Experimentierfeld

Werden Sie schnell unruhig, wenn nichts passiert, sollten Sie die Option -report-progress wählen, die den Fortschritt des Programms dokumentiert. Vor allem bei großen Bildern benötigt Autotrace einige Zeit für die Vektorisierung – und einiges an Speicher. Es kann durchaus vorkommen, dass Ihnen der Speicher ganz ausgeht und Autotrace abstürzt. In diesem Fall sollten Sie es mit einer verkleinerten Version des Originals versuchen.

Mit dem Autotrace-Parameter -corner-threshold beeinflussen sie die Ausprägung der Ecken: hohe Werte führen zu eckigeren Konturen, niedrige runden sie eher ab. Die vorgestellten und alle übrigen Parameter sind in der Manpage dokumentiert.

Wem die manuelle Eingabe auf der Kommmandozeile zu mühsam ist, der kann auf ein grafischen Frontend namens Frontline zurückgreifen. Um es zu kompilieren benötigen Sie unter anderem die Entwicklungsbibliotheken von Gnome, Gtk und LibArts. Außerdem verwendet es die Autotrace-Bibliothek, die sich normalerweise schon auf Ihrem System befindet, wenn Sie das Programm aus den Sourcen kompiliert haben. Debian-Benutzer müssen dazu das Paket libautotrace-dev installieren.

Mit den Autotrace-Optionen zu experimentieren, kann Ihnen auch das Frontend nicht ersparen. Es liefert aber immerhin gleich eine Ansicht des Ergebnisses und macht so das interaktive Erforschen einfacher. Haben Sie mit dem Button Auswählen ein Bild geladen, starten Sie mit Trace die Vektorisierung. Frontline blendet die Vektorlinien in das Ausgangsbild ein. Um das Bild auszublenden und nur noch die Linienzüge zu sehen, klicken Sie im Vorschaufenster neben Image auf den Button Show (Abbildung 3).

Verschieben Sie die Regler, bis das Ergebnis Ihren Wünschen entspricht. Um das Vektorformat zu speichern, klicken Sie auf das Bild. Es öffnet sich ein Dateimenü, in dem Sie den Dateinamen und das Ausgabeformat (EPS, SVG, …) wählen.

Abbildung 3: Die grafische Oberfläche Frontline blendet das Ergebnis der Vektorisierung in das Originalbild ein.

Potrace in schwarz und weiß

Eine leistungsfähige Alternative zu Autotrace stellt das ebenfalls textorientierte Potrace dar, das von Programmautor Peter Selinger weiter aktiv entwickelt wird [8]. Im Gegensatz zu Autotrace beherrscht es nur Bilder in den Portable-Anymap-Formaten: PPM (Farbe) und PBM (schwarz-weiß) sowie PGM (Graustufen) [9]. Um das Ausgangsbild in eines dieser Formate zu wandeln, verwenden Sie Gimp oder, wie oben beschrieben, das Kommandozeilenprogramm convert mit den entsprechenden Dateieendungen .pbm, .ppm und .pgm.

Rufen Sie Potrace nur mit dem Eingabebild auf, schreibt es eine Ausgabedatei im EPS-Format mit dem gleichen Grunddateinamen wie das Original, aber der Endung .eps. Alternativ erlaubt der Parameter -o, einen Namen anzugeben. Das Ausgabeformat SVG stellen Sie mit dem Schalter -s ein.

Auch bei Potrace enthalten unbearbeitete Vorlagen im allgemeinen störende Flecken. Der Kommandozeilenschalter, um sie zu entfernen heißt --turdsize oder kurz -t. Je größer dieser Wert, desto mehr Flecken löscht das Programm.

Die besten Ergebnisse liefert Potrace mit schwarz-weißen Vorlagen, die deutlich erkennbare Konturen aufweisen. Deshalb empfiehlt es sich, das Ausgangsbild vorher mit Gimp zu bearbeiten und bei der Umwandlung in ein Schwarz-Weiß-Bild mit verschiedenen Werten zu experimentieren. Zusätzlich hilft das im Potrace-Paket mitgelieferte mkbitmap. Es wendet einen so genannten Hochpass-Filter auf das Bild an, der Helligkeitsunterschiede in großen Flächen, zum Beispiel im Hintergrund, eliminiert. Stattdessen erhält es feine Details, also üblicherweise die Konturen eines Gegenstands. Der wichtigste Parameter -f bestimmt den Grad der Filterung. Eine Dokumentationsseite auf der Potrace-Homepage gibt ein verständliches Beispiel für die Anwendung des Programms [10].

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