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Im Olymp des Datentauschs

File-Sharing mit Apollon und GiFT

01.05.2005 Vom Anbieter selbst gibt es für die beliebte Internet-Tauschbörse Kazaa nur Windows-Software. Doch unter Linux unterstützt ein freies Projekt das verwendete Protokoll ebenfalls.

Peer-to-Peer-Netzwerke (P2P) kommen ohne Server aus, da die Clients deren Funktion miterledigen: Die Nutzer laden Dateien von anderen herunter und bieten zugleich eigene an. Dieses Prinzip heißt File-Sharing. Es eignet sich wunderbar für Tauschbörsen aller Art und findet diesbezüglich rege Verwendung.

Kazaa & Co.

Die Internet-Tauschbörse Kazaa [1] verfügt über die meisten Nutzer und das breiteste Angebot. Ihrer großen Beliebtheit erfreut sie sich jedoch bislang hauptsächlich unter Windows-Anwendern. Das liegt möglicherweise an der großen Verbreitung illegaler Kopien teurer Software, für die die meisten Linux-Nutzer keine Verwendung finden. Darüber hinaus erschwert Kazaa der Linux-Gemeinde die Teilnahme, da es seine Zugangssoftware nur für das Microsoft-Betriebssystem bereitstellt.

Das GiFT-Projekt [2] jedoch bietet auch unter Linux die Möglichkeit, am weltweiten Datentausch teilzunehmen. Es implementiert das von Kazaa verwendete Fasttrack-Protokoll und unterstützt zudem die Tauschbörse Gnutella [3]. Außerdem bietet es mit OpenFasttrack eine eigene Alternative zu Kazaa. Ein weiteres Plugins gibt es für das Netzwerk Ares [4]; die GiFT-Homepage beschreibt darüber hinaus die Plugins für Napster [5], Soulseek [6] und E-Donkey [7] als noch nicht oder mit der aktuellen Version nicht mehr funktionstüchtig. Kasten 1 beschreibt, wie Sie Plugins nachträglich installieren.

Kasten 1: GiFT-Plugins nachinstallieren

Die Installation weiterer Plugins geschieht stets auf die gleiche Weise. Nach dem Entpacken des Quelltextarchivs kompilieren Sie diesen mit ./configure && make && make install – die in Tabelle 1 beschriebenen Entwicklerpakete reichen zum Übersetzen. Die neue Programmbibliothek landet daraufhin im Verzeichnis /usr/local/lib/giFT/. In Apollon öffnen Sie nun das Dialogfenster Settings | Configure Apollon... und wählen den Reiter Advanced. Der Button Add... ruft ein Dateiauswahlfenster auf, in der Sie ins Verzeichnis /usr/local/lib/giFT/ navigieren und das neue Plugin auswählen.

Bei GiFT handelt es sich nicht um ein Client-Programm, sondern um einen im Hintergrund laufenden Daemon. Er verbindet sich beim Start mit den P2P-Netzwerken und bietet lokalen Programmen eine Schnittstelle. Das KDE-Programm Apollon [8] nutzt den GiFT-Daemon und bietet eine grafische Oberfläche zur Kommunikation mit den Tauschbörsen.

Installation

Das eigens zu diesem Zweck geschriebene Programm Arkollon installiert die grafische Oberfläche Apollon sowie GiFT inklusive der Plugins für Fasttrack, Gnutella und OpenFasttrack. Starten Sie den Installer von der Heft-CD mit sh apollon-installer-0.7.run. Da Arkollon die Quelltexte enthält und kompiliert, benötigen Sie dafür eine KDE-Entwicklungsumgebung. Die vorausgesetzten Pakete führt Tabelle 1 auf; bei den RPM-basierten Distributionen können die Paketnamen leicht variieren.

Tabelle 1: Benötigte Pakete

RPM

Debian

zlib-devel

zlib1g-dev

libtool

libltdl3-dev

db-devel

libdb4.2-dev

libmagic-devel

libmagic-dev

libvorbis-devel

libvorbis-dev

imagemagick-devel

libmagick-dev

qt3-devel

libqt3-mt-dev

qt3-devel-tools

qt3-dev-tools

kdelibs3-devel

kdelibs4-dev

Arkollon fragt zunächst nach dem Root-Passwort und entpackt, kompiliert und installiert dann die von Ihnen ausgewählten Programme (Abbildung 1). Verwenden Sie Ubuntu ohne Root-Passwort, umgehen Sie die Abfrage, indem Sie vor dem Installer-Startbefehl sudo hinzufügen und Ihr Passwort angeben. Nach Abschluss der Installation genügt der Aufruf von apollon; der grafische Client startet den GiFT-Daemon selbständig. Beim ersten Start wählen Sie, unter welchem Usernamen Sie sich in den P2P-Netzen zu erkennen geben möchten, und welche Verzeichnisse auf Ihrer Festplatte anderen Benutzern zur Verfügung stehen sollen.

Abbildung 1: Arkollon installiert Apollon automatisch.

Wollen Sie Apollon und GiFT eines Tages wieder loswerden, erledigt das ebenfalls Arkollon. Der Befehl arkollon --uninstall lässt alle installierten Dateien wieder verschwinden.

Beim Apollon-Start landen Sie zunächst im Unterfenster Info (Abbildung 2), das Ihnen den Verbindungsstatus der einzelnen P2P-Netzwerke verrät. Nach dem Herstellen der Verbindung wechseln Sie ins Search-Fenster (Abbildung 3); dort durchsuchen Sie alle Netze nach beliebigen Suchbegriffen. Daraufhin füllt sich der darunter liegende Bereich nach und nach mit einer Liste der Treffer. Sie zeigt zu jedem Eintrag den Dateinamen nebst weiterer Daten wie Größe oder beispielsweise Länge und Interpret von Liedern. Des Weiteren verrät die Spalte Availability, wieviele Teilnehmer diese Datei anbieten; viele so genannte Slots erhöhen die Download-Geschwindigkeit.

Abbildung 2: Mehrere Millionen Benutzer weltweit bieten Dateien zum Tausch an.

Abbildung 3: Beinahe jeder Suchbegriff liefert zahlreiche Treffer.

Ein Doppelklick auf eine beliebige Datei startet den Download. Das Fenster Transfer bietet eine Übersicht über alle laufenden Downloads. Im unteren Bereich Uploads erfahren Sie zudem, was andere Benutzer momentan aus Ihrem Datenbestand kopieren.

Lieder aus Ihrer Sammlung lassen sich auch direkt unter Apollon abspielen. Dazu wechseln Sie ins Unterfenster Shared Folders und klappen das Verzeichnis auf, das das entsprechende Lied enthält. Ein Doppelklick auf einen Eintrag startet die Wiedergabe, die Sie unter Player bedienen.

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LinuxUser 06/2012

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