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Schriften bearbeiten mit Fontforge

Schöne Buchstaben

Im Internet freie Schriften zu finden, ist kein Problem. Oft fehlen allerdings die deutschen Umlaute. Mit Fontforge bearbeiten Sie Schriftsätze und fügen die gewünschten Zeichen hinzu.

Eigene Schriften zu entwerfen, ist nicht gerade alltäglich, denn nur Spezialisten beherrschen diese Kunst wirklich. Kleine Veränderungen einzelner Zeichen oder die Erweiterung existierender Schriftsätze sind jedoch auch ohne tiefe Typografiekenntnisse möglich. Mit dem freien Programm Fontforge [1] steht angehenden Schriftendesignern ein mächtiges Werkzeug zur Verfügung.

Der Schriftexperte

Die Software beherrscht die gängigsten Schriftformate: TrueType, Postscript Type 1 bis 3, OpenType und einige andere. Sie alle beschreiben die Umrisse von Schriften als mathematische Kurven. Das bringt den Vorteil, dass solche Fonts ohne Qualitätsverlust vergrößert und verkleinert werden können. Tatsächlich bieten diese Schriftformate buchstäblich hunderte von Einstellmöglichkeiten, bis hin zur eingebauten Programmiersprache – dementsprechend komplex gibt sich Fontforge.

Jede Font-Datei ordnet einem Zeichen ein bestimmtes Schriftbild (Glyph) zu. Das Zeichen "A" kann je nach Font zum Beispiel oben dreieckig, rechteckig oder auch rund abgeschlossen sein. Grundsätzlich unterscheidet man bei Schriften zwei Klassen: mit so genannten Serifen und ohne. Damit sind die zumeist spitzen Schnörkel an den Enden eines Buchstabens gemeint (Abbildung 1). Der Legende nach haben die Römer bei Inschriften solche Kerben angebracht, um das Absplittern des Steins zu verhindern.

Abbildung 1: Die linke Schrift enthält Serifen, die rechte gilt als Sans Serif.

Serifenschriften kommen meist bei längeren Texten zum Einsatz, wie etwa in Büchern. Auch LinuxUser benutzt eine Serifenschrift, die Garamond. Bekanntestes Mitglied der Familie ist die Times – Word-Benutzern als Times New Roman bekannt.

Serifenlose Schriften wirken, sehr allgemein gesprochen, moderner – auf Kosten der Lesbarkeit. Die Kunst der Schriftdesigner hat aber auch Mischformen hervorgebracht, die modern wirken und gut lesbar sind.

Die zweite wichtige Unterscheidung bezieht sich auf die Zeichenbreite. In nichtproportionalen Schriften nehmen alle Zeichen dieselbe Breite ein, egal ob es sich um ein breites m oder ein schmales i handelt. Der freie Raum links und rechts vom sichtbaren Teil zählt typografisch zum Zeichen dazu. Solche Schriftarten werden vor allem am Bildschirm verwendet, vorzugsweise beim Programmieren. Die Listings in LinuxUser sind in serifenlosen Font gesetzt.

Bei proportionalen Schriften nimmt dagegen jedes Zeichen nur den Raum ein, den es auch braucht. Bei gedruckten Texten kommen praktisch ausschließlich solche Fonts zum Einsatz.

Aufs Aussehen kommt es an

Hochwertige Schriften legen nicht nur das Aussehen jedes einzelnen Zeichens fest, sondern verbessern auch das Erscheinungsbild für einzelne Zeichenpaare: folgt dem P ein o, rückt die Anzeigesoftware das o etwas näher an das P heran. Durch den freien Raum unter dem Bogen des P entstünde sonst der Eindruck eines zu großen Abstands. Folgt nach dem P zum Beispiel ein l, ist diese Korrektur nicht nötig. Font-Dateien legen für viele Buchstabenpaare solche Sonderregeln fest, das so genannte Kerning (Anpassung der Laufweite).

Letztlich entscheidet also der subjektive Eindruck darüber, was eine gute Schrift ausmacht, nicht der mathematische Abstand. So verhält es sich auch mit der Schriftgröße: Üblicherweise ist das o etwa drei Prozent größer als das i, denn das Auge würde das i kleiner wahrnehmen, wäre es genauso groß wie das o.

Das sind nur einige von vielen Regeln, die man beachten muss, um hochwertige Schriften zu entwerfen. In anderen Bereichen genügt es, seiner Fantasie freien Lauf zu lassen, zum Beispiel bei Schmuckschriften fürs Web. Obwohl es empfehlenswert ist, auf Papier zu entwerfen, geht es bei der konkreten Umsetzung nicht ohne Software-Unterstützung.

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