Harte Ware, hartes Los

In Sachen Hardware-Unterstützung tauchen bisweilen Probleme auf. So spricht Yellow Dog beispielsweise eine interne Airport-WLAN-Karte als eth0-Schnittstelle an, den integrierten LAN-Anschluss dagegen als eth1.

Wesentlich unangenehmer: Dss System unterstützt die integrierte AirportExtreme-Karte des 17-Zoll-Powerbooks nicht. Das Powerbook besitzt zwar einen PC-Card-Schacht, in den eine von Linux unterstützte WLAN-Karte passt und erkannt wird. Diese Lösung verursacht jedoch zusätzliche Kosten. Darüber hinaus belegt Sie den einzigen Erweiterungsschacht. Pech für die Besitzer eines Geräts ohne solchen Einschub, wie etwa die iBooks. Hier funkt der Rechner allenfalls mit einem USB-WLAN-Adapter, der allerdings Linux-kompatibel sein muss. Als unterstütztes Modell kommt beispielsweise der USB-Stick DWL-122 von D-Link [4] in Frage, den Sie mit dem wlan-ng-Treiber ansprechen [5].

Weil der Hersteller der Airport-Express-Karten keine Hardware-Details offen legt, existiert derzeit keine Möglichkeit, solche Karten unter Linux zu nutzen. Da in Apple-Rechner entweder nur Airport-Extreme-Karten (neuere Macs) oder Airport-Karten passen (ältere Macs), können Sie WLAN unter Linux derzeit out-of-the-box nur nutzen, wenn Sie keinen aktuellen Mac besitzen.

Die älteren Airport-Karten einzurichten, bereitet unter Yellow Dog keine Probleme. Sie erledigen es im Einrichtungsassistent, den Sie über SystemeinstellungenNetzwerk starten. Auf der Registerkarte Geräte hat Yellow Dog die WLAN-Karte bereits eingetragen (Abbildung 3). Die richtigen Parameter für Ihr Funknetzwerk geben Sie im Dialog Bearbeiten ein. Darüber hinaus können Sie in der Netzkonfiguration mehrere Profile erstellen. Das erweist sich als praktisch, wenn Sie es häufig mit unterschiedlichen Netzwerken zu tun haben.

Abbildung 3: Yellow Dog erkennt interne Airport-Karten und legt sie auf eth0, die integrierte LAN-Buchse heißt dann eth1.

Das Superdrive funktioniert ebenso wie die DVD- und Combo-Laufwerke, die Apple verbaut. Mit K3b brennen Sie CDs und DVDs (Abbildung 4), beides klappt auch auf der Kommandozeile mit den Befehlen cdrecord oder growisofs. cdrecord müssen Sie allerdings das Gerät mit dem Parameter -dev=/dev/hdc übergeben. Die unter 2.4er-Kerneln übliche SCSI-Emulation, bei der Sie Laufwerke in SCSI-Notation, etwa mit dev=1,0,0 benennen, ist seit Kernel 2.6 obsolet.

Abbildung 4: Die Apple-Laufwerke einschließlich der DVD-Brenner brennen mit K3b CDs und DVDs.

Auch die Apple-Sondertasten, mit denen Sie die Bildschirmhelligkeit und Lautstärke anpassen und Wechselmedien auswerfen, verrichten auf Anhieb ihren Dienst. Das Touchpad schalten Sie mit der Tastenkombination [Alt-Apfel-F1] zwischen den Betriebsmodi Drag (Klicken und Ziehen), Tap (Klicken), No Tap (Reine Cursorbewegung) und Lock (Inaktiv) um. Die systemweite Voreinstellung, die reine Cursorbewegung, ändern Sie als root in der Datei /etc/sysconfig/trackpad. Die mittlere und die rechte Maustasten liegen auf den Funktionstasten [F10] und [F11].

