangreicher Dokumentation scheuen oder Angst davor haben, seine Konfigurationsdateien per Texteditor zu bearbeiten. In der Praxis stellen sich diese vermeintlichen Nachteile aber meist als nicht wirklich hinderlich für ein flüssiges Arbeiten mit dem System heraus.

Installations-Stages

Die Installation von Gentoo Linux beginnt mit dem Download einer entsprechenden Live-CD als CD-Image. Für die aktuelle Version 2005.0 stehen 2 verschiedene Installationsmedien zur Auswahl: Minimal-Image und Universal-Image. Das Universal-Image verwenden Sie nur dann, wenn Sie nicht das gesamte System selbst kompilieren, sondern gewisse Teile vorkompiliert übernehmen möchten. Die eigentliche Installation erfolgt mit Hilfe dreier, so genannter Stages (Stadien). Von welchem Stage Sie starten, hängt davon ab, wieviel Sie selber kompilieren bzw. wieviel Sie vorkompiliert verwenden möchten.

Stage 1 bietet Ihnen die gesamte Palette an Optimierungsmöglichkeiten für Ihr System, die Installation dauert jedoch entsprechend lang. Bei einer Stage-2-Installation stehen weniger Optimierungsmöglichkeiten zur Verfügung, die Installation läuft jedoch wesentlich zügiger ab. Damit bietet Stage 2 einen guten Mittelweg zwischen Optimierung und Geschwindigkeit. Stage 3 stellt die schnellste Methode dar, um Gentoo zu installieren. Sie müssen hier jedoch die Voreinstellungen für die Optimierung des Basissystems übernehmen. Des weiteren stellt Stage 3 die Voraussetzung dafür dar, vorkompilierte Pakete für die Installation zu verwenden. Wir gehen im Folgenden davon aus, dass Sie das Minimal-Image für die weitere Installation benutzen und von einem Stage 1 ausgehen.

Die Live-CD dient einzig und allein dazu, ihr System zu booten, die Hardware zu erkennen und eine Netzwerkverbindung herzustellen. Für einen optimalen Überblick unterteilen wir die Installation in 12 Punkte.

Start der Installation

Laden Sie das Minimal-Image von [1] herunter, brennen Sie die entsprechende CD (etwa mit Hilfe von k3b) und booten Sie ihr System mit diesem Datenträger.

Netzwerk konfigurieren

Nachdem dem Booten erscheint eine Eingabeaufforderung. Sie sind automatisch als root eingeloggt und können nun die Netzwerkeinstellungen konfigurieren. Befindet sich Ihr Rechner in einem Netz mit DHCP-Server, nimmt Gentoo meist alle Einstellungen automatisch richtig vor.

Beim Booten vom Minimal-Image landen Sie nach Eingabe der gewünschten Tastaturbelegung als "root" direkt am Bootprompt.

Beim Booten vom Minimal-Image landen Sie nach Eingabe der gewünschten Tastaturbelegung als “root” direkt am Bootprompt.

Überprüfen Sie durch Eingabe von ping -c 3 www.google.de, ob Sie mit dem Internet verbunden sind. Besteht noch keine Netzwerkverbindung, müssen Sie mit net-setup (mit Angabe Ihrer Netzwerkschnittstelle) bzw. adsl-setup (für ADSL-Verbindungen) Ihr Netzwerk konfigurieren. Gentoo lässt sich bei Bedarf auch via WLAN installieren; hier sei aber auf die Online-Dokumentation [2] verwiesen.

