Endlich vollständig?

Textverarbeitung mit Abiword 2.2

01.03.2005
Die kompakte Textverarbeitung Abiword hat Version 2.2 erreicht. Wir haben uns die neue Ausgabe angesehen.

Neben dem Platzhirsch OpenOffice [1], dem KDE-Bestandteil KWord [2] und dem kommerziellen Textmaker [3] ist Abiword [4] die vierte ernstzunehmende Textverarbeitung für den Linux-Desktop. Es zeichnete sich durch die Konzentration auf das Wesentliche und die daraus resultierende gute Performance aus.

Installation

Für die Distributionen Fedora Core 3, Mandrake und Suse finden Sie auf der Heft-CD RPM-Pakete, unter Debian reicht apt-get install abiword.

Zum Übersetzen und Installieren des Quelltextes entpacken Sie das Archiv abiword-2.2.3.tar.gz von der Heft-CD. Dann wechseln Sie ins neu enstandene Verzeichnis abiword 2.2.3/abi. Anschließend bereitet ./configure den Kompiliervorgang vor. Möchten Sie Abiword in der Gnome-Oberfläche verwenden, hängen Sie den Parameter --enable-gnome an; es benutzt dann die Gnome-Symbole und -Standarddialoge. Übersetzen Sie Abiword nun mit dem Befehl make. Ein abschließendes make install als root bindet Abiword ins System ein, so dass Sie es anschließend mit abiword starten können (Abbildung 1).

Abbildung 1: Abiword bietet auch in Version 2.2 einen vertrauten Anblick.

Die Übersetzung der Abiword-Oberfläche weist nach wie vor einige Lücken auf (Abbildung 1). Englische und deutsche Menüeinträge und Dialoge wechseln sich ab, zum Teil sind Übersetzungen schlicht falsch. Auch das Handbuch existiert nur auf Englisch.

Die ansonsten gute Performance von Abiword bremst ein bekannter Fehler aus, der leider auch in Version 2.2 nicht behoben wurde: Das Blättern durch einen Text mit den Pfeiltasten geht quälend langsam vonstatten. Enthält das Dokument Tabellen oder Grafiken, sinkt die Scroll-Geschwindigkeit noch weiter.

Ansonsten gestaltet sich der Umgang mit Tabellen im neuen Abiword wesentlich einfacher. Mittlerweile nehmen sie auch Bilder auf, und Zellen lassen sich frei zusammenfassen und aufteilen. Selbst der automatische Seitenumbruch innerhalb einer Tabellenzeile funktioniert, während OpenOffice und Textmaker ausschließlich ganze Zeilen umbrechen. Auch den Fehler, der in Version das Navigieren innerhalb von Tabllen mit der [Tab]-Taste verhinderte, haben die Entwickler inzwischen behoben.

Inhaltsverzeichnisse

Vor allem Autoren langer Texte benötigen häufig Inhaltsverzeichnisse. Bisher mussten sie diese unter Abiword manuell anlegen. Mit Version 2.2 erhielt nun endlich ein entsprechender Automatismus Einzug. Die Option EinfügenTable of Contents bildet eine Übersicht mit Seitenangaben aus allen Überschriften und fügt sie an einer beliebigen Stelle ins Dokument ein (Abbildung 2).

Abbildung 2: Abiword 2.2 fügt auf Knopfdruck ein Inhaltsverzeichnis in den Text ein.

Zwar trägt das Inhaltsverzeichnis in der Voreinstellung mangels Übersetzung den Titel Table of Contents, das lässt sich aber ändern: Setzen Sie den Cursor ins Inhaltsverzeichnis und wählen Sie den Menüpunkt FormatTable of Contents. Im Tab General geben Sie im Feld Heading Text die gewünschte Überschrift ein (Abbildung 3). Im Feld Heading Style bestimmen Sie die zu verwendende Formatvorlage. Unter Define Main Properties legen Sie in der Auswahlliste Fill Style fest, welche Überschriften Abiword ins Inhaltverzeichnis aufnimmt, unter Display Style bestimmen Sie dazu die Formatvorlage.

Abbildung 3: Das Inhaltsverzeichnis passt sich den eigenen Vorlieben an.

Im Reiter Layout Details finden Sie weitere Optionen. Hier legen Sie fest, ob und wie Abiword die einzelnen Punkte des Inhaltsverzeichnisses nummeriert, und ob der leer Raum zwischen Überschrift und Seitenzahl mit Füllzeichen versehen wird.

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