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NICHT GUT KIRSCHEN ESSEN

01.03.2005 Musik per Tastendruck, den Browser per Knopfdruck steuern – solcher Komfort ist mit Multimedia-Tastaturen unter Windows gang und gäbe. Mit der CyMotionMaster Linux schickt sich der Tastaturhersteller Cherry an, auch Linux-Desktops zu erobern. Unser Test wirft ein Licht auf die Stärken und Schwächen des Geräts.

Multimedia-Tastaturen erfüllen mehr Aufgaben, als die herkömmlichen Werkzeuge zur Texteingabe: Zahlreiche Sondertasten bieten die Option, häufig benötigte Funktionen mit nur einem Tastendruck aufzurufen. Statt sich unterschiedliche Tastaturkürzel zu merken, nutzen Sie die Schaltzentrale Tastatur, um den Browser und den Audio-Player zu steuern sowie die Lautstärke zu justieren. Ein vom Hersteller beigelegtes Konfigurationsprogrammm erlaubt es, die Tastaturkürzel anzupassen und Anwendungen zu steuern, die sich "ab Werk" nicht mit den Sondertasten ansprechen lassen.

Ob Linux die Sondertasten eines Multimedia-Keyboards unterstützt, hängt davon ab, ob ein Druck auf die jeweilige Taste einen so genannten Keycode sendet. Diesen Keycode registriert der X-Server als Ereignis und kann entsprechend darauf reagieren. Ob eine Tastendruck ein solches Ereignis erzeugt, erfahren Sie mit dem Kommando xev. Es öffnet ein Eingabefenster, über dem Sie eine Taste drücken. Im Terminalfenster, aus dem heraus Sie xev gestartet haben, zeigt die Anwendung unter anderem den Keycode der gedrückten Taste an (Abbildung 1). Haben Sie den Code einer Taste herausgefunden, belegen Sie diese in einem Programm wie Xbindkeys [1], lineak [2] oder khotkeys [3] mit einer Aktion oder weisen ihr eine Tastenkombination zu.

Abbildung 1

Abbildung 1: xev zeigt den Keycode einer gedrückten Taste an, in dieser Abbildung einen Druck auf die linke Strg-Taste ("Control_L").

Unter Linux senden einige Sondertasten keinen Keycode – bei der Arbeit mit Windows fällt das Problem nicht auf, da dort der Herstellertreiber die nötigen Funktionen mitbringt. Eine Tastatur, die den passenden Linux-Treiber an Bord hat, vertreibt Cherry mit der CyMotionMaster Linux G86-21070. Die Tastatur bringt 29 Sondertasten mit, mit denen Sie Web-Browser und XMMS steuern und häufig benötigte Aktionen wie etwa Kopieren und Einfügen aufrufen. Das Gerät bekennt sich schon optisch zu Linux: die linke Windows-Taste ziert der Pinguin, der ebenfalls noch einmal in Farbe links oben auf der Tastatur prangt. Der Traum von der universellen Multimedia-Tastatur für Linux erfährt jedoch schon mit dem Studium der Verpackung einen ersten Dämpfer: Cherry führt als Systemvoraussetzung Suse Linux 9.1 auf. In unserem Test arbeitete die CyMotionMaster Linux allerdings auch mit Version 9.2 der Distribution problemlos zusammen.

Betriebssystem inklusive

Suse Linux 9.1 liegt der Tastatur in einer Special Edition bei, die vom Umfang her der Personal-Version entspricht. Das ebenfalls enthaltene Installationsheft ist das gleiche, das der Hersteller auch zusammen mit Windows-Tastaturen ausliefert: Die Installation der Treiber-Software beschreibt es nur für das System aus Redmond. Für das Einspielen des Programms KeyM<\@>n unter Linux verweist die Anleitung auf die Dateien Liesmich.txt und Readme.txt auf der Treiber-CD. Die Dateien existieren dort allerdings ebenso wenig wie ein passender Windows-Treiber. Dass die Installationsanleitung für Linux stattdessen in den Dateien README und INSTALL steht, lässt sich noch relativ leicht herausfinden. Den Windows-Treiber dagegen müssen sich Benutzer eines Dual-Boot-Systems erst von der Cherry-Web-Seite [2] herunterladen.

