Web-Baukasten

Komfortabler HTML-Editor mit integrierter IDE

01.03.2005
Bluefish bietet sich bei Arbeiten an umfangreichen Web-Projekten oder kleineren Programmier-Projekten an. Syntax Highlighting und Code-Bausteine helfen bei der Umsetzung.

Die Arbeit an komplexen Web-Seiten mit CGI-Unterstütung kann schnell zu einem unübersichtlichen Unterfangen werden. Ein HTML-Editor wie Bluefish [1] mit intergierter Unterstützung für Projektmanagement und die bekanntesten Skriptsprachen hilft hier, die Übersicht zu behalten. Aktuell liegt die Version 1.01 auf dem Server, die dem Anwender einige interessante neue Features bringt.

Das Programm gehört zwar nicht offiziell zum Gnome-Projekt, wird jedoch jäufig in diesem Kontext eingesetzt. Es basiert auf dem GTK-Toolkit, das mindestens in der Version 2.0 installiert sein muss. Für ein ordentliches Syntax-Highlighting benötigt die Software zudem die libpcre Version 3.0 oder höher. Optional ist dagegen die Rechtschreibkontrolle, die die Entwickler mittels Aspell integriert haben.

Via Gnome-VFS, einer Abstraktionsschicht für das Dateissystem, kann der Anwender zudem transparent auf Online-Ressourcen wie FTP-Server oder WebDAV-Verzeichnisse zugreifen. Diese spricht Bluefish dann wie lokale Verzeichnisse an.

Interface-Design

Das Interface von Bluefish ist dreigeteilt: Am oberen Fensterrand befindet sich die Menüleiste mit den Standardfunktionen. Darunter teilt sich das Fenster in einen Hauptbereich und eine Seitenleiste. Im größeren Hauptbereich editiert der Anwender die Dateien.

Abbildung 1: Bluefish bietet dem Anwender ein dreigeteiltes Interface an, dass sich gut an die eigenen Bedürfnisse anpassen lässt.

Dabei bietet Bluefish die weitverbreitete Technik von mehreren Tabs in einem Fenster an, so dass man bequem zwischen unterschiedlichen Dokumenten hin und herschalten kann. Laut Aussagen der Entwickler bewältigt die Software dabei bis zu 3500 offene Dokumente. Dies kommt im Alltag sicher selten vor.

Die Sidebar übernimmt drei Aufgaben: Zum einen findet sich dort ein kleiner Datei-Browser, mit dem der Benutzer schnellen Zugriff auf seine Dateien hat. Darüber hinaus integrierten die Entwickler Dokumentation zu einigen unterstützten Skript- und Web-Sprachen in die Software, die sich bei Bedarf im seitlichen Bereich einblenden lässt. Drittens darf der Anwendern in dem Bereich Bookmarks für Verzeichnissse ablegen, auf die er häufig zugreift.

Am oberen Rand des Editor-Fensters befindet sich ein Menü mit mehreren Tabs, das dem Anwender schnellen Zugriff auf HTML-Bausteine ermöglicht. Die Tabs gliedern sich nach Funktionen: Tabellen, Formulare oder CSS-Elemente lassen sich so einfach einfügen. Bei komplexeren Konstrukten, wie Formularen, fragt das Programm die notwendigen Parameter zur korrekten Darstellung ab.

Unterhalb der Tabs bietet die Software zusätzliche Hilfestellung zum Editieren von Skriptsprachen: Passend zu den einzelnen Sprachen findet man in Menüs häufig verwendete Bausteine für Schleifen, Includes oder SQL-Statements. Mittels Dialog und Knopfdruck lassen sich so in erstaunlich kurzer Zeit kleinere Projekte zusammenstöpseln.

Internationalisierung von Web-Seiten fällt mit dem Editor ebenfalls leicht, denn mit einem Rechtsklick in das Editor-Fenster lässt sich das Input-Encoding in zahlreichen Varianten umschalten. Die Dateien selber speichert das Programm standardmäßig in Unicode ab.

Entwicklungsumgebung light

Die Entwickler bewerben ihr Projekt nicht nur als reinen HTML-Editor. Durch die Unterstützung für Skript- und traditionelle Programmiersprachen, wie C bietet Bluefish sich auch als integrierte Entwicklungsumgebung an. Gerade bei kleineren Projekten mag der Einsatz einer ausgewachsenen IDE verwegen anmuten, da zahlreiche Feature nie zum Einsatz kommen und den Benutzer eventuell sogar stören.

