Auf den Hund gekommen

Yellow Dog Linux 4.0 auf Apple-Notebooks

01.03.2005
Die neuen G5-Macs mit ihrer 64-Bit-Architektur bringen Linux-Distributoren in Zugzwang. Die Softwareschmiede Terrasoft bietet Yellow Dog Linux in der überarbeiteten Version 4.0 an. Was taugt die neue Distribution?

Außenseiter, Nonkonformisten, Nerds – im günstigsten Fall: Individualisten. Linux-Benutzer sind es gewohnt, in solche Schubladen gezwängt zu werden. Macianern mit Ihren Apples geht es ebenso. Beide teilen sich, zusammen mit ein paar weiteren Desktop-Exoten, die paar Prozent Marktanteil, die Windows übrig lässt. Linux auf einem Apple-Rechner zu benutzen, bedeutet, den Individualismus auf die Spitze zu treiben, die Minderheit in der Minderheit.

Wer es dennoch so haben will, braucht für seinen Apple eine spezielle Linux-Distribution. Anders als die PC-Stangenware nutzt er einen PowerPC-Prozessor (PPC) nutzt. Dieser Chip geht mit Bits und Bytes anders um als CPUs mit i386-Architektur und benötigt deshalb eigene Binärprogramme. Die US-amerikanische Firma Terrasoft [1] bietet mit Yellow Dog Linux eine Distribution für die PowerPC-Architektur an, die inzwischen bei Version 4.0 angelangt ist.

Weil Apple in den letzten Jahren zunehmend mehr Rechner auch auf dem europäischen Markt verkauft und dabei einige Modellpflege getrieben hat, sind derzeit G3-, G4- und die brandneuen G5-Rechner im Einsatz. Diese PPC-CPUs unterscheiden sich dadurch, dass dem G3 die Altivec-Engine des G4 fehlt (ein Hardware-Zusatz im Prozessor insbesondere für Vektorberechnungen) und der G5 eine 64-Bit-CPU ist (im Gegensatz zu den beiden anderen, die 32-Bit "am Stück" verarbeiten).

Die bisherige Version 3.0 von Yellow Dog Linux arbeitet nicht mit den neuen G5-Rechnern zusammen, und so nahm Terrasoft eine Fedora Core 2 und passte sie an die neue Architektur an. Yellow Dog 4.0 ist dabei abwärtskompatibel und lässt sich auch auf G3- und G4-Macs betreiben. Die Softwareschmiede rühmt sich der offiziellen Unterstützung von Apple und ist der einzige Distributor, der neue Rechner dieses Herstellers mit vorinstalliertem Linux ausliefern darf, ohne dass die Apple-Werksgarantie verloren geht.

Als Testsysteme dienten ein PowerBook G4 mit 17-Zoll-TFT sowie ein älteres iBook G3 mit 600 Mhz. Einen moderner G5-Rechner gehörte nicht zu unserer Testausstattung, dasselbe gilt für Firewire-800-Geräte, die den (zusätzlichen) modernen Schnittstellen der neueren G4- und G5-Rechnern entsprechen. Alle aktuellen Macs besitzen auch noch Firewire-400-Anschlüsse (IEEE-1394) sowie USB-2.0. Nach unseren Recherchen kommt es mit der G5-CPU nicht zu Problemen, jedoch mit manchen Hardware-Komponenten. Yellow Dog Linux unterstützt weder Firewire-800 noch die Airport-Extreme-Technik (IEEE 802.11g). Wesentlich besser sieht es bei dem älteren Airport (IEEE 802.11b) aus, der genau wie USB-2.0 und Blootooth mit Yellow Dog Linux zusammenspielt. Eine ausführliche Liste der unterstützten Hardware finden Sie unter [2].

Installation

Die Yellow-Dog-Installation verläuft ebenso wie die von Fedora Core im Grafikmodus. Für eine Neuinstallation, die die gesamte Festplatte nutzt, legen Sie Installations-CD 1 ein und halten beim Neustart die [C]-Taste gedrückt, bis das System von der CD bootet. Das automatische Partitionieren, wie es der Installer vorsieht, führte auf unseren Testsystemen reproduzierbar zu Fehlermeldungen. Das manuelle Aufteilen der Platte mit dem Disk-Druid gelang jedoch auf Anhieb. Legen Sie dort eine 1 MByte große Apple-Bootstrap-Partition und eine dem Hauptspeicher des Rechners entsprechende Swap-Partition an. Eine einzige große Root-Partition, die den Rest der Festplatte füllt, ist die flexibelste Lösung für ein Desktop-System (Abbildung 1).

Abbildung 1: Schlägt das automatische Partitionieren fehl, teilen Sie die Festplatte mit dem Disk-Druid auf.

Nach den Netz-/Firewall-Grundeinstellungen, folgen Dialoge zur Sprachauswahl, Systemzeit und dem Passwort des Root-Kontos.

Das grafische Paketverwaltungs-Frontend präsentiert sich spartanisch. In der Voreinstellung merkt es keinerlei Entwicklerwerkzeuge und damit kein Compiler zur Installation vor. Mangels Suchfunktion gilt es, alle Gruppen einzeln zu öffnen und zu durchsuchen, um ein bestimmtes Paket auszuwählen. Die Alternative, Alles anzuwählen, bringt zu viele unnötige Pakete auf die Platte und verschwendet damit Ressourcen.