Festplatte vorbereiten

Als nächstes richten Sie auf der Festplatte die notwendigen Partitionen für Gentoo ein. Wir nehmen im Folgenden an, dass die Festplatte die Bezeichnung /dev/hda trägt. Mit dem Befehl fdisk /dev/hda starten Sie das notwendige Tool. Nun können Sie sich mit p die aktuelle Partitionstabelle anzeigen lassen oder mit d sämtliche Partitionen auf der Festplatte löschen. Erstellen Sie nun eine Bootpartition durch Eingabe von n und anschließendem p. Geben Sie der Partition jetzt die Nummer 1 und weisen Sie ihr eine Größe zu (z.B. 32M für 32 MB). Als nächstes legen Sie eine Swap-Partition an. Dazu treffen Sie der Reihe nach folgende Eingaben (die Sie jeweils durch die Eingabetaste bestätigen): n, 2, +512M, t, 2, 82. Eine Root-Partition erstellen Sie durch Eingabe von p und 3. Bei der Angabe der Größe bestätigen Sie die Vorgaben wieder durch Drücken der Eingabetaste (so dass die Root-Partition den gesamten freien Platz auf der Festplatte belegt). Abschließend speichern Sie die Partitionstabelle durch Drücken von [W].

Formatieren

Nun formatieren Sie die neu erstellten Partitionen mit einem Dateisystem ihrer Wahl, beispielsweise mit den Befehlen mke2fs /dev/hda1 (Boot-Partition als ext2) und mke2fs -j /dev/hda3 (Root-Partition als ext3). Anschließend erstellen und aktivieren Sie die Swap-Partition durch mkswap /dev/hda2 und swapon /dev/hda2. Mit mount /dev/hda3 /mnt/gentoo, mkdir /mnt/gentoo/boot und mount /dev/hda1 /mnt/gentoo/boot hängen Sie die erstellten Partitionen in das Dateisystem ein.

Archive downloaden

Jetzt wechseln Sie mit cd /mnt/gentoo zum Gentoo-Mountpoint und starten durch Aufruf von links2 http://www.gentoo.org die Auswahl eines Spiegel-Servers. Eine Liste der Mirrors finden Sie in der linken Navigationsleiste unter Resources: | Download Mirrors.

Auf dem gewählten Spiegel-Server wechseln Sie in das Verzeichnis releases/x86/2005.0/stages/x86. Hier wählen Sie das Stage-1-Archiv aus und laden es durch Drücken von [D] herunter. Anschließend wechseln Sie in das Verzeichnis snapshots und laden dort das aktuellste Portage-Archiv – bei Redaktionsschluß war das portage-20050331.tar.bz2 – herunter.

Stage 1 und Portage

Entpacken Sie nun das Stage-Archiv mit tar -xvjpf stage?-*.tar.bz2. Wichtig ist hier insbesondere die Option -p, damit tar beim Auspacken die Zugriffsberechtigungen der Dateien erhält. Als nächstes ist der Portage-Zweig an der Reihe, den Sie mittels des Befehls tar -xvjpf portage-20041022.tar.bz2 -C /mnt/gentoo/usr in das entsprechende Verzeichnis extrahieren.

Compiler-Optionen

Wie eingangs erwähnt, bietet Gentoo umfangreiche Möglichkeiten zur Optimierung des Systems. Wir wollen die diversen Optionen nur streifen und verweisen für eine detaillierte Beschreibung auf die Online-Dokumentation [2]. Um die Anpassungen vorzunehmen, öffnen Sie durch Eingabe von: nano -w /mnt/gentoo/etc/make.conf die Datei make.conf. Sie beinhaltet – vereinfacht ausgedrückt – sämtliche Optionen für die Optimierung Ihres Systems.

Die Variable CHOST gibt den Prozessortyp an, etwa i686-pc-linux-gnu oder x86_64-pc-linux-gnu (für einen AMD64). Die Variablen CFLAGS und CXXFLAGS definieren die Optimierungen für den C- und C++-Compiler. Eine mögliche Einstellung für einen AMD AthlonXP wäre etwa:

CFLAGS="-march=athlon-xp -pipe -O2"
CXXFLAGS="${CFLAGS}"

Des Weiteren können Sie mit MAKEOPTS angeben, über wie viele Prozessoren Ihr System verfügt. Für ein Single-CPU-System geben Sie MAKEOPTS="-j2" an.

