KDE 3.4 im Überblick

Neues Getriebe

Wieder einmal dreht sich das Zahnrad von KDE um einen Zacken. Die Entwickler gaben zur Cebit das Release der Version 3.4 heraus. Dieser Artikel stellt Ihnen die interessantesten Neuerungen der Desktop-Umgebung vor und zeigt, wie Sie sie nutzen.

Beim Ankündigen einer neuen Softwareversion versprechen die Hersteller meistens, alles sei jetzt besser, schneller und schöner. Oft trifft diese Aussage aber nur bei den Kunden zu, die sich gleichzeitig auch einen neuen Rechner mit doppelt so schnellem Prozessor, dreifachem Speicher und TFT-Bildschirm kaufen.

Auch an KDE haftete lange das Image, die grafische Arbeitsumgebung sei zwar schön, aber zu speicherhungrig und zu träge. In Version 3.4 scheint den Entwicklern in dieser Hinsicht das Feintuning gelungen zu sein. Nach dem Start von KDE 3.4, einer Konsole und Kmail zeigt der Systemmonitor unter Suse Linux 9.3 lediglich einen Speicherverbrauch von 83 MByte an. Die Arbeitsumgebung macht eine frischen und flotten Eindruck.

Am Aussehen von KDE hat sich mit Version 3.4 nicht viel verändert. Größere Umstellungen sind hier erst im nächsten KDE zu erwarten, das auf dem kommenden QT4 beruhen wird. Immerhin bietet die Desktop Umgebung jetzt auch Einstellungsmöglichkeiten für die Schatten- und Transparenzfunktionen von Xorg. Dazu ist lediglich folgender Eintrag in der Konfigurationsdatei /etc/X11/xorg.conf nötig:

Section "Extensions"
Option "Composite" "Enable"
EndSection

Nach einem Neustart des X-Servers wechseln Sie im KDE-Kontrollzentrum unter Arbeitsfläche | Fenstereigenschaften auf den Reiter Transparenz und markieren die Option Transparenz/Schatten. Je nach Grafikkarte und CPU müssen Sie allerdings damit rechnen, dass KDE damit sehr an Performance verliert. Auf [1] finden Sie im Abschnitt "Spezielle Hinweise" zusätzliche Tipps für ATI- und Nvidia-Grafikkarten, die die Darstellung beschleunigen.

Konqueror

Die meisten Änderungen und Verbesserungen betreffen den Internet-Browser und Datei-Manager Konqueror. Starten Sie das Programm als Browser, erscheint eine neue Übersichtsseite, die Links zu folgenden Bereichen enthält (siehe Abbildung 1):

  • Persönlicher Ordner
  • Netzwerkordner
  • Programme
  • Speichermedium
  • Mülleimer
  • Einstellungen
Abbildung 1: Die neue Startseite von Konqueror enthält auch für alte Hasen viele neue Informationen.

Hinter jedem Link verbirgt sich ein Kio-Slave. Der persönliche Ordner ruft die Adresse file:/home/Benutzername auf, hinter Netzwerkordner verbirgt sich ein Link zur URL remote:/ und Programme zeigt auf applications:/. Beim Anklicken von Speichermedium öffnet Konqueror die Adresse media:/, der Mülleimer zeigt auf trash:/ und Einstellungen öffnet die URL settings:/.

Sollten Sie die Startseite von Konqueror aus Versehen geändert haben, bringt Sie die URL about:/ wieder zu ihr zurück. Eine Liste sämtlicher vom KDE-Browser unterstützten Kio-Slaves finden Sie in Konqueror unter Einstellungen | Konqueror einrichten | Vorschauen und Metadaten.

Die meisten dieser Kio-Slaves existierten bereits in früheren KDE-Versionen. Vollständig neu sind lediglich die Adressen media:/ und remote:/. Erstere ersetzt das bisherige devices:/ respektive drives:/ (unter Suse Linux) durch ein modernes System, das auf HAL – dem Hardware Abstraction Layer – und D-Bus aufbaut. Lesen Sie dazu auch den Artikel "Neun Punkt Drei" in der Rubrik "Im Test" (Seite 84). Die URL remote:/ ersetzt den bisherigen Lan-Browser. Neu finden Sie hier auch ein Modul, um ohne weitgehende Konfiguration Ordner ins lokale Netzwerk zu stellen und nach freigegebenen Ordnern zu browsen. Klicken Sie dazu auf den Eintrag Netzwerk-Dienste oder öffnen Sie die URL zeroconf:/.

Um selbst einen Ordner freizugeben, stellt KDE ein separates Panel-Applet zur Verfügung. Klicken Sie mit der rechten Maustaste auf die KDE-Startleiste und wählen Sie den Eintrag Zur Kontrollleiste hinzufügen | Miniprogramm | Öffentlicher Dateiserver aus. Über das neue Applet markieren Sie nun einen Ordner zur Freigabe. Diesen Ordner listet Konqueror dann unter der Adresse zeroconf:/ auf. Tests unter Suse Linux 9.3 zeigten aber etliche Mängel bei diesem neuen Feature:

  • Entgegen den Möglichkeiten von Zeroconf muss das Netzwerk bereits vollständig eingerichtet sein.
  • Konqueror findet zwar die freigegebenen Ordner, kann Sie aber nicht öffnen.
  • Bei einem Wechsel des Rechnernamens, löscht der Browser die Einträge im Cache nicht, und versucht ständig auf den alten Rechner zuzugreifen.

Inwieweit es sich dabei um einen Fehler in Suse 9.3 handelt, ließ sich bis zum Redaktionsschluss nicht herausfinden. Die Vorteile dieser neuen Methode halten sich somit in Grenzen. Einen freigegebenen Samba-Ordner findet Konqueror über smb:/ genauso einfach, dieser lässt sich dann auch öffnen.

KMail & Co.

Zahlreiche Verbesserungen und Zuwachs erhielt auch Kontact, die Personal Information Management Suite. Sie bringt jetzt nebst dem E-Mail-Client KMail, dem Kalender KOrganizer, KPilot, KNotes und dem KDE-Adressbuch auch ein Tagebuch, einen News-Reader und ein Multisync-Plugin mit. Weiter wurde die Liste der unterstützten Groupware-Lösungen deutlich erweitert. Kontakt arbeitet nun mit dem Kolab-Server, OpenGroupware, Novell GroupWise, dem Suse Linux Openexchange Server und Exchange-2000-Servern zusammen. Die entsprechenden Einstellungen finden Sie im KDE-Kontrollzentrum unter KDE-Komponenten | KDE-Ressourcen.

Ein nettes Feature haben die KDE-Entwickler in KMail implementiert. Der Mailer zeigt nun nicht nur diverse Emoticons als Grafik an, sondern ist auch in der Lage, im Header ein schwarzweißes Bild von 48x48 Punkten zu platzieren (siehe Abbildung 2).

Abbildung 2: KMail versendet nun auch ein kleines Bild im Header von E-Mails.

Wählen Sie dazu in KMail oder Kontact den Menüpunkt Einstellungen | KMail einrichten | Identitäten. Hier markieren Sie die gewünschte Identität und klicken auf Ändern. Auf dem Reiter Bild aktivieren Sie die Option Bild mit jeder Nachricht versenden und klicken anschließend auf Datei auswählen, um eine Grafik auszuwählen. KMail wandelt dann das Bild automatisch ins richtige Format um.

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