Ein lästiges Ärgernis mit dem Touchpad erwartet Sie bei 17-Zoll-Powerbooks: Beim bloßen Bewegen des Cursors scheint dieser immer wieder unwillkürlich auf den Hintergrund zu klicken, so dass fortwährend Kontextmenüs erscheinen. Dieses lästige Verhalten liegt daran, dass das 17"-Powerbook ein größeres Touchpad besitzt, mit dem der Hardware-Treiber nicht zurecht kommt. Nur die Fläche, die den Touchpads der kleineren Powerbooks entspricht, wird auf Berührung abgegriffen und richtig umgesetzt. Die Randflächen links und rechts bleiben inaktiv. Fährt der Benutzer mit dem Finger in diese inaktive Fläche und wieder zurück, stellt das für den Treiber einen Klick dar, der das Kontextmenü des Desktops aufruft.

Das Touchpad funktioniert beim iBook zwar korrekt, dafür hapert es dort mit den Powermanagement-Funtionen: Einmal in den Suspend-to-RAM-Modus versetzt, wacht es nicht mehr auf. Das System gibt noch einige Konsolenmeldungen aus, bleibt dann aber hängen. In diesem Fall hilft nur mehr aus- und wieder einschalten.

Schweigegelübde

Der bei der Installation erkannten und konfigurierten Soundkarte ist unter KDE kein Ton zu entlocken. Beim Start der Desktop-Umgebung erhalten Sie eine entsprechende Meldung. Die Systemklänge tönen ebenso wenig, wie mit Noatun abgespielte Sound-Dateien. Die Wiedergabe mit dem Kommandozeilenprogramm play gelingt jedoch auf Anhieb – allerdings nicht mit MP3-Dateien.

Ebenso wie Red Hat Linux und Fedora Core 2 liefert Terrasoft nur Anwendungen ohne MP3-Unterstützung aus. Das scheint aus politischer Sicht freier Software konsequent, dürfte jedoch gerade für MacOS-Umsteiger, die mit der Ogg-Vorbis-Alternative wenig anzufangen wissen, kaum akzeptabel sein.

Können Sie dem Musikgenuss auf Kommando nichts abgewinnen, sollten Sie der Empfehlung des zuständigen Paketschnürers bei Terrasoft, Owen Stampflee, folgen. Er bedauert auf der Mailing-Liste der Distribution [6], dass er es noch nicht geschafft hat, KDE-Programme unter Yellow Dog 4.0 zum Klingen zu bringen und verweist auf Programme, wie XMMS, um Musik zu hören.

Das wäre eine gute Alternative, wenn sich das mitgelieferte XMMS nicht direkt beim Start mit einem Speicherzugriffsfehler verabschiedete. Auf der Mailingliste, die Terrasoft über die eigene Homepage (Abbildung 5) zusätzlich zu kostenpflichtigen Diensten anbietet, kursiert daher eine Anleitung [7], das Programm aus einer Vorversion der Quellcodes selbst zu kompilieren. Der Dschungel aus Paketsuche und Nachinstallation, der sich dann auftut, ist jedoch nur für Fortgeschrittene zu durchdringen.

Abbildung 5: Die Yellow-Dog-Hompage führt neben kostenpflichtigem Support auch auf informative Mailinglisten, auf denen Sie schnell Hilfe finden.

In unserem Test stellte es sich als einfacher heraus, ein aktuelles RPM-Paket der Fedora-Entwickler-Version einzuspielen. Das XMMS-Paket finden Sie ebenso wie eines, von dem es abhängt (desktop-file-utils), über die RPM-Suchmaschine Freshrpms [9]. Weil der Fedora-XMMS von Red Hat stammt, fehlt ihm ebenfalls die MP3-Unterstützung.

Sie benötigen daher zusätzlich das Pluginpaket xmms-mp3 für Fedora, das Sie unter [8] herunterladen können. Es handelt sich um ein Source-RPM, das allerdings den irreführenden Namenszusatz i386 enthält. Anders als der Name suggeriert, lässt es sich nicht nur auf Intel-Prozessoren neu übersetzen. Mit dem Befehl rpmbuild --rebuild xmms-mp3-1.2.10-0.lvn.1.1.src.rpm erzeugen Sie ein passendes Binär-RPM-Paket für die PPC-Plattform. Damit das gelingt, spielen Sie vor dem Übersetzen des Source-RPMs das Paket xmms-devel-1.2.10-10.ppc.rpm mit den notwendigen Header-Dateien ein (Sie erhalten es ebenfalls unter [8]). Sind alle diese Pakete auf Yellow Dog installiert, bringt XMMS auch die MP3-Sammlung zum Klingen.

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