Basissystem installieren

Vor der Compilierung des Basissystems müssen Sie noch einen geeigneten Spiegelserver für den Download der notwendigen Pakete auswählen. Dies erledigen Sie durch den folgenden Befehl automatisch:

mirrorselect -a -s4 -o | grep 'GENTOO_MIRRORS=' >> /mnt/gentoo/etc/make.conf

Anschließend benötigt das System Informationen über das DNS, und es gilt das Proc-Dateisystem zu mounten:

cp -L /etc/resolv.conf /mnt/gentoo/etc/resolv.conf
mount -t proc none /mnt/gentoo/proc

Nun können Sie die neue Umgebung betreten und den Portage-Zweig aktualisieren. Dazu verwenden Sie die Befehle:

chroot /mnt/gentoo /bin/bash
env-update
source /etc/profile
emerge -sync

Anschließend nehmen Sie mit Hilfe der Variablen USE – sie enthält allgemeine Optionen zur Kompiliereung – weitere Anpassungen vor. Öffnen Sie dazu wieder die Datei make.conf. Die Use-Variable für ein KDE-basiertes System könnte folgendermaßen aussehen:

USE="-gtk -gnome qt kde dvd alsa cdr"
Nun kompilieren Sie mit der folgenden Befehlsfolge das Gentoo-Basissystem:
cd /usr/portage
scripts/bootstrap.sh
emerge system

Kernel konfigurieren

Auf die Feinheiten der Kernelkonfiguration eingehen, würde den Rahmen unserer kleinen Serie deutlich sprengen. Daher wollen wir nur den prinzipiellen Weg aufzeigen, wie Sie den Kernel unter Gentoo konfigurieren, kompilieren und installieren.

Zunächst laden Sie die aktuellen Kernel-Quellen mit Hilfe des Befehls emerge gentoo-sources herunter. Neben dieser typischen Variante existieren auch noch andere Kernelquellen, wie etwa gentoo-dev-sources oder vanilla-sources.

Mit Hilfe von cd /usr/src/Kernelquelle und make menuconfig nehmen Sie die eigentliche Konfiguration vor. Statt “Kernelquelle” geben Sie dabei die verwendete Kernelquelle an. Anschließend können Sie den Kernel kompilieren und installieren:

make && make modules_install
cp arch/i386/boot/bzImage /boot/Kernelquelle
cp System.map /boot/System.map-Kernelquelle

Konfigurieren des Systems

Bevor Sie Ihr System verwenden können, stehen noch zwei Konfigurationsaufgaben aus. Zum einen müssen Sie ihre Partitionen über die /etc/fstab einbinden. Zum anderen gilt es, die Netzwerkverbindung zu konfigurieren. Da es sich bei beiden Punkten nicht um Gentoo-spezifische Einstellungen handelt, sei auch hier auf weiterführende Literatur verwiesen, wie beispielsweise [4].

Bootloader installieren

Nun müssen Sie noch dafür sorgen, dass beim Starten des Systems der Kernel geladen wird. Diese Aufgabe übernimmt der Bootloader, in unserem Fall Grub [5]. Sie kompilieren ihn mit dem Kommando emerge grub und nehmen anschließend die Konfiguration und Installation vor:

nano -w /boot/grub/grub.conf
cp /proc/mounts /etc/mtab
grub-install --root-directory=/boot /dev/hda

Rebooten des Systems

Damit haben Sie alle notwendigen Schritte vorgenommen, um Ihr System das erste Mal zu starten. Führen Sie dazu folgende Befehle aus:

exit
cd
umount /mnt/gentoo/boot /mnt/gentoo/proc /mnt/gentoo
reboot

Anschließend sollte Ihr System sauber booten und Sie können sich als root einloggen. Die Installation ihres Gentoo-Basissystems ist nun abgeschlossen. Weitere Pakete (wie z.B. KDE, OpenOffice.org,…) spielen Sie ganz einfach mit Hilfe des zentralen Software-Management-Tools Portage ein. Dies werden wir im nachfolgenden Abschnitt kurz kennenlernen und im zweiten Teil unserer Mini-Serie näher beleuchten.

