Gut gemachte PDF-Dateien enthalten heute nicht nur Text und Grafiken, sondern auch Links innerhalb des Dokuments oder zu Webseiten, Notizen des Autors, die in der gedruckten Fassung nicht erscheinen, Bookmarks und einiges mehr. Diese Schmankerl sind nicht für das Papier gedacht sondern zum bequemeren Lesen am Bildschirm, etwa mit Xpdf, Kpdf oder dem Acrobat Reader. Leider exportiert OpenOffice [1] aber nur recht einfache PDFs, die keines dieser praktischen Zusatz-Features enthalten. Mit OpenOffice 2.0 wird sich das zwar ändern ([2] und Kasten 1), mit einer kleinen Erweiterung produziert aber auch Version 1.1 ansprechende PDFs.
ExtendedPDF [3] ist als Makro implementiert und unterliegt in der Open Edition der GPL. Die kommerziellen Versionen "Professional" und "Universal" kosten je 20 Britische Pfund und ergänzen vor allem Kopierschutzfunktionen (PDF nennt das "Document Security"), E-Mail-Support durch den Hersteller und eine einfachere Installation. Die kostenlose Variante enthält alles, was Sie für ansprechende PDFs brauchen.
Kasten 1: PDF-Export in OpenOffice 2.0
Die Spezifikation für den PDF-Export in OpenOffice 2.0 [2] sieht eine ganze Reihe von Verbesserungen vor, um hochwertige Dokumente zu erzeugen.
- Besserer Export von Grafiken, vor allem in Bezug auf Kompression und Auflösung.
- Lokale Querverweise und URLs sind auch im PDF-File als Hyperlink ausgeführt.
- OpenOffice exportiert auf Wunsch auch Notizen in das PDF-File (Option im Export-Dialog, Abbildung 16).
- Überblendeffekte im Präsentationsmodul Impress werden – soweit möglich – zu PDF-Trasitions.
- Optional schreibt OpenOffice PDF-Files im Tagged-Format. In dieser Variante bleibt viel von der logischen Dokumentenstruktur erhalten, dafür sind die Dateien deutlich größer.
- Sogar PDF-Formulare wird OpenOffice erzeugen können. Diese Formulare füllt der Benutzer direkt im Acrobat Reader aus und druckt das Ergebnis.
Erst für spätere Versionen vorgesehen sind verschlüsselte PDFs, also Dokumente mit Kopierschutzfunktionen ("PDF Security"). Derzeit plant das OpenOffice-Entwicklerteam, Version 2.0 bis Mai 2005 fertigzustellen. Die meisten neuen Features sind bereits enthalten, so auch der erweiterte PDF-Export. Einige Tests mit dem Snapshot-Build 1.9.m71 (veröffentlicht am 24.01.2005) belegten, dass mit dieser Version ExtendedPDF beinahe überflüssig wird.
ExtendedPDF lässt sich aber weiter gehend konfigurieren, beispielsweise können Sie detailliert festlegen, welche Absatzvorlagen zu Bookmarks werden. Dafür arbeitet das Makro sehr viel langsamer als der integrierte PDF-Export.
Das Makro
Da es sich um ein Makro handelt, liegt ExtendedPDF in einer recht ungewöhnlichen Form vor: als OpenOffice-Datei. Das Dokument beschreibt die Installation und enthält auch gleich die nötigen Funktionen. Leider fehlt der Open Edition eine Installationsroutine, der Ablauf ist daher reichlich umständlich. Wenn Sie sich strikt an die Anleitung halten, kommen Sie dennoch gut ans Ziel.
Die wichtigste Voraussetzung für ExtendedPDF steht nirgends auf der Webseite und auch nicht in der Installationsanleitung, sondern nur im zusätzlich herunterzuladenden Handbuch (User Guide): Das Makro funktioniert nur in OpenOffice 1.1. Es lässt sich zwar auch in Version 1.0 installieren, verweigert dort aber den Dienst. In einem Test mit dem aktuellen Snapshot von OpenOffice 2.0 (Version 1.9.71.1) lief das Makro auch nicht korrekt.
