Wine, Crossover Office und Cedega

Wine oder Wasser?

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Wer Windows-Anwendungen unter Linux zum Laufen bringen will, kommt an Wine nicht vorbei. Wir untersuchen die freie und die kommerziellen Wine-Varianten auf ihre Praxistauglichkeit.

Die Geschichte von Wine begannt 1993 mit einem kleinen Tool, das bei Sun Microsystems entwickelt worden war. Es sollte ermöglichen, unter Solaris auf SPARC Windows-Applikationen "out of the box" – also ohne Portierung – nutzen konnten. Bereits wenige Monate später wurden erste Versuche unternommen, dieses Werkzeug auch unter BSD und Linux zum Einsatz zu bringen - sozusagen die Geburtsstunde dessen, was heute unter dem Projektnamen Wine allgemein bekannt ist. Diese Bezeichnung ist ein Akronym und steht in bester GNU-Tradition für die Umschreibung "Wine is not an Emulator".

Tatsächlich handelt es sich bei Wine [1] nicht um einen Emulator im klassischen Sinn. Das Tool bildet weder eine fremde CPU nach, noch emuliert es im engeren Sinne ein Betriebssystem. Wine legt sich vielmehr als Übersetzungsschicht zwischen Linux und die auszuführende Windows-Anwendung. Es fängt alle Windows-API-Aufrufe der Anwendung ab und versucht sie in deren Unix- und X11-Äquivalente zu übersetzen. Im technischen Sinn besteht Wine aus einem Loader, der Windows-Anwendungen lädt und startet, sowie einer Suite von Bibliotheken, welche die Übersetzung beziehungsweise Nachbildung der Windows-API-Calls übernimmt.

Die Rolle von Wine als Quasi-Dolmetscher zwischen Windows-Anwendungen und Linux macht klar, wo die potentiellen Probleme von Wine liegen: Übersetzungen können nur so gut sein, wie die Kenntnisse des Übersetzers von Sprache und Kultur der beiden beteiligten Parteien. Dass Microsoft ungern Interna der Funktionsweise seiner Betriebssysteme und Anwendungen preisgibt, ist hinlänglich bekannt. Aber auch andere Software-Hersteller lassen sich ungern in die Karten schauen und fühlen sich oft auch nicht gemüßigt, ihre Produkte nach Linux zu portieren.

Symptomatisch dafür ist Adobe mit dem Acrobat Professional, weswegen wir auch diese Software zu Testzwecken heranziehen. Als Testmaschine dient ein HP-Laptop, der über einen mit 1,7 GHz getakteten Pentium-4-Prozessor und 256 MByte Hauptspeicher verfügt. Als Betriebssystem dient Suse Linux 9.0 Professional.

Wine installieren

Alle gängigen Distributionen bringen Wine bereits im Lieferumfang mit. Meist wird das Paket jedoch bei der Standardinstallation ausgelassen. Um festzustellen, ob Wine auf Ihrem System bereits läuft, dient bei RPM-basierten Distributionen folgender Aufruf auf der Kommandozeile:

rpm -qa | grep -i wine

Wurde Wine bereits eingerichtet, erhalten Sie eine Rückmeldung wie beispielsweise wine-20040505-1 (Suse 9.0) oder wine-20040813-7 (Suse 9.2). Wie sich leicht erkennen lässt, dient hier das Release-Datum als Versionsnummer.

Es empfiehlt sich im Zweifelsfall, eine eventuell vorhandene ältere Version durch eine des aktuellen Jahrgangs (2005) zu ersetzen. Das lässt sich relativ schnell erledigen und bietet den Vorteil, dass man damit im Regelfall eine automatische und meist hinreichende (Vor-)Konfiguration erhält. Allerdings sollte man dazu die alte Version deinstallieren, da anderenfalls Probleme auftreten können. (siehe Kasten "Wine entsorgen")

Wine entsorgen

Versuche zur Parallel- oder gar Mehrfach-Installation verschiedener Wine-Versionen sollte man tunlichst unterlassen. Auch bei der Installation einer neueren Release schadet es im Zweifelsfall nicht, die vorher installierte Wine-Spielart zu entsorgen.