Wartung des Systems

Als zentrales Schaltstelle für sämtliche Aufgaben des Software-Managements dient unter Gentoo Linux das Tool Portage. Es bietet eine unglaubliche Fülle an Optionen und wird nicht zu unrecht in vielen Kreisen als bestes Software-Management-Tool für Linux angesehen.

Wenn wir von Programmen reden, die für Gentoo verfügbar sind, meinen wir solche, die im Portage-Zweig enthalten sind. Solche Programme heißen im Gentoo-Jargon auch Ebuilds. Ein Ebuild beinhaltet sämtliche Informationen, welche Portage braucht, um das betreffende Programm zu betreuen (Downloadzweig, Version,…). Diese Ebuilds liegen auf Ihrem System in /usr/portage. Dessen Inhalt unterliegt mit dem Erscheinen neuer Programmversionen einer ständigen Veränderung. Deshalb sollte Sie vor der Arbeit mit Portage stets eine Aktualisierung des Zweiges vornehmen. Dazu dient der Befehl emerge --sync.

Anschließend spielen Sie zum Beispiel ein neues Programm mit emerge Programmname ein (etwa emerge kde), zum Deinstallieren dient der Befehl emerge unmerge Programmname. Suchen Sie im Portage-Zweig eine bestimmte Software, erledigen Sie dies mit emerge search Programmname. Die Ausgabe listet die neueste verfügbare Version des Programms in Ihrem Portage-Zweig sowie Informationen über die auf ihrem System installierte Programmversion auf (Abbildung 2).

Abbildung 2: Ausgabe der Suchfunktion von "emerge".

Abbildung 2: Ausgabe der Suchfunktion von “emerge”.

Alternativ können Sie zur Suche nach Programmen auch das entsprechende Web-Interface (Abbildung 3) auf der Gentoo-Projektseite verwenden. Es gibt Auskunft über sämtliche Entwicklungsstadien eines Projekts von masked (Entwicklungsversion) über testing (in der Testphase) bis zu stable (Programm ist stabil). Zusätzlich finden Sie hier nützliche Links zum jeweiligen Programm (Projektseite, Lizenz, etc.).

Abbildung 3: Suche nach Programmen über das Web-Interface der Gentoo-Projektseite.

Abbildung 3: Suche nach Programmen über das Web-Interface der Gentoo-Projektseite.

Ausblick

Im zweiten Teil unserer Mini-Serie werden wir näher auf die Nutzung einer Gentoo-Installation sowie auf die Verwendung von Portage zur Systemwartung eingehen. Da es unmöglich ist, sämtliche Details der Installation und Wartung von Gentoo in einem zweiteiligen Artikel abzuhandeln, möchten wir noch einmal auf die ausgezeichnete Dokumentation des Gentoo-Projekts [1] verweisen. Alternativ finden Sie auch in den zahlreichen Gentoo-Foren im Netz [3] Unterstützung. (jlu)

Der Autor

Dipl.-Ing. Dr.techn. Reiterer Alexander arbeitet an der Technischen Universität Wien als Universitätsassistent. Sie erreichen Ihn unter der E-Mail-Adresse alexander.reiterer@tuwien.ac.at.

Infos

[1] Gentoo-Homepage: http://www.gentoo.org, [März 2005].

[2] Gentoo-Dokumentation: http://www.gentoo.org/doc/de, [März 2005].

[3] Gentoo-Forum: http://forums.gentoo.org, [März 2005].

[4] Kofler, Michael: “Linux – Installation, Konfiguration und Anwendung”, Addison-Wesley Verlag, 7. Auflage, 2004.

[5] Grub: http://www.gnu.org/software/grub

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