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SURFEN IN DER SHELL

Lynx, Links und w3m

01.03.2005 Schnell nach einer Lösung googlen, wenn die grafische Oberfläche streikt, HTML-Seiten in einem Rutsch in schön formatierte ASCII-Dateien umwandeln und einfach schnelles Browsen auf der Kommandozeile bieten die drei Text-Browser Lynx, Links und w3m.

Zu Befehl

Auch wenn sich viele Dinge bequem über grafische Oberflächen wie KDE und Gnome regeln lassen – wer sein Linux-System richtig ausreizen möchte, kommt um die Kommandozeile nicht herum. Abgesehen davon gibt es auch sonst viele Situationen, in denen es gut ist, sich im Befehlszeilendschungel ein wenig auszukennen.

In dieser Zu-Befehl-Folge geht es ums Surfen im Textmodus – was manchen überflüssig erscheint, kann doch der rettende Anker oder einfach eine schnelle Alternative sein. Lynx [1], Links [2] und w3m [3] können noch mehr: Sie wandeln HTML-Dateien in lesbare Textdokumente um und lassen sich gut als Viewer in andere Programme integrieren.

Lynx

Lynx starten Sie aus einem Terminal oder von einer virtuellen Konsole aus mit dem Aufruf lynx – wahlweise übergeben Sie dem Browser schon direkt beim Start eine URL oder die Adresse einer lokalen HTML-Datei, z. B.:

lynx www.linux-user.de

Standardmäßig blendet Lynx am unteren Rand eine Übersicht über die wichtigsten Tastaturkommandos zur Bedienung des Browsers ein – Sie steuern Lynx vollständig über das Keyboard. Tabelle 1 fasst die wichtigsten Tastenkombinationen in einer Übersicht zusammen.

Das Verhalten des Browsers beeinflussen Sie entweder direkt beim Start über Kommandozeilen-Parameter oder dauerhaft im Optionen-Dialog, den Sie mit [O] aufrufen. Wer beispielsweise die Frage nach dem Akzeptieren von Cookies als störend empfindet, schaltet sie beim Start durch den Aufruf

lynx -accept_all_cookies

ab. Um diese Vorgabe dauerhaft zu verankern, navigieren Sie im Optionen-Dialog mit der Taste [Pfeil runter] bis zum Eintrag Cookies und drücken die Taste [Pfeil rechts]. Aus dem sich öffnenden Menü wählen Sie zwischen ignore, ask user (Voreinstellung) und accept all (Abbildung 1). Damit Lynx die Einstellungen beim Beenden nicht vergisst, müssen Sie (vor dem Bestätigen über den Link Submit bzw. Accept Changes) die Checkbox Optionen permanent speichern bzw. Save options to disk durch Drücken der [Eingabe]-Taste aktivieren. Alle Benutzereinstellungen legt Lynx in der versteckten Konfigurationsdatei ~/.lynxrc ab, die Sie auch mit einem Text-Editor anpassen können.

Abbildung 1: Über den Optionen-Dialog konfigurieren Sie Lynx nach Ihren Wünschen.

Über die Option -book bitten Sie Lynx, mit der Ansicht Ihrer persönlichen Lesezeichen zu starten.

Für Passwort-geschützte Seiten geben Sie entweder den Benutzernamen und das Kennwort interaktiv ein oder teilen diese Daten schon beim Aufruf mit:

lynx -auth=username:password www.url.de

Wer Lynx zur Kontrolle selbst erstellter lokaler HTML-Seiten einsetzt, kann beim Start schon festlegen, dass der Browser keinen externen Links folgt (Option -localhost). Außerdem ist es möglich, Lynx den Lieblings-Editor zu verraten und aus dem Programm heraus lokale Dateien zu bearbeiten. Wenn Sie Lynx schon beim Start

lynx -editor=vim

übergeben, können Sie direkt über die Taste [E] die gerade geladene HTML-Seite im Editor Vim bearbeiten. Nach dem Verlassen des Editors landen Sie direkt wieder in Lynx und können die Seite einfach über die Tastenkombination [Strg-R] neu laden. Natürlich darf hinter dem Parameter -editor= auch ein anderes Programm stehen; arbeiten Sie lieber mit Emacs, lautet der Aufruf entsprechend

lynx -editor=emacs

Damit Lynx den Lieblings-Editor auch beim nächsten Start noch kennt, tippen Sie wieder [O], um die Optionen einzurichten. Im Textfeld Editor tragen Sie das gewünschte Programm ein.

