Falsche Hasen

Systememulation mit QEMU

01.03.2005
,
Haben Sie sich schon mal gewünscht, Linux im Fenster unter Linux auszuführen? Oder wie wäre es mit DOS unter Linux? QEMU ist eine Open-Source-Anwendung, die einen kompletten PC in Software emuliert.

Programme, die einen kompletten Computer in Software nachbilden, heißen Emulatoren. Sie können eine solche virtuelle Umgebung nutzen, um Software oder sogar ein anderes Betriebssystem zu testen. Die bekanntesten Systememulatoren für Linux sind Bochs [1], ein leistungsfähiges Programm, das leider schwer zu konfigurieren ist, und VMware [2], ein sehr guter und schneller Emulator. Leider handelt es sich bei letzterem um ein kommerzielles Produkt, das nicht gerade billig ist (siehe Artikel in diesem Heft). In diesem Artikel erfahren Sie alles über den leistungsfähigen, kostenlosen und einfach einzurichtenden Systememulator QEMU.

Er ist sehr bedienerfreundlich und erledigt über einfache Befehle selbst für Aufgaben, die sich mit anderen Emulatoren nur schwer erschlagen lassen. Der Artikel demonstriert den Einsatz von QEMU in verschiedenen echten Szenarien, zeigt aber nur einen Teil des großen Funktionsumfangs. Wenn Sie mehr als die Spitze des Eisbergs sehen wollen, downloaden QEMU selbst und experimentieren Sie nach Herzenslust.

QEMU Installieren

QEMU ist entweder als Quellcodearchiv oder als kompiliertes Linux-Programm erhältlich. Beide Versionen finden Sie auf der QEMU-Homepage [3] und der Heft-CD. Downloaden Sie die binäre Version und entpacken Sie sie als Administrator im Wurzelverzeichnis:

$ su
[Root-Passwort eingeben]
# tar zxvf ↩
qemu-0.6.1-i386.tar.gz -C /
# qemu (als Test)

Wenn Sie Probleme mit der vorkompilierten Version von QEMU haben, oder es vorziehen, QEMU aus dem Quellcode zu installieren, laden Sie das neueste Quellcodearchiv herunter und geben die folgenden Befehl in einem Terminalfenster ein:

$ tar zxvf qemu-0.6.1.tar.gz
$ cd qemu-0.6.1
$ ./configure
$ make
$ su -c 'make install'

Sie müssen QEMU innerhalb einer X-Window-Umgebung ausführen. Wenn Sie QEMU starten, emuliert es den Prozessor Ihres echten Computers. Besitzen Sie also einen Pentium II, bildet QEMU auch einen Pentium II nach. Schlägt in Ihrem Computer das Herz eines PowerPC, passt sich QEMU dem an. Um eine andere Hardwarearchitektur zu emulieren, existiert der qemu-Befehl in anderen Varianten, an denen der Architekturname hängt: zum Beispiel qemu-arm, qemu-ppc oder qemu-sparc. Um eine Liste der von QEMU unterstützten Architekturen zu erhalten, tippen Sie auf der Kommandozeile qemu- und drücken Sie zweimal [Tab].

Eine Live-CD starten

Wenn Sie beispielsweise das ISO-Image einer Linux-Distribution auf der Linux User-CD neugierig macht, können Sie QEMU benutzen, um die Distribution zu testen. Angenommen, Sie haben ein ISO-Image von Knoppix [4] unter dem Namen knoppix.iso gespeichert und wollen das Image vor dem Brennen testen. Öffnen Sie ein Terminalfenster und geben den folgenden Befehl ein:

qemu -cdrom knoppix.iso

Ein Fenster öffnet sich und die Emulation startet, als würde das Programm auf einer echten Hardware ausgeführt. Knoppix zeigt ein grafisches Bootfenster und startet eine GUI, wenn Sie sich für den grafischen Modus entscheiden. Sie können Knoppix wie gewohnt starten und nutzen. Allerdings läuft die Distribution auf dem Emulator etwas langsamer als auf echter Hardware. Die Kontrolle über den Mauszeiger erlangt QEMU, indem Sie in das Fenster klicken. Zurück zum richtigen Betriebssystem gelangen Sie mit den Tasten [Strg-Alt].

Wenn Sie mit dem Internet und der Host-Umgebung kommunizieren wollen, nutzen Sie die Option -user-net:

qemu -user-net -cdrom knoppix.iso

QEMU baut hinter den Kulissen ein komplettes virtuelles Netzwerk auf. Zum Beispiel besitzt der emulierte Router, über den das in QEMU laufende Betriebssystem ins Netz geht, die Adresse 10.0.0.2.

Haben Sie einen Samba-Server auf dem System installiert, kann die emulierte Umgebung darüber auf den echten Computer zugreifen. Dazu verwenden Sie die -smb Verzeichnis. Diese Option funktioniert nur in Verbindung mit -user-net. Läuft in QEMU Windows, müssen Sie die Adresse des Samba-Servers eintragen. Unter Windows 98 und alten NT-Varianten tragen Sie dazu in C:\WINDOWS\LMHOSTS folgende Zeile ein:

10.0.2.4 smbserver

Im emulierten Windows finden Sie den Sambaserver dann in der Netzwerkumgebung unter dem Namen smbserver.

Wenn Sie eine echte CD testen wollen, starten Sie den Emulator mit der Gerätedatei des CD-ROM-Laufwerks:

qemu -user-net -cdrom /dev/cdrom

Vorher legen Sie die CD ins CD-ROM-Laufwerk ein, mounten sie aber nicht. Beim Start der Emulation greift QEMU auf die Gerätedatei, statt auf das ISO-Image zu. Mithilfe dieser Option können sowohl das Hostsystem als auch das emulierte System CDs oder Disketten benutzen.

Abbildung 1: Knoppix 3.7 in einem QEMU-Fenster vom ISO-Image gebootet.

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