Früher war sprichwörtlich alles besser: Der Netzwerkverkehr wurde noch nicht durch Spam belastet, man schrieb Mails mit Mutt, und es genügte ein lokaler SMTP-Server auf dem heimischen Rechner, um Nachrichten direkt abzuliefern.
Als dann die ersten Spam-Wellen anrollten, wurden die Provider vorsichtig und setzten unter anderem Dial-Up-Listen (DUL) ein, die IP-Adressen von Einwahl-Rechnern enthielten. Damit wurden die Mails von Dial-Up-Kunden regelrecht abgeblockt. Zu diesem Zeitpunkt wurde es ratsam, E-Mails nicht mehr direkt, sondern über den SMTP-Server eines Providers zu versenden.
Für den Anwender bedeutete dies, dass er tief in die Materie seines lokalen Mailservers einsteigen musste, damit Mails anhand der Absendeadresse auch beim richtigen Smarthost landeten. Aus diesem bis in die heutigen Tage andauernden Dilemma bietet Ihnen das Mutt-Plug-In MSMTP einen Ausweg aus der schwierigen Konfigurationsarbeit.
Installieren
Die Installation des SMTP-Client lässt sich schnell erledigen. Auf der Homepage des Projektes [1] finden Sie sowohl Links zu MSMTP im Paketformat für verschiedene Distributionen als auch auf den Quellcode des Programms. Um MSMTP aus dem Quellcode zu übersetzen, öffnen Sie nach dem Herunterladen des Tarballs zunächst das gepackte Archiv und wechseln danach in den neu entstandenen Ordner.
[andreas]~ > tar xvzf msmtp-1.2.↩ 4.tar.gz [andreas]~ > cd msmtp-1.2.4
Es folgt die für das Kompilieren übliche Befehlsfolge ./configure und make, um den Quellcode in ein maschinenlesbares Programm zu verwandeln. Wenn Sie auf die SSL-Unterstützung des Plug-Ins verzichten wollen, die eine verschlüsselte Datenübertragung ermöglicht, dann geben Sie dem Aufruf des Configure-Skriptes den Parameter --disable-ssl mit. Ohne diese Option wird das Programm mit SSL-Support kompiliert, für den Sie unter Umständen zusätzliche Pakete aus Ihrer Distribution nachinstallieren müssen.
Um den SMTP-Client im Verzeichnisbaum unter /usr/local zu installieren, melden Sie sich als root an. Das Kommando make install legt jetzt die Programmdatei im Verzeichnis bin ab und die Manpage im man/man1 im oben genannten Pfad.
[andreas]~ > su Password: (Ihr root-Passwort) root# make install
Alternativ können Sie MSMTP auch als gewöhnlicher User ohne besondere Rechte installieren. Um dies zu erreichen, verwenden Sie bereits beim ./configure-Aufruf den Parameter --prefix=:
[andreas]~ > ./configure --prefix=/home/Username [andreas]~ > make [andreas]~ > make install
Nun liegt MSMTP direkt in Ihrem Heimatverzeichnis unter ~/bin/msmtp. Alles, was Sie jetzt noch tun müssen, ist die Umgebungsvariable $PATH anzupassen. Ergänzen Sie dazu beispielsweise die Datei ~/.bashrc um den Eintrag
PATH=$PATH:/home/Username/bin
Reine Einstellungssache
Bevor das Plug-In zum Einsatz kommt, müssen Sie ihm noch einige Daten verraten. Dazu erstellen Sie die Konfigurationsdatei ~/.msmtprc mit Ihrem Lieblingseditor. Nehmen wir an, Sie nutzen die SMTP-Server zweier Provider, die Ihre Mails annehmen und weiterleiten. Der erste Provider nimmt als Ihr Standard-Anbieter besonders häufig Mails von Ihnen an. Sie nennen die erste Zeile, unter die die Daten für seinen Zugang gehören, beispielsweise account default. Darunter tragen Sie hinter dem Schlüsselwort host seinen SMTP-Server ein:
account default host smtp.provider.tld
Falls es sich bei smtp.provider.tld um einen Dienstleister wie T-Online handelt, bei dem Sie sich nicht anmelden müssen, weil Sie bereits über die Einwahl ins Internet authentifiziert sind, genügen diese zwei Zeilen. Nun tragen den Envelope-From-Header ein. Er entspricht in der Regel Ihrer Mailadresse:
from mail@adres.se
Jetzt kommt der zweite Provider an die Reihe. Sie beginnen wieder mit den Zeilen account, host und from:
account tux host smtp.tux.tld from mail@tux.tld user Benutzername password Geheim
Der Rechner smtp.tux.tld verlangt im Gegensatz zum ersten Server eine Authentifizierung, die er mit user und password bekommt. Bitte beachten Sie an dieser Stelle, dass Sie die Zugriffsrechte [2] für die Datei ~/.msmtprc so setzen, dass kein fremder User versehentlich (oder absichtlich) Ihre Zugangsdaten lesen kann.
Damit ist die Konfiguration des Plug-Ins bereits abgeschlossen. Weitere Optionen entnehmen Sie bitte der Manual-Seite des Programms mit dem Befehl man msmtp. Dort finden Sie zudem nähere Angaben zum Initiieren einer verschlüsselten Datenübermittlung.



