Die 16-Bitter kommen

Ab Mitte der 80er-Jahre setzten Hersteller neuer Heimcomputer vermehrt auf den 68000-Prozessor von Motorola. Er ermöglichte gemeinsam mit verbesserten Sound- und Grafik-Chips erstmals grafische Benutzeroberflächen. Auch sie waren gewöhnlich noch fest in die Computer eingebaut.

So bot der 1985 erstmals vorgestellte Atari ST einen hochauflösenden Monitor sowie eine MIDI-Schnittstelle. Damit fand er schnell Anhänger unter zahlreichen Musikern, aber auch Grafikern. Zwar kostenlos, jedoch nicht als Open-Source-Software steht der ST-Emulator Steem [11] zur Verfügung.

Nach dem Start mit steem fragt das Programm zunächst nach dem Pfad zur Image-Datei des Betriebssystems TOS. Dann booten Sie den Atari-ST (Abbildung 12) mit dem Icon links oben, das einen Pfeil nach rechts zeigt. Der Mauszeiger bewegt sich zunächst nicht mehr aus der TOS-Fenster heraus, die Taste [Pause] befreit ihn wieder. Den Diskettenmanager erreichen Sie über den Button ganz rechts in der Steem-Menüleiste. Damit binden Sie Disketten-Images ein, indem Sie die gewünschte Datei per Mausklick auswählen.

Abbildung 12: Steem emuliert den Atari ST.

Bereits 1982 verließen einige Mitarbeiter Atari, um eine eigene Firma zu gründen: Amiga. Sie arbeiteten dort an einem Computer, der ebenfalls herausragende Grafik- und Klangverarbeitung bieten sollte. 1985 drohte ihnen das Geld auszugehen, doch Commodore kaufte Amiga auf und sicherte die weitere Entwicklung des neuen Heimcomputers. Zum Durchbruch verhalfen diesem 1986 die Modelle Amiga 500 (Abbildung 13) und Amiga 2000. Im Laufe der Zeit kamen noch zahlreiche Amiga-Varianten auf den Markt. Als letzte erschienen 1992 die Modelle Amiga 1200 und 4000 mit einer wesentlich leistungsstärkeren Grafik-Hardware.

Abbildung 13: Das Gehäuse des Amiga 500 beherbergte neben dem eigentlichen Computer Tastatur und Diskettenlaufwerk.

Der bekannteste Emulator für Computer der Amiga-Reihe heißt UAE – "The Ubiquitous Amiga Emulator" [12]. Zum Betrieb benötigen Sie ROM-Abbilder des Betriebssystems Kickstart. Die dazugehörige grafische Oberfläche namens Workbench lud der Amiga von Diskette nach; davon benötigen Sie also ebenfalls eine Image-Datei. Starten Sie UAE und stellen Sie im Reiter Memory die Datei ein, die das Kickstart-ROM enthält. Dann binden Sie unter Floppy mit Insert entweder das Workbench-Diskettenabbild oder direkt ein Spiel oder eine andere Anwendung ein.

Unter CPU Emulation bestimmen Sie den gewünschten Prozessor, für einen Amiga 500 beispielsweise das Modell 68000. Im Reiter Sound ändern Sie Mode auf Normal, um die Tonausgabe zu aktivieren. Wollen Sie eine bestimmte Grafik-Hardware emulieren, wählen Sie diese im Tab Chipset aus. AGA hieß der im Amiga 1200 und 4000 verwendete Grafik-Chipsatz. Das Amiga-Betriebssystem starten Sie schließlich über den Button Pause.

Persönliche Computer

Die vorgestellten Systeme verdrängte letztendlich der erstmals 1981 von IBM eingeführte PC fast komplett. Bis zur Entwicklung von Windows, Linux und anderen Alternativen war MS-DOS das Standard-PC-Betriebssystem. Aus diesem Grund übertrifft die Software-Auswahl für MS-DOS die aller anderer Heimcomputer-Betriebssysteme dieser Zeit. Für Linux existieren zwei DOS-Emulatoren: Dosbox [13] und Dosemu [14]. Ersteres bietet einen selbstprogrammierten Klon des Betriebssystems, für Dosemu benötigen Sie eine Kopie von MS-DOS oder einer freien Alternative.

Einige spezielle MS-DOS-Spiele lassen sich effizienter direkt unter Linux betreiben als mit einem allgemeinen DOS-Emulator. ScummVM [15] emuliert statt des kompletten Betriebssystems nur die von Spielen wie Monkey Island, Baphomets Fluch oder Simon the Sorcerer verwendete Engine. Viele Spiele der Firma Sierra, darunter Leisure Suit Larry (Abbildung 14) und Space Quest (Abbildung 15) laufen nach demselben Prinzip unter Sarien [16] oder FreeSCI [17].

Abbildung 14: Das DOS-Spiel Leisure Suite Larry läuft unter Sarien.
Abbildung 15: Space Quest III unter FreeSCI.

Zu den allerersten Computerspielen gehörten die textbasierten Adventures. Unter ihnen erfreuten sich besonders die der Firma Infocom großer Beliebtheit. Sie erweckt der Emulator Frotz [18] zum Leben (Abbildung 16). Haben Sie eine Image-Datei eines Text-Adventures starten Sie es über frotz dateiname.

Abbildung 16: Das Text-Adventure zum legendären Buch: Frotz erweckt "The Hitchhiker's Guide to the Galaxy" zum Leben.

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