Mehr Frontends

Für Potrace existiert die grafische Oberfläche Potrace-GUI [11], die das Eingeben der Parameter vereinfacht und das Ergebnis der Vektorisierung anzeigt (Abbildung 4). Neben dem angestammten Potrace unterstützt das Frontend auch das oben vorstellte Autotrace. Um Potrace-GUI zu kompilieren, benötigen Sie die Qt- und einige KDE-Bibliotheken.

Abbildung 4: Das Frontend Potrace-GUI zeigt das Ergebnis der Vektorisierung. Es kann neben Potrace auch den Konkurrenten Autotrace steuern.

Potrace-GUI ist durchaus brauchbar, weist aber einige kleine Fehler auf. So zeigt es zwar das Originalbild und das Vektorgegenstück, erlaubt aber aus unerfindlichen Gründen oft nicht mehr zu scrollen.

Wer auf seinem Rechner Java installiert hat, kann auf ein weiteres Frontend zurückgreifen, das Potrace und Autotrace unterstützt: Delineate bringt alle nötigen Bibliotheken mit, sodass außer dem Entpacken keine weitere Installation anfällt. Sie wechseln nur in das Unterverzeichnis delineate/0.5 und geben dem mitgelieferten Shell-Skript Ausführungsrechte: chmod +x delineate.sh. Wenn Sie dann noch die Umgebungsvariable JAVA_HOME mit dem Ort der Java-Installation belegen (zum Beispiel export JAVA_HOME=/usr/java/j2sdk1.4.2_02), können Sie das Skript ausführen.

Wollen Sie zum ersten Mal ein Bild vektorisieren, fragt Delineate nach dem Ort der Vektorisierungsprogramme, die Sie im folgenden Dateidialog auswählen – es findet sie nicht selbst. Haben Sie aus Versehen die falsche Datei ausgesucht, gibt es keine Möglichkeit, diese Einstellung in der GUI wieder zu ändern. Stattdessen müssen Sie den entsprechenden Eintrag in der Datei settings/settings.prop anpassen oder löschen.

Das herausragende Feature von Delineate ist, dass es jeweils das Ergebnis der letzten und der aktuellen Vektorisierung anzeigt. Das ermöglicht, die vielen Parameter einzustellen, und die Ergebnisse im direkten Vergleich zu begutachten (Abbildung 5).

Abbildung 5: Delineate arbeitet mit Potrace und Autotrace. Hier zeigt es das Ergebnis von zwei Durchläufen mit Autotrace, angewandt auf ein Farbbild.

Auch Delinate enthält einige Bugs. So funktionierte im Test die Zoom-Funktion nicht, was vor allem für sehr große Bilder recht unpraktisch ist. In einem anderen Fall blieb das Programm wegen Speichermangels mit einer Java-Fehlermeldung hängen.

Am besten zusammen

Beide Kommandozeilenprogramme zur Vektorisierung haben ihre Vorzüge und Nachteile: Autotrace beherrscht farbige Bilder, mehr Formate und ist etwas bedienungsfreundlicher; Potrace liefert im allgemeinen bessere Ergebnisse und wird noch aktiv entwickelt. Außerdem vektorisiert Potrace wesentlich schneller als Autotrace, das zudem bei der Berechnung mehr Speicher verbraucht – häufig soviel, dass es bei großen Bildern abstürzt.

Ähnlich verhält es sich mit den grafischen Frontends. Frontline unterstützt nur Autotrace, blendet aber die Vektorlinien in das Originalbild ein. Delineate ist als Java-Programm leicht zu installieren, bringt eine sinnvolle Vorschaufunktion mit, weist aber einige Bugs auf. Auch beim Konkurrenten Potrace-GUI macht die Vorschau einige Schwierigkeiten, es ordnet aber die vielen Parameter übersichtlich.

In der Praxis bewährt sich eine Kombination der Tools und GUIs. Da sie alle auch die Parameter der darunter liegenden Kommandozeilenprogramme anzeigen, eignen sie sich hervorragend dazu, deren komplexe Parameter zu erforschen.

Infos

[1] Das Grafikformat SVG – Struktur und Praxis, Linux-Magazin 11/04, S. 90

[2] Autotrace: http://autotrace.sourceforge.net

[3] Imagemagick: http://www.imagemagick.org

[4] pstoedit: http://www.pstoedit.net

[5] Inkscape: http://www.inkscape.org

[6] Sodipodi: http://www.sodipodi.com

[7] Xfig: http://www.xfig.org

[8] Potrace: http://potrace.sourceforge.net

[9] PNM-Formate: http://www-lehre.informatik.uni-osnabrueck.de/~cg/2000/skript/10_2_PBM_PGM_.html

[10] Mkbitmap-Beispiele http://potrace.sourceforge.net/mkbitmap.html

[11] Potracegui: http://potracegui.sourceforge.net

[12] Delineate: http://delineate.sourceforge.net

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