Tabelle 1: Tasten zur Lynx-Steuerung

[Umschalt-ß] oder [H] Ruft die Lynx-Hilfe auf.
[Q] Beendet das Programm mit einer Sicherheitsabfrage, ob Sie Lynx wirklich verlassen wollen.
[Umschalt-Q] Beendet Lynx ohne Nachfrage.
[Pfeil hoch],[Pfeil runter] Blättert vor- und rückwärts durch die Links.
[Seite hoch],[Seite runter] Blättert seitenweise nach unten oder oben.
[Pfeil rechts] oder [Eingabe] Folgt einem Link.
[Pfeil links] Geht zur vorigen Seite zurück.
[K] Zeigt eine Liste aller verfügbaren Tastaturkommandos.
[M] Geht zur Startseite zurück; Bestätigung erfolgt über [J] oder [Y].
[G] Öffnet einen Eingabedialog für eine neue URL; Bestätigung erfolgt mit der [Eingabe]-Taste.
[Umschalt-G] Geht zur letzten URL bzw. erlaubt, diese Adresse zu modifizieren.
[L] Zeigt alle sichtbaren Links im aktuellen Dokument.
[P] Druckeroptionen: Speichern Sie das Dokument in eine lokale Datei, versenden Sie die Datei als E-Mail oder schicken Sie das Dokument direkt an einen Drucker.
[D] Speichert die Seite (mit allen Grafiken).
[A] Fügt ein Lesezeichen hinzu; wahlweise für die gerade angezeigte Web-Seite ([D]) oder für die Seite, die vom hervorgehobenen Link (Cursor-Position) aus erreicht wird ([L]).
[V] Öffnet die Lesezeichenverwaltung.
[Strg-A] Zurück zum Seitenanfang.
[Strg-E] Bringt Sie zum Seitenende.
[Strg-R] Lädt die Seite neu.
[Umschalt-7] (/) Startet die Suche.
[Rückschritt] Zeigt die zuletzt besuchten Seiten an (History).
[O] Öffnet den Konfigurationsdialog für Lynx.

Das geht doch mit Links<\#201>

Den Text-Browser Links steuern Sie sowohl mit der Tastatur als auch mit der Maus. Der Befehl zum Browser-Start lautet links – auch hier können Sie wahlweise eine URL oder eine lokale Datei angeben. Drücken Sie [Esc] oder klicken Sie mit der Maus in die oberste Zeile im Fenster, blendet Links ein Menü ein, über das Sie mit der Maus oder der Tastatur wandern können. Hinter den meisten Menüeinträgen steht die zugeordnete Tastenkombination, so dass Sie die Keyboard-Shortcuts schnell lernen und nicht zwingend auf die Maus angewiesen sind. Tabelle 2 zeigt eine Zusammenfassung der wichtigsten Kommandos. Da die Maus zur Programmsteuerung verwendet wird, können Sie nicht einfach wie gewohnt Text markieren und damit in die Zwischenablage befördern – halten Sie stattdessen die [Umschalt]-Taste gedrückt und wählen Sie danach mit der Maus einen Bereich aus, geht es.