Sprachkurs

Nach der Installation der Pakete startet das System in den grafischen Anmeldemanager. Zu Hause fühlt man sich nach dem ersten Einloggen nicht, da Yellow Dog out-of-the-box einen KDE-Desktop mit unzureichender Lokalisierung startet. Im Terminal-Fenster funktionieren weder Umlaute noch Sonderzeichen und das System arbeitet mit amerikanischer Tastaturbelegung.

Das lässt sich glücklicherweise schnell reparieren: Starten Sie dazu das KDE-Kontrollzentrum oder wählen Sie den alternativen Weg über das Symbol Hier starten auf dem Desktop. Unter Regionaleinstellungen & Zugangshilfen belegen Sie das Tastaturlayout neu. Wählen Sie auf der Registerkarte Belegung als Tastaturtyp den generischen 104-Tasten-PC und aktivieren Sie die Checkbox Tastaturlayout aktivieren. Stellen Sie nun noch deutsch und nodeadkeys einschließlich der lateinischen Belegung (für Grösser- und Kleiner-Symbole) ein. Die Option nodeadkeys bewirkt, dass ein Druck auf die Taste mit den französischen Akzentzeichen sofort ein Zeichen ausgibt. Wenn Sie viel in der Shell arbeiten, sollten Sie diese Einstellung wählen. Damit gelingt die Eingabe von Befehlen wie ls -l `which grep` wesentlich flotter.

Auf der Registerkarte Xkb-Optionen setzen Sie ein Häkchen vor Drücken Sie eine Windows-Taste, um die 3. Ebene auszuwählen (Abbildung 2). Mit dieser Einstellung funktionieren Umlaute und Sonderzeichen wie der Klammeraffe (@), die Tilde (~) oder das Pipe-Zeichen (). Die Eingabe erfolgt jedoch nicht, wie auf der Apple-Tastatur gewohnt, sondern über die Tastenkombinationen, die Sie auch auf einer PC-Tastatur verwenden würden. So erzeugen Sie beispielsweise den Klammeraffen, indem Sie die rechte Apfel-Taste und [Q] gleichzeitig drücken.

Damit funktioniert zwar auf der grafischen Oberfläche die Eingabe der Sonderzeichen, nicht aber auf den Systemkonsolen, die Sie über [Strg]+[Alt]+[F1]…[F6] erreichen. Benötigen Sie auch dort eine korrekte Tastenbelegung, hilft die Anleitung unter [3] weiter.

Abbildung 2: Um mit deutschem Tastaturlayout zu arbeiten, passen Sie einige Optionen im KDE-Kontrollzentrum an.

LinuxCommunity kaufen

Einzelne Ausgabe
 
Abonnements
 

Ähnliche Artikel

Kommentare

Infos zur Publikation

title_2014_10

Digitale Ausgabe: Preis € 4,95
(inkl. 19% MwSt.)

Mit der Zeitschrift LinuxUser sind Sie als Power-User, Shell-Guru oder Administrator im kleinen Unternehmen monatlich auf dem aktuelle Stand in Sachen Linux und Open Source.

Sie sind sich nicht sicher, ob die Themen Ihnen liegen? Im Probeabo erhalten Sie drei Ausgaben zum reduzierten Preis. Einzelhefte, Abonnements sowie digitale Ausgaben erwerben Sie ganz einfach in unserem Online-Shop.

NEU: DIGITALE AUSGABEN FÜR TABLET & SMARTPHONE

HINWEIS ZU PAYPAL: Die Zahlung ist auch ohne eigenes Paypal-Konto ganz einfach per Kreditkarte oder Lastschrift möglich!       

Tipp der Woche

Schnell Multi-Boot-Medien mit MultiCD erstellen
Schnell Multi-Boot-Medien mit MultiCD erstellen
Tim Schürmann, 24.06.2014 12:40, 0 Kommentare

Wer mehrere nützliche Live-Systeme auf eine DVD brennen möchte, kommt mit den Startmedienerstellern der Distributionen nicht besonders weit: Diese ...

Aktuelle Fragen

Windows 8 startet nur mit externer Festplatte
Anne La, 10.09.2014 17:25, 4 Antworten
Hallo Leute, also, ich bin auf folgendes Problem gestoßen: Ich habe Ubuntu 14.04 auf meiner...
Videoüberwachung mit Zoneminder
Heinz Becker, 10.08.2014 17:57, 0 Antworten
Hallo, ich habe den ZONEMINDER erfolgreich installiert. Das Bild erscheint jedoch nicht,...
internes Wlan und USB-Wlan-Srick
Gerhard Blobner, 04.08.2014 15:20, 2 Antworten
Hallo Linux-Forum: ich bin ein neuer Linux-User (ca. 25 Jahre Windows) und bin von WIN 8 auf Mint...
Server antwortet mit falschem Namen
oin notna, 21.07.2014 19:13, 1 Antworten
Hallo liebe Community, Ich habe mit Apache einen Server aufgesetzt. Soweit, so gut. Im Heimnet...
o2 surfstick software für ubuntu?
daniel soltek, 15.07.2014 18:27, 1 Antworten
hallo zusammen, habe mir einen o2 surfstick huawei bestellt und gerade festgestellt, das der nic...