Für den Betrieb mit der beiliegenden Suse-Linux-Version, liegt das Paket aumix, das die Lautstärketasten aufruft, mit auf der Treiber-CD. Ebenfalls dort finden Sie die Datei keyman-0.6.0-2.i586.rpm, die ein Startskript und das Konfigurationsprogramm enthält. Um die Software zu nutzen, sollten Sie die CyMotionMaster am PS/2-Anschluss betreiben. Schließen Sie sie stattdessen per USB an den Rechner an, gilt es zunächst das Kernelmodul hid (human input device) des Kernels auszutauschen. Das passende Modul namens hid.ko liefert Cherry zumindest für den Standardkernel von Suse Linux 9.1 im Archiv usb.tar.gz mit. Arbeiten Sie dagegen mit Suse Linux 9.2, bleibt nur das Neuübersetzen des Moduls aus den von Cherry mitgelieferten Quellen.

Wegweiser

Mit dem Treiber erhalten Sie zusätzlich ein KDE-Applet, über das Sie die Funtionen der Tastatur anpassen. Wie Sie das bewerkstelligen und wie die CyMotionMaster vorkonfiguriert ist verrät die Dokumentation allerdings nicht. Einen zumindest groben Überblick über die Standardkonfiguration verschaffen Sie sich unter [5] (Abbildung 2). Die beiden Fünferblöcke am oberen Rand steuern den Web-Browser und den Audio-Player XMMS. Bei den Browsern hat Cherry Tastenkürzel für Epiphany, Firefox, Mozilla und Konqueror eingerichtet. Von links nach rechts bieten die Tasten folgende Funktionen: eine Seite zurück oder vor, den Ladevorgang abbrechen, eine Seite neu laden und den Start der Suchfunktion. Die fünf Zusatztasten auf der linken Seite bieten Zugriff auf Kopieren, Ausschneiden, Einfügen und auf die Scroll-Funktion im aktiven Fenster. Rechtsbündig stehen ebenfalls fünf Tasten bereit: Mit Ihnen wechseln Sie den Desktop und machen Aktionen rückgängig oder stellen Sie wieder her. Die letzten beiden Tasten sind besonders in OpenOffice und im Texteditor KWrite praktisch.

Um die Tastatur anzupassen, nutzen Sie das Konfigurationsprogramm. Sie starten es über den Eintrag Keyman im K-Menü. Es nistet sich als Symbol im Systembereich der KDE-Leiste ein. Ein Klick auf dieses Icon öffnet die Anwendung, auf deren Registerkarte Key actions Sie die Tastenkürzel modifizieren. So ist in der Standardeinstellung der Funktion Rückgängig die Tastenkombination [Strg]+[Z] zugeordnet (Abbildung 3). Den Namen der gewünschten Taste müssen Sie dabei in der Notation angeben, die der X-Server versteht, die linke Strg-Taste also als [Control_L]. Leider hat es Cherry versäumt im KDE-Programm eine Option einzubauen, die es erlaubt, einfach nur die gewünschte Tastenkombination über dem Eingabefeld zu drücken. So müssen Sie zunächst xev starten und die gewünschte Taste drücken, um ihren Namen herauszufinden. Er steht in Klammern hinter dem numerischen Keycode.

Abbildung 2

Abbildung 2: Welche Funktionen die Sondertasten bieten erfahren Sie nicht in der beiliegenden Dokumentation, sondern nur auf der Cherry-Web-Seite.

Abbildung 3

Abbildung 3: Was beim Druck auf eine Sondertaste passiert, legen Sie im Konfigurationsprogramm "Keyman" fest.

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LinuxUser 05/2014

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