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Vom Punkt zur glatten Kurve

Bitmap- in Vektorgrafiken unwandeln

01.05.2005 Wer glatte Linien kantigen Pixeln vorzieht, findet in Vektorbildern die passende Ausdrucksform. Dahin führen von der eingescannten Vorlage verschlungene Wege. Wir stellen Programme vor, die die Vektorisierung übernehmen und dabei optisch ansprechende Ergebnisse liefern.

Obwohl die meisten Bilder im Computerbereich als Bitmaps gespeichert sind, gibt es viele Anwendungen für Vektorformate – und es werden immer mehr. In der Vergangenheit waren sie vor allem fürs Drucken interessant, weil Drucker über eine höhere Auflösung verfügen als Bildschirme. Auch auf aktuellen Desktops werden Vektorformate immer wichtiger, denn moderne Computer können sie in Echtzeit in die Darstellung auf dem Bildschirm umrechnen. So beherrschen sowohl Gnome als auch KDE das SVG-Format [1]. Damit müssen Icons nicht in verschiedenen Größen gespeichert sein, sondern lassen sich ohne Qualitätsverlust in jeder Größe anzeigen.

Bitmap- und Vektorformat

Liegt das geliebte Bild aber nur als Bitmap vor, steht man vor dem Problem der Umwandlung ins andere Format, dem so genannten Vektorisieren. Auf dem kommerziellen Windows-Markt übernehmen das Programme wie Adobe Streamline oder Corel Trace. Auch in diesem Bereich hat die freie Software-Community Alternativen geschaffen, die ähnlich leistungsfähig sind, aber durchaus ihre Tücken haben.

Bei Autotrace [2] handelt es sich um ein Kommandozeilenprogramm, das ein Pixelformat liest und in ein Vektorbild umrechnet. Die Installation gestaltet sich recht einfach. Nach dem Herunterladen und Auspacken des Pakets konfigurieren Sie es mit ./configure. Es folgen make und make install. Es empfiehlt sich allerdings, sich etwas näher mit den verfügbaren Configure-Optionen zu beschäftigen (configure --help), sonst lässt sich Autotrace zwar übersetzen und installieren, es unterstützt aber dann zum Beispiel weniger Bildformate.

Sofern die entsprechenden Entwicklungspakete vorhanden sind, verwendet es Imagemagick [3] und pstoedit [4] zur Umwandlung von Bildern respektive zur flexiblen Postscript-Ausgabe. Um die Eingabeformate zu erfahren, die Autotrace beherrscht, verwenden Sie den Schalter -list-input-formats, für die Ausgabeformate -list-output-formats.

Im einfachsten Fall rufen Sie Autotrace mit der Bitmap-Eingabedatei als Parameter auf. Es schreibt dann die vektorisierte Datei als EPS (Encapsulated Poscript) auf die Standardausgabe. Alternativ geben Sie mit dem Schalter -o gleich eine Ausgabedatei an: autotrace -o ausgabe.eps eingabe.png.

In diesem Beispiel dient ein Bild im PNG-Format als Ausgangsdatei zur Vektorisierung. Besitzt Ihre Datei ein anderes, von Autotrace nicht unterstütztes Format, wandeln Sie es zum Beispiel mit Gimp oder auf der Kommandozeile mit convert aus dem Imagemagick-Paket um: convert meinbild.jpg meinbild.png.

Der Umwandler erkennt anhand der Dateierweiterung .png das gewünschte Ausgabeformat. Bei der Gelegenheit können Sie mit dem Schalter -geometry gleich die Größe anpassen, zum Beispiel convert -geometry 640x480 meinbild.jpg meinbild.png.

Flecken entfernen

Vermutlich sind Sie mit dem Ergebnis des ersten Autotrace-Laufs nicht ganz zufrieden. Wenn Sie nicht eine wirklich augezeichnete Vorlage verwendet haben, wird das Ergebnis wohl viele Flecken zeigen (Abbildung 1).

Abbildung 1: Das Bild eines Windrads mit Autotrace vektorisiert: Es weist viele störende Flecken auf.

Hier hat der Programmautor Martin Weber vorgesorgt und mit -despeckle-level einen Schalter eingebaut, der den Fleckfilter einschaltet und einstellen lässt. Je kleiner der von 1 bis 20 reichende Wert ausfällt, desto weniger Flecken entfernt Autotrace. Die besten Ergebnisse erzielten wir im Test mit recht großen Werten, meistens sogar nur mit dem Maximalwert (Abbildung 2).

Abbildung 2: Mit einem "Despeckle-Level" von 20 entfernt Autotrace alle Flecken, das Bild wird glatt.

Prinzipiell fällt es schwer, Angaben über die "besten" Werte zur Vektorisierung zu machen, denn sie hängen stark von der Vorlage und dem gewünschten Ergebnis ab. So ist es fast unmöglich, in ein und demselben Bild gleichzeitig unerwünschte Details zu eliminieren, aber zum Beispiel feine Muster oder Schrift zu erhalten. Hier hilft es, die feineren Elemente aus dem Bitmap zu kopieren, zu vergrößern und mit anderen Einstellungen zu vektorisieren als die groben Teile. Danach fügen Sie beide Teile in einem Vektorzeichenprogramm wie Inkscape [5], Sodipodi [6] oder dem guten alten XFig [7] wieder zusammen. Glauben Sie aber nicht, dass Linux hier mal wieder den kommerziellen Vorbildern unterliegt: Diese Probleme teilt es im wesentlichen mit Adobe Streamline und Corel Trace.

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LinuxUser 06/2012

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