Als besonders praktisch erweist sich dabei, dass sich die integrierte Dokumentation für die Sprachen Python und PHP über die Sidebar durchsuchen lässt. Hier findet man kurze Erklärungen zu den Standardfunktionen und eventuellen Rückgabewerten. Automatische Einrückung, Zeilennummerierung und ein ausgefeiltes Syntax-Highlighting erleichtern die Arbeit mit dem Quellcode.

Bluefish bietet die Möglichkeit, ein Makefile auszuwerten und einen entsprechenden Aufruf in einem separaten Fenster darzustellen. Dort handhabt es auch die Aufrufe von anderen externen Programmen, wie Tidy, einem Syntax-Checker für HTML [2].

Abbildung 2: In den Einstellungen lassen sich externe Hilfsprogramme einbinden.

Einige externe Programme sind nach der Standardinstallation von Bluefish bereits vorkonfiguriert. Allerdings prüft die Installationsroutine nicht, ob die Programme wirklich installiert sind und im Pfad liegen. Das erzeugt mitunter Verwirrung, da die Software entsprechende Menüpunkt trotzdem bereitstellt.

Abbildung 3: Bluefish überprüft bei der Installation nicht, welche externen Programme wirklich auf den System vorhanden sind.

Nichtsdestrotz bietet die Integration von externen Programmen dem Anwender die Möglichkeit, die Software sinnvoll zu erweitern. So kann er auch nachträglich noch eventuell benötigte Entwicklungswerkzeuge einbinden.

Projektmanagement

Seine wahren Stärken spielt Bluefish aber dann aus, wenn es darum geht, mehrere Dateien aus einem größeren Projekt zu verwalten. Hier bietet das Programm einen entsprechenden Dialog an. Darin legt der Anwender fest, in welchem Verzeichnis sein Projekt liegen soll und welchen Namen es Bluefish-intern trägt. Über einen Rechtsklick lassen sich in der Sidebar dann nach und nach Ordner und Dateien zu dem Projekt hinzufügen.

Abbildung 4: Bei der Übersetzung der Dialoge hilft die deutsche Beschriftung manchmal nur bedingt: URL Vorschau hieß im Original Remote Directory.

Zu dem erlaubt der Projektdialog dem Anwender, eine Remote-Site anzugeben, der das lokale Projekt entspricht. Die deutsche Lokalisierung hilft allerdings in diesem Fall nur bedingt weiter, da der englische Ausdruck Remote Directory im deutschen als URL Vorschau erscheint.

Fazit

Auch wenn die Entwickler die aktuelle Version 1.0 als stabil gekennzeichnet haben, weist die Software noch die eine oder andere kleinere Macke auf: So stürzte das Programm beispielsweise beim Anlegen eines Projektes während des Versuchs, ein Template für das Projekt auszuwählen, wiederholt ab. Vor dem Einsatz mit Produktionsdaten ist also eine Sicherheitskopie angeraten.

Laut Web-Seite bemühen sich die Entwickler darum, die Human Interface Guidelines des Gnome-Projekts zu berücksichtigen, wo immer es möglich ist. Trotzdem wirkt die Oberfläche des Programms ein wenig unaufgeräumt und überladen. Auch sind einige Dialoge, wie etwa der für die Einstellungen mit der seitlichen Tab-Leiste, gewöhnungsbedürftig.

Unterm Strich bleibt ein solider Editor, der den Anwender nach einer gewissen Einarbeitungsphase und Anpassung gut bei der Arbeit mit Web-Seiten oder bei der Programmierung unterstützt. Gerade die Code-Bausteine befreien von stupidem Eintippen und reduzieren so die Fehlerquelle Nachlässigkeit.

Außer den bereits genannten Abhängigkeiten, die aber auf einem Gnome-System ohnehin erfüllt sein sollten, braucht die Software einige Bibliotheken aus dem Gnome-Projekt, die aber in allen aktuellen Distributionen vorhanden sind. Der Verbrauch von Festplattenplatz und Arbeitsspeicher hält sich ebenfalls erfreulich in Grenzen, sodass sich das Programm auch für den Einsatz auf älteren Rechnern eignet.

Infos

[1] Bluefish-Homepage: http://bluefish.openoffice.nl

[2] HTML-Tidy: http://tidy.sourceforge.net

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