Die einfachste Variante, Mac-Programme unter Linux zu betreiben, stellt die freie Software Mac-on-Linux [1] dar. Da sie keine Hardware emuliert, also auch keinen Prozessor, setzt sie allerdings einen Apple-Computer voraus. Mac-on-Linux funktioniert zwar prinzipiell auch mit anderen PowerPC-Architekturen [2], zum Beispiel [3]. Auf diesen das Apple-Betriebsystem MacOS zu installieren, verstieße allerdings gegen dessen Nutzungsbedinungen.
Linux für Apple
Bleiben also nur Apple-Computer wie iMac, iBook, Power Mac oder oder Power Book. Daher muss sich auch das verwendete Linux für PowerPC [4] eignen. Entsprechende Distributionen gibt es zur Zeit von Fedora Core 3 (noch im Test, [5]), Gentoo [6], Debian [7], Ubuntu [8], und Yellow Dog (siehe Artikel auf S. 67).
Mac-on-Linux emuliert keine Hardware, sondern reicht Befehle an den Prozessor durch. Außerdem enthält es, ähnlich wie VMware, eigene Gerätetreiber, die für den Einsatzzweck optimiert sind. Deshalb arbeitet diese Lösung um einiges schneller als eine reine Emulation.
Mac OS als Linux-Programm
Mac-on-Linux bootet ein normales Betriebssystem als Linux-Programm. Es erfordert also ein auf der Festplatte installiertes Apple-System, in unserem Beispiel das aktuelle Mac OS X. Alternativ beherrscht Mac-on-Linux auch ältere Varianten wie System 9, das heute durchaus auch noch eingesetzt wird.
Gentoo-User downloaden und kompilieren Mac-on-Linux wie bei ihrer Distribution üblich mit emerge mol. Yellow Dog liefert das Programm schon mit.
Wir verwendeten die Ubuntu-Distribution für PowerPC, da auf dem iBook G4/800 mit der Grafikkarte Radeon Mobility 9200 weder Gentoo noch das kommerzielle Yellow Dog eine funktionierende grafische Oberfläche zustande brachten.
Die Installation gestaltet sich mit Ubuntu etwas anders als bei RPM-basierten Systemen, denn es benutzt das unter Debian übliche Paketwerkzeug apt-get, das die nötigen Dateien aus dem Internet herunterlädt.
Mac-on-Linux verlangt für das laufende PPC-Linux einige Kernel-Module, die Sie selbst kompilieren müssen. Dazu benötigen Sie einige Tools, die nicht zwangsläufig schon installiert sind. Folgender Befehl lädt die nötigen Pakete herunter und installiert sie:
sudo apt-get install build-↩ essential linux-headers-2.6-↩ powerpc
Werden Sie dabei nach einem Passwort gefragt, geben Sie dasjenige ihres Benutzer-Accounts ein, denn normalerweise gibt es bei Ubuntu keinen Administrator root (siehe [8]). Stattdessen ruft man Befehle, die root-Rechte verlangen, mit sudo auf.
Die Mac-on-Linux-Dateien fehlen leider im Standard-Repository von Ubuntu. Deshalb müssen Sie das Multiverse-Verzeichnis hinzufügen, das auch Pakete enthält, die nicht zum Standardumfang Ubuntus gehören. Ergänzen Sie dazu die Datei /etc/apt/sources.list um die beiden Zeilen aus Kasten 1.
Kasten 1: Ergänzungen von /etc/apt/sources.list
deb http://archive.ubuntu.com/ubuntu warty multiverse deb-src http://archive.ubuntu.com/ubuntu warty multiverse
Um das lokale Verzeichnis verfügbarer Software zu aktualisieren, führen Sie sudo apt-get update aus. Dann installieren Sie den Quellcode der Kernel-Module für Mac-on-Linux:
sudo apt-get install mol-↩ modules-source
Mit einem Editor öffnen Sie eine Header-Datei dieses Pakets, um einen Fehler zu beheben, der die erfolgreiche Kompilierung verhindert. Wollen Sie statt Vi einen anderen Editor verwenden, setzen Sie dessen Befehlsnamen an seine Stelle.
sudo vi /usr/src/linux-↩ headers-2.6.8.1-4-powerpc/↩ include/asm/setup.h
Löschen Sie die Zeile #include <asm-m68k/setup.h> und speichern Sie die Datei wieder. Dann wechseln Sie in das Verzeichnis, in dem sich unter Linux üblicherweise die Linux-Kernel-Quellen befinden und entpacken das Archiv, das apt-get dort abgelegt hat.
cd /usr/src sudo tar xzvf mol-modules.tar.gz
Damit die Version von laufendem Kernel und Modulen übereinstimmen, müssen Sie noch einige Umgebungsvariablen setzen:
export KVERS="$(uname -r)" export KSRC="/usr/src/linux-↩ headers-$(uname -r)" export KDREV="ubuntu0"
Wechseln Sie in das Mac-on-Linux-Unterverzeichnis und rufen Sie dort das Übersetzungs-Skript auf:
cd modules/mol sudo debian/rules build
Nach kurzer Wartezeit sollte der Compile beendet sein (siehe Abbildung 1), und Sie können aus den enstandenen Dateien ein Debian-Paket machen:
sudo debian/rules binary-↩ mol-modules
Das Endprodukt finden Sie im Verzeichnis /usr/src. Wechseln Sie dorthin und installieren Sie es in ihrem Ubuntu-System:
sudo dpkg -i mol-modules-↩ 2.6.8.1-3-powerpc_0.9.70+↩ ubuntu0_powerpc.deb
Nun sind endlich die Voraussetzungen erfüllt, um die restlichen Pakete von Mac-on-Linux recht einfach zu komplettieren:
sudo apt-get install mol mol-↩ drivers-macosx
Der Paketmanager löst Abhängigkeiten selbst auf und installiert zusätzlich zu mol und mol-drivers-macosx noch mol-drivers-linux, das nur derjenige braucht, der in Mac-on-Linux wieder ein PPC-Linux laufen lassen will.
Starten Sie das Programm mit der Option --loadonly, zeigt es an, ob das Kernel-Modul geladen wird (Abbildung 2). Die häufigste Fehlerquelle ist, dass Kernelversion und Modulversion nicht zusammenpassen. Der Parameter -a erlaubt zwar unterschiedliche Versionsnummern, aber das dürfte in den wenisten Fällen funktionieren.
Ist das Modul geladen, geht es an die Konfiguration der Grafikkarte (Video configuration). Der Befehl sudo molvconfig startet das enstprechende Programm, das entweder selbst die richtigen Betriebsmodi ausprobiert oder sich manuell einrichten lässt. Im Test funktionierten beide Varianten mit den Default-Einstellungen.
Bei der Tastenbelegung hilft wieder startmol selbst. Mit dem Parameter --keyconfig startet es ein interaktives Programm. Es zeigt den Namen einer Taste an (zum Beispiel Return oder Apple-Key) und fordert den Benutzer zum Drücken derselben auf.
Nach Abschluss der Konfiguration starten Sie Mac OS X im Fenster mit sudo startmol -X. Es findet selbst die Installation auf der Festplatte und "bootet" das System. Im Terminalfenster gibt Mac-on-Linux Meldungen aus, die den Start dokumentieren. Dauerhaft speichert es sie in einer Datei in /var/log. Schauen Sie also dort nach, sollte etwas nicht funktionieren.



