Eigene Umlaute

Der Befehl fontforge startet das Programm, das zuerst ein Dateiauswahlfenster zeigt. Dort beginnen Sie mit dem Button Neu die Arbeit an einem neuen Font oder wählen eine schon existierende Schriftendatei auf der Festplatte. Wollen Sie Systemschriften bearbeiten, sollten Sie diese vorher in Ihr Home-Verzeichnis kopieren.

Als Beispiel dient die von [2] heruntergeladene Schrift AcidBath. Nach dem Laden stellt Fontforge in einem Fenster die Zeichentabelle dar (Abbildung 2). Sie zeigt für jedes Zeichen den numerischen Code und, sofern Fontforge bekannt, ein Beispielzeichen. Darunter ist etwas größer das Schriftbild dieses Zeichens im jeweiligen Font zu sehen. Der Beispiel-Font enthält zwar die ASCII-Zeichen, aber keine Umlaute.

Abbildung 2: Fontforge zeigt die Zeichentabelle des geladenen Schriftsatzes. Tooltips zeigen für jedes Zeichen den Dezimal- und Hexadezimalcode, den Unicode-Codepoint das Zeichen und das Encoding.

Vom Schriftbild entsprechen die deutschen Umlaute (ä, ö, ü) den entsprechenden Vokalen (a, o, u) mit zwei Punkten darüber, die oft auch als eigenes Zeichen existieren. Prinzipiell gibt es zwei Möglichkeiten, wie ein Programm oder ein Drucker einen solchen Umlaut darstellt: aus den beiden Grundzeichen zusammengesetzt oder beide Anteile schon in einem Zeichen vereint (pre-composed). In vielen fremden Sprachen (zum Beispiel Arabisch) ist es praktisch unmöglich, alle Kombinationsmöglichkeiten schon abzudecken. Deshalb spielen Regeln zur Zusammensetzung dort eine größere Rolle. Im Deutschen bietet es sich an, die wenigen Zeichen in den Schriftsatz aufzunehmen und sie eventuell noch individuell zu gestalten.

Tabelle 1: Kodierung von Umlauten

Zeichen Hex-Code Dezimal Name
Ä 0x00C4 196 Adieresis
Ö 0x00D6 214 Odieresis
Ü 0x00DC 220 Udieresis
ä 0x00E4 228 adieresis
ö 0x00F6 246 odieresis
ü 0x00FC 252 udieresis
ß 0x00DF 223 germandbls

Kurven zeich(n)en

Ein Doppelklick auf ein Zeichen öffnet ein Fenster, das dessen exakten Umrisse zeigt, die Sie dort auch verändern können. Mit den verschiedenen Werkzeugen der Tool-Leiste setzen Sie Kontrollpunkte für die Kurven, aus denen sich eine geschlossene Umrisslinie zusammensetzt. Abbildung 3 erklärt kurz die Funktion der Werkzeuge.

Abbildung 3: Die Tool-Leiste von Fontforge bietete Werkzeuge zum Setzen von Kontrollpunkten.

Die verschiedenen Fontsysteme wie TrueType füllen per Default das Innere eines solchen Umrisses aus. Umschließt ein Umriss einen anderen, bestimmt die Richtung der Kurve, welcher Bereich auszufüllen ist. Außenlinien sollen stets im Uhrzeigersinn gezeichnet werden. Achten Sie also beim Zeichnen Ihrer Schrift auf die richtige Richtung. Mit dem Menüpunkt ElementeCorrect Direction überprüft Fontforge die Richtung und korrigiert sie gegebenenfalls. Direkt eben diesem Menüpunkt finden sich auch die beiden Schalter Clockwise (Uhrzeigersinn) und Counter Clockwise, die die Orientierung der Kurve festlegen. Um diese Funktionen zu nutzen, müssen die Kontrollpunkte der jeweiligen Kurve markiert (gelb) sein.

An den Kontrollpunkten befinden sich zwei Linien, die jeweils die Krümmung der Kurve nach einer Seite hin bestimmen. Je länger die Linie, desto weniger stark ist die Kurve gekrümmt. Eckpunkte legen fest, wo zwei Linien nicht abgerundet aufeinander treffen, an Tangentenpunkten stoßen ein Bogen und eine gerade Linie zusammen.

Den Grundbuchstaben des Umlauts kopieren Sie sich von seinem Gegenstück. Das geht sogar direkt in der Tabellensicht, über die rechte Maustaste. Nun stellt sich die Frage, welche Stelle der neue Umlaut in der Zeichentabelle einnehmen soll. Die Antwort darauf hängt vom verwendeten Zeichen-Encoding ab (siehe Kasten "Character-Encoding").

Character-Encoding

Das Zeichen- oder englisch Character-Encoding legt fest, wie einzelne Bytes in Dateien einem Zeichen zugeordnet werden. Ein bekanntes Beispiel ist der ASCII-Code. Hier steht eine Zahl (ein Byte-Wert) einfach für ein Zeichen, zum Beispiel 97 für das "a", 98 für das "b" und so fort. ASCII kennt keine Umlaute. Deshalb verwenden viele Linux-Computer hierzulande ISO 8859-1 [3], auch bekannt als Latin-1. Die Erweiterung ISO 8859-15 bringt noch das Euro-Zeichen hinzu. In Zukunft soll Unicode die Probleme mit verschiedenen Encodings lösen: Mehrere Bytes stehen für ein Zeichen, sodass sich damit die Zeichen aller Weltsprachen kodieren lassen [4].

In Unicode/UTF-8 und ISO8859-1/Latin-1 besitzen die deutschen Umlaute praktischerweise die gleichen Codewerte (siehe Tabelle 1). Das große Ä zum Beispiel rangiert unter dem Hexadezimal-Code 0x00C4. Den kopierten Buchstaben A fügen Sie mit der rechten Maustaste ins Feld mit dieser Nummer ein. Alternativ springen Sie an diese Stelle, indem Sie den Menüpunkt AnsichtGoto wählen und dann den Namen des Zeichens eingeben, im Beispiel Adieresis.

Ein Doppelklick auf dieses Feld öffnet wieder den Glyph-Editor, in dem Sie nun über das A die beiden Punkte für die Umlaute zeichnen, was nur wenige Kontrollpunkte erfordert. Stellen Sie sich eine Uhr mit Ziffernblatt vor und setzen Sie im Uhrzeigersinn, bei 12 beginnend, Kontrollpunkte bei 3, 6, und 9 Uhr. Wenn Sie nun den Mauszeiger wieder zur 12 bewegen und klicken, schließt Fontforge die Umrisslinie. Mit den Krümmungslinien stellen Sie ein, wie stark sich die Kurve biegt. Sind Sie mit dem Ergebnis zufrieden, kopieren Sie den ersten Punkt einfach und schieben ihn an die richtige Stelle. Damit beide Punkte symmetrisch sind, spiegeln Sie den zweiten Punkt mit dem entsprechenden Werkzeug (Abbildung 4).

Abbildung 4: Altes A und zwei Punkte: fertig ist der Ä-Umlaut.

Haben Sie alle Umlaute so erzeugt, speichern Sie den Font ab. Um ihn in allen Anwendungen zu verwenden, müssen Sie ihn allerdings noch an die richtige Stelle bewegen und einen Befehl ausführen. Wie das geht, erfahren Sie in den Artikeln zu Fonts unter KDE und Gnome in diesem Heft.

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