Zunächst einmal gilt es zu klären, welche Version eigentlich installiert ist:

<B># rpm -qa | grep -i wine<B>
wine-20040505-1

Als Antwort liefert das System die entsprechende Versionsbezeichnung – die Sie dann direkt in den Entsorgungsauftrag übernehmen. Im obigen Beispiel lautet dieser also rpm -e wine-20040505-1. Anschliessend sind die von Wine für jeden Account angelegten Verzeichnisse zu löschen:

# rm -rf /root/.wine
# rm -rf /home/user/.wine
[…]

Nun sollten sämtliche relevanten Altlasten definitiv Geschichte sein. Der Weg für ein Wine-Upgrade ist damit frei. Gegebenenfalls deinstallieren Sie auf diesem Weg auch eine nicht mehr sauber funktionierende Wine-Installation.

Die eigentliche Installation läuft ebenso einfach wie unspektakulär ab. Zunächst besorgen Sie sich das aktuelle Paket (derzeit rund zwölf Megabyte gross) beim WineHQ [2]. Sie installieren es als root zum Beispiel für Suse 9.0 mit dem Befehl:

<B>#rpm -ivh wine-20050111-SuSELinux90.i586.rpm<B>
Preparing… ########################################### [100%]
1:wine… ############################################## [100%]

Damit haben Sie Wine auch bereits auf fertig installiert, bei den aktuellen Versionen ist es auch vorkonfiguriert. Um die Konfiguration einzusehen und zu modifizieren, benutzen Sie das Tool winecfg. Dort können Sie auch einsehen und verändern, welche virtuellen "Laufwerksbuchstaben" welchen Devices zugeordnet sind.

Windows-Anwendungen installieren

Nun können Sie direkt mit der Installation der ersten Windows-Applikationen beginnen. Für unseren Test haben wir dazu eine recht weit verbreitete, aber offiziell nicht von Wine unterstützen Applikation ausgesucht: Adobe Acrobat 5.

Als Installationsquelle dient eine entsprechende Applikations-CD. Das CD-ROM-Laufwerk trägt in unserer Testkonfiguration das Alias "Z:", sodass wir die Installation mit folgendem Aufruf starten:

wine 'Z:\media\cdrom\Acrobat 5\Setup.exe'

Hier müssen Sie Laufwerks- und Pfadangaben gemäß den Konventionen aus der Windows-Welt machen. Schließen Sie zudem den Programmpfad stets in Hochkommas (') oder Anführungszeichen (") ein. Anderenfalls würde die Linux-Shell versuchen darin enthaltene Leerstellen und den darauf folgenden Text interpretieren.

Die Installation des Adobe Acrobat (Abbildung 1) dauert in unserem Beispiel rund 15 Minuten – wohlgemerkt: für eine einzige Applikation. Allerdings lohnt das Warten. Nach Abschluss der Programmeinrichtung belohnt der Aufruf

wine 'C:\Program Files\Adobe\Acrobat.exe'

mit einer funktionierenden Instanz des Adobe Acrobat, wie Sie Abbildung 2 entnehmen können.

Allerdings verlaufen nicht alle Programminstallationen derart problemfrei. Eine typische Stolperstelle tritt beispielsweise bei dem Versuch auf, das (ebenfalls nicht offiziell unterstützte) NetObjects Fusion – egal in welcher Version – einzurichten. Abbildung 3 zeigt das für zahlreiche Windows-Anwendungen typische Fehlerbild. Die Fehlermeldung führt etwas in die Irre: Die fehlende Schriftart ist keineswegs der Grund für das Problem. Die Anwendung lässt sich ohne installierten Internet Explorer schlicht nicht betreiben.

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