Der User Guide ist direkt auf der Homepage [3] verlinkt und liegt als PDF-Dokument vor. Er enthält im Kapitel "Installing ExtendedPDF on Linux or Unix" ebenfalls eine Installationsanleitung, die gilt allerdings nur für die kommerziellen Versionen. Die Installation der kostenlosen Open Edition ist nur im OpenOffice-Dokument beschrieben.
Kasten 2: So funktioniert ExtendedPDF
OpenOffice kennt zwei Arten, um PDF-Dokumente zu erzeugen: Der klassische Weg ist, ein Postscript-File zu drucken und das dann per ps2pdf aus dem Ghostscript-Paket in PDF zu übersetzen. Seit Version 1.1 beherrscht OpenOffice auch den direkten Export nach PDF ohne den zeitraubenden Umweg über PS.
ExtendedPDF umgeht den in OpenOffice 1.1 eingebauten PDF-Export und druckt das Dokument zunächst als Postscript. Dazu braucht es den Druckertreiber, den Sie bei der Installation des Pakets anlegen. An das Ende des neuen Postscript-Files schreibt das Makro zusätzlich alle Informationen über Querverweise, Notizen und Bookmarks aus dem Dokument. Für diese Informationen braucht das Makro die exakte Position des Elements – es ermittelt sie im laufenden Betrieb. Dazu markiert ExtendedPDF nacheinander jede relevante Stelle des Dokuments und ermittelt die Position auf dem Bildschirm. Dieser Vorgang läuft leider recht langsam und lässt sich auch gut beobachten.
Ghostscript übersetzt anschließend das Postscript-File in PDF und wertet dabei auch die Zusatzinfos aus. Im Ergebnis enthält die Datei neben den Druckdaten auch die gewünschten Querverweise, Bookmarks und Notizen.
Pseudo-Drucker
ExtendedPDF braucht einen eigenen Pseudo-Drucker, um das Dokument nach Postscript zu wandeln (warum das so ist steht in Kasten 2). Für solche administrative Arbeiten ist bei OpenOffice das Hilfsprogramm spadmin zuständig (Abbildung 1), es kümmert sich um die Druckerverwaltung. Wenn Sie es nicht im Startmenü finden und es nicht im Standardpfad liegt, dann sehen Sie in Ihr Home-Verzeichnis: Dort müsste ein Verzeichnis namens OpenOffice liegen, oft mit angehängter Versionsnummer. Wechseln Sie in der Shell dort hinein und rufen Sie ./spadmin auf. Wenn Sie auch hier nicht fündig werden, dann ist /opt/OpenOffice.org/spadmin ein weiterer Kandidat.
In der Druckerverwaltung klicken Sie auf Neuer Drucker... (Button links unten). Wählen Sie im Drucker-hinzufügen-Wizard dann einen Drucker anlegen – auf keinen Fall aber den PDF-Konverter, dessen Aufgabe übernimmt ExtendedPDF. Nach einem Klick auf Weiter >> zeigt der Wizard eine lange Liste mit Druckertreibern. Der passende Treiber heißt Generic Printer (T42 enabled). Der Zusatz in Klammern ist wichtig: Beim normalen Generic Printer sehen einige Schriften im PDF sehr pixelig aus. Im nächsten Schritt verlangt der Wizard nach einem Kommando. Hier tragen Sie cat ein.
Abschließend geben Sie dem neuen Drucker noch einen Namen. Sie müssen später den exakt gleichen Namen in die ExtendedPDF-Konfiguration eintippen, daher sollten Sie sich für eine einfache Bezeichnung entscheiden, etwa EPDF. Nach einem Klick auf Fertig stellen beendet sich der Wizard.
In der Druckerverwaltung (Abbildung 1) müssen Sie noch einige Einstellungen für den neuen Drucker ändern. Wählen Sie unter Installierte Drucker den eben hinzugefügten EPDF und klicken auf Eigenschaften... (rechts oben). Im Reiter Gerät sollten Sie bei Farbe die Einstellung Farbe wählen – per Default steht dort laut Treiber. Im Reiter Schriftersetzung (Abbildung 2) entfernen Sie das Häkchen vor Schriftersetzung einschalten. Bei Weitere Einstellungen sind alle Ränder auf Null zu setzen. Nun können Sie die Eigenschaften mit OK übernehmen und die Druckerverwaltung mit Schließen beenden.