Über das Menü Einstellungen (bzw. Setup) konfigurieren Sie den Browser. Hier stellen Sie beispielsweise Sprache, Zeichensatz, Terminal-Optionen (Farbe, Cursor usw.), Größe des Caches und vieles mehr ein. Nach jeder Änderung ist im Menü Einstellungen explizit Optionen speichern zu wählen, sonst vergisst Links alle Änderungen nach dem Verlassen. Die persönlichen Einstellungen finden Sie in der Datei links.cfg im versteckten Ordner ~/.links. Auch links.cfg ist eine reine Textdatei, die Sie im Editor bearbeiten können.

Links stellt Tabellen und Frames optisch besser dar als Lynx. Darüber hinaus lässt sich für bestimmte Dateitypen genau festlegen, was der Browser damit machen soll. Um beispielsweise Bilder im PNG-Format mit dem externen Programm display (läuft nur unter X Window) zu öffnen, definieren Sie über das Menü Einstellungen / Verknüpfungen / Hinzufügen (Setup / Associations / Add) zuerst einen neuen Dateityp. Tragen Sie ins Feld Bezeichnung (Label) einen Namen ein, z. B. PNGs, ins Feld Inhalts-Typ(en) (Type(s)) gehört image/png, und zu guter Letzt definieren Sie unter Programm (Program), mit welcher Anwendung Links die PNG-Dateien anzeigen soll (Abbildung 2). Anschließend tragen Sie im Menü Einstellungen / Datei-Endungen (Setup / File extensions) über Hinzufügen (Add) für den neu definieren Typ noch die möglichen Dateiendungen ein: Ins Feld Erweiterung(en) gehören sämtliche Dateiendungen durch Kommata getrennt, also z. B.:

png,PNG

Unter Inhaltstyp (Content-Type) tragen Sie wieder image/png ein. Bestätigen Sie danach über OK und speichern Sie die Änderungen. Wenn Sie anschließend in einem Dokument auf ein als [IMG] dargestelltes PNG mit der rechten Maustaste klicken und Bild anzeigen (View image) wählen oder alternativ [Pfeil nach rechts] drücken, erscheint ein Dialogfenster, das nachfragt, ob Sie die Datei öffnen, speichern oder anzeigen (Darstellung als Quelltext) möchten. Gehen Sie auf Öffnen (Open), startet das externe Programm display und präsentiert die PNG-Datei in einem neuen Fenster.

Abbildung 2: Verraten Sie Links, was es mit Bildern im PNG-Format machen soll.

Tabelle 2: Links über die Tastatur bedienen

[Esc] Blendet die Menüleiste ein und wieder aus.
[Q] Beendet Links – mit Sicherheitsabfrage.
[Umschalt-Q],[Strg-C] Beendet das Programm, ohne nachzufragen.
[Pfeil hoch],[Pfeil runter] Blättert vor- und rückwärts durch die Verknüpfungen.
[Seite hoch],[Seite runter] Blättert seitenweise vor und zurück.
[Pfeil rechts] Folgt dem Link.
[Pfeil links] Geht einen Schritt in der History zurück.
[G] Öffnet eine Eingabezeile, in die Sie eine neue Adresse eingeben.
[Umschalt-G] Öffnet die gleiche Adress-Eingabezeile, aber zeigt die zuletzt besuchte Adresse an und erlaubt, diese zu modifizieren.
[D] Speichert das Dokument als lokale Kopie auf dem Rechner.
[Umschalt-7] (/) Sucht vorwärts im aktuellen Dokument.
[Umschalt-ß] (?) Sucht rückwärts.
[N] Springt zum nächsten Suchbegriff.
[Umschalt-N] Springt zum vorherigen Suchbegriff.
[Umschalt-0] (=) Öffnet ein Informationsfenster mit Angaben zur URL, Größe, Zeichensatz, Web-Server usw.
[AltGr-ß] (<\\>) Zeigt den Quellcode des Dokuments an; erneutes Drücken der Taste bringt Sie zurück zur Browser-Ansicht.
[A] Fügt ein Lesezeichen hinzu.
[S] Öffnet die Bookmark-Verwaltung.
[Strg-R] Lädt das Dokument neu.
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LinuxUser 06/2012

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